Trekking in Himachal Pradesh

Im Oktober haben wir einige Zeit in „Himachal Pradesh“, dem Himalaya Bundesstaat Indien’s, verbracht. Wir hatten uns vorgenommen dort unbedingt eine mehrtägige Trekkingtour durch die Berge zu machen. Nur so hat man die Chance aus dem touristisch erschlossenen und zur Honeymoon-Zeit überlaufenen Teil dieser Region zu entfliehen. Idealerweise sollte die Tour irgendwie auf unserer Reiserichtung liegen und wir wollten uns einige Stunden anstrengender Busfahrt entlang holperiger und zum Teil beängstigender Hochgebirgsstraßen ersparen. Das bringt natürlich verschiedene Schwierigkeiten mit sich. Unser Reisegepäck übersteigt nun mal sowohl die Kapazität als auch das Gewicht eines Tagesrucksack’s um eine Größenordnung und ist für’s Wandern im Hochgebirge nicht unbedingt geeignet. Auf der anderen Seite musste natürlich auch alles irgendwie mit. Außerdem haben wir keine schweren Bergstiefel in unserem „allklimazonentauglichen“ Reisegepäck sondern nur normale Trekking-Halbschuhe. Laut Trekking-Agentur sollte dies aber kein Problem darstellen. Schnee soll es wohl noch nicht so viel geben und wenn dann würden eh unsere Bergführer vorlaufen und uns eine Spur machen. 😉

In Bharmour (auf ca. 2100m im Chamba Tal gelegen) haben wir uns also von einer Agentur beraten lassen. Es gab für uns 2 Möglichkeiten. Entweder den Indarahar-Pass (ca. 4400m) gen Süden nach Dharamsala in’s Kangra-Tal queren oder über den Kugti-Pass (ca. 5000m) Richtung Norden nach Lahaul/Spiti zu wandern und weiter nach Keylong (ca. 3300m). Die Höhenangaben haben mächtig Eindruck auf uns gemacht und wir haben uns eine Nacht Zeit gelassen um uns für eine Tour zu entscheiden. Schließlich haben wir uns für die Kugti-Pass Route entschlossen. Das Rucksackproblem lösten wir indem wir uns noch einen zusätzlichen Träger (der Gold wert war) geleistet haben. So hatte Anja unseren kleinen Tagesrucksack und ich eine etwas abgespeckte Variante unseres normalen Reisegepäcks. Unser Team bestand tatsächlich aus 5 Leuten – 2 Bergführer, 1 Koch, und 2 Träger. Wenn man sowas selber organisiert kommt man bestimmt mit weniger aus aber wir haben uns da, ob der als „anspruchsvoller“ bewerteten Tour, erstmal vollkommen auf die Erfahrungen der Agentur verlassen. Im Nachhinein war die Anzahl von Personen schon gerechtfertigt und bringt einiges mehr an Sicherheit.

Am 17. Oktober gings dann los – zunächst ein paar Kilometer mit dem Jeep zum Startpunkt der Tour und dann innerhalb von ca. 3h auf einem moderaten Weg ins Kugti Village. Die ersten 3 Tage unserer Tour waren allesamt ziemlich entspannt und die reine Laufzeit überstieg nie 6 Stunden. Zeit für Pausen und den Genuss des herrlichen Panorama’s blieben genügend. (siehe Fotos) Geschlafen haben wir im Zelt während unser Team in Behelfsunterkünften aus Stein oder unter freiem Himmel genächtigt haben. Wir hatten gleich in der ersten Nacht ein schlechtes Gewissen aber sie haben darauf bestanden das so zu machen und wollten sich das zusätzliche Gepäck von einem Zelt (immerhin rund 10 kg) sparen.

Am 4. Tag unserer Tour stand dann die Überquerung des Kugti-Passes (5030m) auf dem Programm. Vom Basis-Camp auf ca. 4500m sollte der Aufstieg nochmal ganze 5 Stunden dauern. Alles in allem waren 10 Stunden Fußmarsch angesetzt und somit begannen wir den Tag bereits gegen 4 Uhr morgens. Nach einer eisigen Nacht waren wir auch froh endlich in die Gänge zu kommen. Im stockfinstern und im Schein der Stirnlampen kraxelten wir über ein riesiges Geröllfeld dem Pass entgegen. Bald schon machte sich auch die Höhe stark bemerkbar und das Atmen fiel immer schwerer. Für uns war es das erste Mal überhaupt auf so einer Höhe zu stehen. Weiter ging es über ein großes feinkörniges Geröll-/Schuttfeld mit schwindelerregend steilem Anstieg. Immer wieder rutschten wir zurück und hatten Mühe und Not vorwärts zu kommen. Kurz vor dem Pass stapften wir dann durch den ersten Schnee. Für den Aufstieg (nur knapp 500 Höhenmeter Differenz zum Basis-Camp) haben wir dann letztendlich ca. 7 Stunden gebraucht und das hat uns eine Menge Kraft abverlangt. Die Sicht von oben war einfach atemberaubend aber viel Zeit blieb uns leider nicht. Der Blick über den Pass fiel auf ein riesiges Schneefeld welches wir beim steilen Abstieg zu durchqueren hatten. Es war kein Weg ersichtlich und unsere Führer waren nun auch schon etwas nervