4,5 Tage Vipassana – Ein Erfahrungsbericht

Und hier nun erstmal der Erfahrungsbericht von Markus.

Unser 10-Tage Vipassana Kurs im Dhamma Salila Zentrum in Dehradun endete für mich bereits am Morgen des fünften Tages. Sowohl über die Gründe dafür als auch meine Erfahrungen in dieser Zeit möchte ich nun hier einmal berichten.

Alle die, die noch nie etwas von Vipassana gehört haben können sich auf Wikipedia über die grundsätzlichen Prinzipien informieren. Es soll hier im Wesentlichen um die Darstellung meiner Erfahrungen gehen anstelle der Erläuterung der Technik an sich.

Zunächst einmal will ich natürlich mit den positiven Dingen beginnen. Das Zentrum (wie wahrscheinlich die meisten seiner Art) lag hinter einem Hügel am Rand der lebhaften Stadt Dehradun. Hin- und wieder hat man schon den Lärm der Stadt mitbekommen aber in den meisten Fällen war die Ruhe in der Natur fernab des städtlichen Treibens eine Wohltat für Körper, Geist und Seele. Wie Lars schon in einem vorangegangen Kommentar anmerkte, bekommt man solch eine Ruhe über mehrere Tage hinweg nur an wenigen Stellen (vor allen Dingen in Indien). Ich fand zu einer bis dahin nicht gekannten inneren Ruhe und Ausgeglichenheit und natürlich viel Zeit über mich und Gott und alle Welt nachzudenken. Auch der geregelte und von außen bestimmte Tagesablauf (siehe unten) war nach 4 Monaten Reisezeit sehr angenehm und der tägliche Griff zum Reiseführer blieb einem mal für ein paar Tage erspart. 🙂 Ein geregelter Tagesablauf ist eben doch auch mal was wert. In Deutschland hab ich das bis jetzt nie zu schätzen gewusst. Nun zu den eher pragmatischen Dingen. Die Verpflegung während des Kurses war vollkommen in Ordnung. Die Küche war einfach aber ausreichend. Die letzte kleine Mahlzeit gab es gegen 17 Uhr, was mir aber keinerlei Probleme bereitete. Geschlafen habe ich in einem kleinen, einfachen Doppelzimmer welches ich aber für mich alleine hatte. Die Unterkunftsgebäude waren einfach aber zweckmäßig. Schließlich verbringt man sowieso kaum Zeit in seinem Zimmer. (siehe Zeitplan)

4:00 am Morning wake-up bell
4:30-6:30 am Meditate in the hall or in your room
6:30-8:00 am Breakfast break
8:00-9:00 am Group meditation in the hall
9:00-11:00 am Meditate in the hall or in your room according to the teacher’s instructions
11:00-12:00 noon Lunch break
12noon-1:00 pm Rest and interviews with the teacher
1:00-2:30 pm Meditate in the hall or in your room
2:30-3:30 pm Group meditation in the hall
3:30-5:00 pm Meditate in the hall or in your own room according to the teacher’s instructions
5:00-6:00 pm Tea break
6:00-7:00 pm Group meditation in the hall
7:00-8:15 pm Teacher’s Discourse in the hall
8:15-9:00 pm Group meditation in the hall
9:00-9:30 pm Question time in the hall
9:30 pm Retire to your own room–Lights out

Die Einhaltung des Zeitplans stellte für mich eigentlich keine Probleme dar. Auch das zeitige Aufstehen gegen 4 Uhr funktionierte erstaunlicherweise recht gut. Große Probleme dagegen bereitete mir bereits die erste 2-stündige Meditationseinheit von 4:30 Uhr bis 6:30 Uhr. Alles in allem waren die 10 Stunden Meditation pro Tag, sitzend, mit verschlossenen Augen, in absoluter Ruhe einfach zu viel für mich und mein wahrscheinlich eher zu „unruhiges“ Gemüt. Zu meiner Eigenkritik muss ich natürlich sagen: Es ist ein „Meditationskurs“. Und da wird nun mal viel meditiert. Darüber sollte sich jeder klar sein, der so einen Kurs machen möchte. Auch will ich mich nicht darüber beschweren, das nicht gewusst zu haben. Der Zeitplan steht ganz offen im Internet und kann von jedem vorab eingesehen werden. Ich hab die Dauer der Meditationszeiten vorab einfach nicht ernst genug genommen.

In den ersten drei Tagen, dass heißt also 30 Meditationsstunden, haben wir uns mit unsererem Atem befasst und ihn genaustens beobachtet. Dabei wurde Tag um Tag der Bereich im Gesicht (um den Nasenbereich) verkleinert auf den man seinen Fokus legen sollte und in dem man alle kleinen Gefühle (sogenannte „Sensations“) beobachten sollte.
Ab Tag 3 hab ich mich bereits selbst dabei beobachtet wie ich immer öfter auf die Uhr in der Meditationshalle geschaut und mir einfach nur den erlösenden Gong herbeigesehnt habe. Die Meditationszeit hat mir zu diesem Zeitpunkt schon überhaupt nichts mehr gegeben. Im Nachhinein hätte ich vielleicht einfach die freien Meditationseinheiten verkürzen und den Raum vorab verlassen können. Vielleicht wäre ich dann beim Kurs geblieben. Aber ich hatte den Willen es genauso durchzuziehen wie der Kurs angedacht war. Das war vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig und hat mich die Erfahrung der 2. Kurshälfte gekostet. Aber die bekommt ihr ja dann von Anja nachgereicht. 🙂

Laut abendlichem Diskurs am Tag 3 sollte der folgende Tag etwas ganz besonderes werden – „Vipassana Tag“. Der erste Tag an dem wir wirklich Vipassana praktizieren sollten. Es gab sogar einen leicht angepassten Zeitplan. Ich war sehr aufgeregt und neugierig endlich den Bereich meiner Nase verlassen zu können und freute mich auf Abwechslung. Also schaute ich dem folgenden Tag mit großem Optimismus und (zu großen) Erwartungen entgegen. Die angekündigte Einheit „Vipassana Teaching“ war wieder nichts anderes als eine 2-stündige Meditationseinheit, in der wir unseren Körper Stück für Stück entlang gewandert sind und verschiedene „Sensations“ beobachten sollten. Interessant war die Aussage des Lehrers, dass es überall „Sensations“ geben muss. Man soll sie aber trotzdem nicht suchen sondern einfach nur beobachten. Der Hinweis auf das unbedingte Vorhandensein von „Sensations“ wurde aber immer und immer wieder betont, so dass es eigentlich unmöglich war einfach nur das „Nichts“ zu beobachten. Man hat zwangsläufig natürlich auch gesucht. Nichtsdestotrotz, hab ich verschiedene „Sensations“ wie ein „Pulsieren“, „Krabbeln“, „Drücken“ an verschiedenen Stellen meines Körpers verspürt wenn ich meinen Fokus darauf gelegt habe. Eigentlich also ein Erfolg – mich ließ es kalt und ich war wenig beeindruckt. Am Ende der „Vipassana Teaching“-Einheit wurde uns dann in Aussicht gestellt am Ende des Kurses „Sensations“ am ganzen Körper spüren zu können. An dem Punkt hab ich mich dann gefragt, ob ich das wirklich möchte und es dies wert ist den Kurs um weitere 6 Tage und 60 Meditationsstunden fortzusetzen. Bis dahin hatte ich mich damit über Wasser gehalten, am Ende des Kurses ein wunderbares Erlebnis zu haben oder eine atemberaubende Erfahrung zu machen. Wenn es „nur“ die Erfahrung von „Sensations“ am ganzen Körper ist wollte ich das einfach nicht weiterführen. Ab dem Zeitpunkt hat dann neben den anstrengenden, für mich unendlich langen Meditationseinheiten, also auch noch das Ziel gefehlt. Den Kurs ohne Genuss einer einzigen Meditationseinheit einfach um jeden Preis durchzuhalten, machte für mich einfach keinen Sinn. Ich hab mich ja für den Kurs entschieden um etwas für mich (und meine Mitmenschen) zu tun – und nicht um mit aller Macht die 10 Meditationstage durchzudrücken. Ich entschloss mich also den Kurs am Morgen des 5. Tages zu verlassen.

Am Abend von Tag 4 gab ich meine Entscheidung dem Lehrer dann bekannt. Dieser versuchte mich noch kurz und ohne aufdringlich zu werden zu einem weiteren Tag „Durchhalten“ zu bewegen aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich mental schon längst verabschiedet. Interessant war die Bemerkung eines Mitarbeiter des Centers, dass ich hier etwas gutes für mein nächstes Leben tun würde. Auf meine Antwort, dass ich nicht an die Wiedergeburt glaube, fiel ihm nichts ein. Etwa 2 Tage zuvor wurde im täglichen Diskurs von 19 – 20:30 Uhr bemerkt, dass viele Religionen ihren Glauben durchdrücken, indem Angst geschürt wird. Wenn du dieses oder jenes Ritual nicht durchführst, ohne nicht diese oder jene Gottheit verehrst dann kommst du z.B. in die Hölle. Verhälst du dich so wie wir es dir sagen kommst du in den Himmel. Vipassana sei jedoch vollkommen frei von diesen Dingen und vollkommen religionsfern. Dass dies nicht so ist hat der Kommentar oben bewiesen. Ein anderer Vipassana-Student, mit schon mehr Erfahrung, bemerkte bei meiner Entscheidung den Kurs zu verlassen, dass alles das was mir hier im Kurs nicht gefällt, mir im wahren Leben wohl auch nicht gefällt und Probleme bereiten würde. Gerade deswegen wäre ich hier. Ich kann mir nicht helfen, aber es wurde ernsthaft versucht mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Ich habe darauf geantwortet, dass ich ganz einfach der Vipassana-Lehre folge, indem ich „die Dinge genauso sehe wie sie sind, und nicht wie sie zu sein scheinen“. Ich bin der Meinung einfach nicht für die Methode geeignet zu sein und diese Realität gestehe ich mir hiermit einfach nur ein, anstelle mich weiterhin durch den Kurs zu quälen. Darauf fiel ihm auch keine Antwort ein.

Die Kurse sind prinzipiell kostenlos und werden durch Spenden der Teilnehmer finanziert. Eine Spende wurde mir jedoch aufgrund meines vorzeitigen Abbruchs verwehrt. Die Frage nach dem „Warum“ wurde damit beantwortet das Goenka (er hat diesen 10-Tages Kurs aufgestellt) das so festgelegt hat. Warum? Wieder keine Antwort. Ich hätte gern gespendet, da die 5 Tage für mich auf jeden Fall eine interessante Erfahrung waren. Jedenfalls sollte ich den Kurs am nächsten Tag ganz unaufällig während einer Meditationseinheit verlassen. Es durfte auch keiner mitbekommen wie ich meine Wertsachen an der Rezeption abholte.

Jetzt folgen noch ein paar allgemeine Dinge, die für mich ebenfalls nicht dazu beigetragen haben den Kurs mit Enthusiasmus fortzusetzen.
Wir waren ca. 20 Männer und 20 Frauen im Kurs. Die Kommunikation jeglicher Art (Sprache, Mimik, Gestik) zwischen den Teilnehmern war komplett untersagt. Das führte dazu, dass all diese Menschen sich täglich „Zombie“-haft übers Gelände bewegt haben – mit versteinerter Miene, in sich gekehrt. Glücklich sah hier keiner aus (obwohl „Be Happy“ an verschiedenen Aushängen im Camp geschrieben stand) und ich hatte das Gefühl, es geht hier jedem nur ums Durchhalten.
Insgesamt war mir auch die ganze Atmosphäre der Kursführung sehr unpersönlich. Alles scheint fixiert auf Goenka und die Stimme dieses Mannes läuft entweder vom Band oder sein Antlitz flimmert im abendlichen Diskurs über die Mattscheibe. Die Aufgabe des Lehrers vor Ort bestand lediglich daraus, die verschiedenen Abspielgeräte zu bedienen und 2 mal am Tag für eine halbe Stunde für Fragen zur Verfügung zu stehen. Zusätzlich schallte früh morgens während des Frühstücks für ca. eine Stunde der Meditationsgesang von Goenka in unverständlicher Sprache und ohne Erläuterung über deren Inhalt durch’s Camp. Ich konnte die Stimme am Ende einfach nicht mehr ertragen. Bestimmte Redewendungen (im Englischen) wurden immer und immer wieder wiederholt, so dass sie sich wahrscheinlich auch ja im Kopf festsetzen. Selbst einen Tag nach Abbruch hatte ich das noch im Kopf.
Ein anderer, für mich abstoßender Punkt, war ein Ritual am Ende jeder Meditationssitzung. Goenka (vom Band) wiederholte eine bestimmte Phrase 3 mal und darauf haben alle Meditierenden dann mit „Sadhu, Sadhu, Sadhu“ (oder so ähnlich) geantwort. Gespenstisch! Wozu das Ganze? Es wurde im Abenddiskurs des 1. Tages erklärt aber ich konnte es nicht nachvollziehen.
Insgesamt machte für mich alles einen sektenartigen Eindruck (keine Kommunikation untereinander, nur eingeschränkt flüsternd mit Lehrer, Isolation und Abschottung jedes Einzelnen vom Rest der Gruppe, Fokus auf Goenka als Lehrer). Ich will aber trotzdem bei weitem nicht soweit gehen und von einer Sekte sprechen. Lediglich die Strukturen sind ähnlich bzw. haben auf mich den Eindruck gemacht.

Bei allen Problemen, die ich mit den Regeln hatte, muss ich dennoch darauf hinweisen, dass diese Regeln vorab überall einsehbar sind und jeder natürlich für sich entscheiden kann ob er damit einverstanden ist. Ich war es einfach aus Neugier, habe aber während dieses Kurses gelernt, was es heißt diese Regeln auch wirklich zu befolgen und welchen Einfluss diese auf meine Psyche haben können.

Im Vorfeld habe ich von verschiedenen Seiten nur Gutes über die Teilnahme an einem Vipassana-Kurs gehört. Eine südafrikanisch Reisebekanntschaft hat den Kurs als „größtes Geschenk an sich selbst“ bewertet, sofern man „nicht zu viel vorab davon erwartet“. Die Ausführungen oben waren nun mal ein kritischer Erfahrungsbericht für alle die, die eventuell in Erwägung gezogen haben so einen Kurs einmal zu belegen. Dieser Kurs ist kein Spaß und nix was man mal eben aus der linken Hand schüttelt. Man sollte sich vorab gut mit den Regeln vertraut machen und sich überlegen, ob man wirklich im Stande ist sie über 10 Tage hinweg zu befolgen und täglich 10 Stunden zu meditieren. Ich denke wenn man vorher Erfahrungen in einem beliebigen kürzeren Meditationskurs sammeln kann, ist das auf jeden Fall auch von großem Vorteil. Im Nachhinein wird glaub ich auch am Text deutlich, dass meine Kritik im Wesentlichen sich auf die Art der Durchführung des Kurses bezieht und weniger auf die Vipassana Meditation an sich.

Ich bin jedenfalls trotzdem froh, mich in diesem Kurs einmal versucht und meine Erfahrungen gesammelt zu haben. Alleine schon die kritische Auseinandersetzung mit dem Kurs war die Sache wert. Und die eingangs angesprochene Ruhe und der Frieden in der Natur haben mir auf jeden Fall sehr gut getan.

Über Kommentare, Anmerkungen, Kritiken, Erfahrungen von Anderen freue ich mich jederzeit. Gern auch an meine private Mail-Adresse: Markus-Franke@web.de


22 comments
  1. Holger said:

    Hallo Marcus,hallo Anja,

    eine sehr genau beobachteter Bericht, ich könnte mir auch auch vorstellen, das die eigene Lebensprägung gespeist aus Herkunft und Erfahrungen bis dahin u.s.w. eine große Rolle bei der Beurteilung spielen. Ich glaube mir wäre es nicht viel anders ergangen. Aber Du kannst aus eigenem Erleben mitreden und bist so über alle Interneterfahrungen hinaus. Wir hoffen nur Anja hat keine „Folgeschäden“ und kann der Erfahrung einen Sinn zuordnen.
    In diesem Sinne “ have a nice time in the real life “

    LG Cella und Holger

  2. Sara said:

    Anja, wie geht’s dir denn?

  3. kevinfleischer said:

    Hi Markus,

    ich habe nur eine 1h Meditationseinheit mal im Karate-Kurs an der Uni mit gemacht. Weder in Länge noch Umfeld mit dem deinigen Kurs vergleichbar.
    Wir hatten in der 1h auch die Aufgabe unseren Atem zu beobachten. Wir sollten das Hirn „leer machen“ und nutzen dazu die Methode die Atemzüge zu zählen. Ich konnte an mir 2 Sachen beobachten:
    1. Mein Hirn wehrt sich gegen Unterbeschäftigung. Es fing an Bilder einzuspielen die auch nur die geringste Verbindung mit einer Zahl hatten um dann vom Zählen abzuschweifen.
    2. Der Versuch zu Meditieren eignet sich hervorragend wenn man Abends mal im Bett liegt und nicht einschlafen kann. Man wird ruhig und die Gedanken lassen soweit nach, dass man schlafen kann.

    Die 1h war interessant. 5h fände ich herausfordernd. 30h wie bei dir: schon eine Leistung!

  4. Marius said:

    Hallo,
    mein Name ist Marius. Ich bin seit 2010 ein aktiver Vipassana-Student. Habe hinter mir 3 10tägige- und 2 Satipattana-Kurse. Es ist interessant zu sehen, wie Du Deine Erfahrungen wahrgenommen und mitgeteilt hast. Mit den fast gleichen Schwierigkeiten hatte ich auch bei meinem erstem Kurs zu kämpfen. Plus körperliche Schmerze. Ohne Ende. Ich habe aber zum Glück durchgehalten. Mir sei dank. Ab Tag 6 habe ich erst die Natur der Vipassana richtig kennen- und schätzen gelernt. Es ist für mich mein Weg. Ich wünsche Dir, Dein Weg zu finden. Alles Gute. Und – Be happy. (die glückliche Gesichter bekommt man am Tag 9 und 10 zu sehen – inklusive eigenes).
    Mit Metta
    Marius

  5. Marius said:

    …Ach noch was – das mit den Zombie-Gesichter stimmt wirklich. Nur das es bei 2-tem Mal traurige Gesichter, bei 3-tem Mal aggressive Gesichter und bei 4-tem Mal glückliche Gesichter waren. Dann habe ich erkannt, dass ICH es bin, der die Realität durch das, was ich gerade abgearbeitet habe, selbst verzerrt hat…. 😉
    Metta
    Marius

  6. Dani said:

    Hallo Markus, ich freue mich über die klare Darstellung deiner Vipassana Erfahrung und ich teile sie mit Dir!
    Ich selbst habe auch gerade einen 10 Tages Kurs abgebrochen. Auch mir wurde von der Lehrerin mitgeteilt beim „Entlassungsgespräch“, dass es nicht empfohlen wird abzubrechen, weil der Prozess unterbrochen wird und ich dann auf mich allein gestellt bin mit dem, was dann passiert…. (-> „schlechtes Gewissen“ wenn nicht sogar Angstmache?)
    Ich sehe auch eine Diskrepanz zwischen dem Ablauf und der Struktur der Vipassana-Kurse und dem gelehrten Inhalt/Technik. Nur ein kleines Beispiel: dass die Lehrer immer höher als die Schüler sitzen.
    Es mag für viele der richtige Weg sein, das merkt man ja an der Tatsache, dass es sehr viele positive Berichte darüber gibt – aber ich denke man kann auch ohne recht happy sein im Leben ohne an „Verknotungen“ zu leiden.
    Liebe Grüsse, Dani

  7. claudia schroeder said:

    Hallo, man sollte auf jeden Fall einen Meditations- oder Yogahintergrund haben, bevor man zu Goenka geht. Das Programm ist wirklich hart und der 4. – 5. Tag besonders. Danach kommt das Glück! Ich habe mich in der ersten Hälfte sehr gelangweilt, waehrend der Sitzungen, auch das Geblubbere von Goenka mochte ich nicht. Das ist wirklich schlimm, dieses ewige Gesäusele. Unnötig.

    Was ich schlimm finde, ist, wie die Leute dort abhängen, waehrend der Meditation. Kaum jemand scheint vernuenftig sitzen zu koennen, niemand bekommt eine Anleitung. Das sieht echt schmerzhaft aus und kann nicht gut sein, da muss man schraeg draufkommen. Die Koerperhaltung beeinflusst den Geist. Mich hat auch gestoert, dass selbst die Lehrer am pennen sind, waehrend der Sitzungen. Kein gutes Vorbild und wie schaffen die das nur, nicht umzufallen?

    Nun denn, die 10 Tage waren eine Bereicherung im Nachhinein, man muss aber viele Abstriche machen. Bin auch als alter Schueler zurueckgekehrt. Letzten Endes wird der Geist rebellieren, dass ist absolut normal. Das Ego ist bei manchen sehr stark, bei anderen weniger.

    Muss aber sagen, mir gefaellt Zen Meditation besser. Kein unnoetiges Gerede, sehr viel Disziplin und dabei locker.

    • Doris said:

      Nicht jeder, der die Augen geschlossen hat, schläft.
      Woran hast du bemerkt, dass sie geschlafen und nicht meditiert haben?

  8. Mart said:

    Danke für deinen Bericht. Als regelmäßig zu Hause meditierender möchte ich auch schon länger einen 10 Tages Kurs machen. Dass der sehr hart ist, macht nicht gerade mehr Lust drauf. Aber:

    der Sinn hinter dem ganzen ist ja das eigentlich interessante. (Den erahnt man irgendwann auch wenn man nur 1 bis 2 Stunden, aber regelmäßig meditiert). Die Entbehrungen und Zweifel gehören dazu. Mit der Zeit merkt man: sie sind nur spontane Gedanken nur im eigenen Geist, und sie kommen und gehen. Das lässt sich auf alles übertragen: Freude, Leid, Schmerzen. Und das ganze Leben selbst, alles kommt und vergeht irgendwann. Laut Buddha kann man durch Meditation erfahren, dass das so ist, und dass es gut ist. Das kann man aber nicht rational erkennen, man muss es offenbar über eine gewisse Zeit erleben, damit es eine positive Wirkung für das eigene Leben haben kann.

    (Bin kein Buddhist, aber dass an der Methode etwas dran ist, kann man als Meditierender auch erfahren, ohne an Wiedergeburt, Karma etc. zu glauben.)

    • claudia schroeder said:

      Aber lieber nicht zu Goenka! Allerdings ist es wirklich preiswert, deswegen gehen wohl soviele dorthin. Ich hatte damals auch so gar nichts…..Ich war in Dilsen…Letztes Mal hatte es etwas von einem Gefängnis, ich habe mich nicht wohl gefühlt.

      Vielleicht lieber das buddhistische Waldhaus in Maria Laach. Da kann man campen oder im Meditationsraum schlafen… angenehmer…

      Ach ja, es ist wie das Säubern einer Festplatte, alten Kram rausschmeissen. Leer werden und schön ordnen. Und das fortwæhrend, bis das Denken immer langsamer wird…Atmen, denken, auf den Körper achten, durch ihn hindurchatmen.

      Das Ende der Ausatmung ist Samadhi..absoluter Stillstand und Ruhe.

      Bin halt auch Yogalehrerin….

      Grüße!

      • anjaundmarkus said:

        Hallo liebe Claudia, auch wenn es schon ein paar Tage her ist – Vielen Dank für deinen Kommentar und dass du deine Erfahrung mit uns teilst! Wir wünschen dir einen guten Jahresausklang!

    • anjaundmarkus said:

      Hallo Mart,
      Vielen Dank für deine Rückmeldung. Könntest du inzwischen an einem Vipassana Kurs teilnehmen? Wir sind aktuell wieder Indien bzw. Nepal und Sri Lanka unterwegs und haben wieder viele Leute getroffen, die sich mit Vipassana beschäftigt haben.

      Alles Gute für dich!

  9. Max Hartwig said:

    Hallo Markus, ich habe gesten den Kurs am 5-ten Tag abgebrochen. Ich möchte noch ergänzend über die Bedingungen berichten, mit denen man beim Eintitt zu dem Kurs sich einverstanden erklärt:

    Es wird am ersten Tag, direkt nach der Ankunft, eine Übereinstimmung getroffen, die einem Vertrag gleicht. Über eine Audioaufnahme werden die Bedingungen vorgetragen, die durch das stillschweigende Zustimmung angenommen werden, oder durch ein sofortiges Verlassen des Kurses abgelehnt.

    Wenn man bleibt, erklärt man sich damit einverstanden, alle 10 Kurstage zu bleiben und einem „tiefen hirurgischen Eingriff in den Geist“ bzw. einer *Kondizionierung unterzogen zu sein. Man erklärt sich bereit, gänzlich sich den Anweisungen des „Lehrers“ bzw. einer Audioaufnahme zu unterwerfen. Es werden dem „Schüler“ alle persönlichen Gegenstände abgenommen und alle Möglichkeiten einer Dokumentation (sprich „Stift und Papier“) untersagt. Ferner, man erklärt sich bereit, sich in eine geschlossene Anlage zu begeben, jeglichen Kontakt zu der Außenwelt abzubrechen und jeden Kontakt zu den anderen „Schülern“ zu vermeiden. Sprechen, Augenkontakt und Körperkontakt sind nicht erlaubt.

    also, man erklärt sich bereit, alle seine persönliche Freiheiten aufzugeben, um im Namen der Liebe und des Friedens einer tiefen psychischen Manipulation von Seite einer großen und weltweiten Organisation unterzogen zu sein.
    Warum begeben sich Menschen freiwillig in solche Verhältnisse?

  10. Max Hartwig said:

    Hallo Markus, ich habe gesten den Kurs am 5-ten Tag abgebrochen. Ich möchte noch ergänzend über die Bedingungen berichten, mit denen man beim Eintitt zu dem Kurs sich einverstanden erklärt:

    Es wird am ersten Tag, direkt nach der Ankunft, eine Übereinstimmung getroffen, die einem Vertrag gleicht. Über eine Audioaufnahme werden die Bedingungen vorgetragen, die durch das stillschweigende Zustimmung angenommen werden, oder durch ein sofortiges Verlassen des Kurses abgelehnt.

    Wenn man bleibt, erklärt man sich damit einverstanden, alle 10 Kurstage zu bleiben und einem „tiefen hirurgischen Eingriff in den Geist“ bzw. einer *Kondizionierung unterzogen zu sein. Man erklärt sich bereit, gänzlich sich den Anweisungen des „Lehrers“ bzw. einer Audioaufnahme zu unterwerfen. Es werden dem „Schüler“ alle persönlichen Gegenstände abgenommen und alle Möglichkeiten einer Dokumentation (sprich „Stift und Papier“) untersagt. Ferner, man erklärt sich bereit, sich in eine geschlossene Anlage zu begeben, jeglichen Kontakt zu der Außenwelt abzubrechen und jeden Kontakt zu den anderen „Schülern“ zu vermeiden. Sprechen, Augenkontakt und Körperkontakt sind nicht erlaubt.

    also, man erklärt sich bereit, alle seine persönliche Freiheiten aufzugeben, um im Namen der Liebe und des Friedens einer tiefen psychischen Manipulation von Seite einer großen und weltweiten Organisation unterzogen zu sein.

    Warum begeben sich Menschen freiwillig in solche Verhältnisse?

    • claudia schroeder said:

      Weil man verzweifelt ist?? Ich war an einem Punkt angelangt, wo ich nicht vor und zurück wusste und nicht viel Geld hatte. Damals empfand ich es als Abenteuer. Heute finde ich es einfach doof, die vielen Vorschriften, die Stimme vom Tape, diesem unsinnigen Gerede…. Brauche dieses äußere Gefängnis nicht. Trotzdem bin ich für die Erfahrung dankbar, vor allen Dingen das Schweigen ist sehr schön.

      Gibt noch andere Arten von Meditation. Versuchs mit Zazen!

      Viel Glück

      • anjaundmarkus said:

        Hallo Claudia und Max,

        schön, dass nach so einer langen Zeit noch jemand über meinen Erfahrungsbericht „stolpert“.

        @Max: Danke, dass du nochmal die einzelnen Bedingungen aufgeschlüsselt hast. Das kann ich nur so bestätigen.

        @Claudia: Mir geht es im Prinzip ähnlich. Ich bin froh die Erfahrung gemacht zu haben und bin auch immer noch an Meditation interessiert. Vipassana nach Goenka Art ist für mich aber nicht der richtige Weg. Ich habe mir aber erstmal das Buch „Why meditate“ von Matthieu Ricard bestellt welches mir empfohlen wurde.

        Viele Grüße,
        Markus

  11. hakimomatata said:

    hallo ihr lieben, es freut mich diesen artikel von euch gefunden zu haben! herzlichen dank, liebe anjaundmarkus! auch wenn oder gerade weil es schon genug erfahrungsberichte bezüglich vipassanakurse auf youtube und in der blogwelt gibt, hab ich mir erlaubt auch meinen senf dazuzutun: https://lasttraintolaos.wordpress.com/2017/02/12/nothing-has-meaning/. ich bin selbst seit mehr als einem jahrzehnt auf buddhistischen pfaden unterwegs: zazen, karma kagyu, dzogchen, theravada, und eben auch vipassana wie goenka es lehrte. er ist ja 2013 verstorben. ich habe mehrere traditionen ausprobiert und kann nachempfinden, wovon du schreibst: die fixierung auf den alten herrn, die tapes, die zeitweise wegnickende assistenz. nun wohl, ich finde, dass die beziehung zum spirituellen lehrer wichtig ist, und dass das chanting bedeutung hat, wenn mensch sich die zeit nimmt, etwas tiefer zu tauchen. pali ist eine ebenso wunderbare sprache wie sanskrit und hilft dabei, andere sprachen zu lernen. zu der art, wie der artikel verfasst ist: ich bemerke, wie viel augenmerk auf die äußeren bedingungen gelegt wurde. vieles darin deutet auf etwas hin, dass in der „unverständlichen sprache“ avijjā genannt wird: unkenntnis. ihr seid doch grad in indien unterwegs, in nepal und sri lanka (wenn dem noch so ist) da brauch ich euch nicht zu sagen: wie einfach es doch ist, die umstände für die eigene verfassung und einstellung verantwortlich zu zeichnen! ich sage das recht unverblümt. bitte verzeiht mir. ich finde, es gehört mut & stamina dazu, alle zehn tage zu bleiben! und wenn man das nicht packt, wird die sekten keule ausgepackt, nur um sie gleich wieder zurück zu ziehen. um das worum es bei dem kurs geht, wachsen zu lassen – gleichmut in allen lebenslagen – muss siEr schon aus einem besonderen holz geschnitzt sein oder zumindest die nötige vorbereitung mitbringen, am besten beides. unvorbereitet sowas anzustarten kann echt mühsam werden. vor allem wenn der ehrgeiz raunt. ich erinnere mich an meinen ersten goenkakurs im jahr 2009 (?) und da hab ich die tage davor geschaut früh aus den federn zu kommen, um die morgenstunden – die beste zeit! – für das sitzen in stille zu nutzen. noch eine große kleinigkeit: einen goenkakurs zu besuchen, um wunderbare erfahrungen zu erleben, ist zeitverschwendung. deshalb finde ich, dass du die richtige entscheidung für dich getroffen hast, dich zu verabschieden. die tatsache, dass du gebeten wirst, dies in stille zu tun, erklärt sich meines erachtens aus der natur eines schweigeseminars. es könnte andere entmutigen, jemanden gehen zu sehen, menschen, die selbst am lehrer, an der technique oder an sich selbst zweifeln. ich wünsche dir, dass du deinen weg gehst: sie führen allesamt zum gleichen ziel. der dhamma ist so vielfältig wie die menschen dieser welt. and now, be happy, dammit! (hihihi) danke fürs lesen 🙂

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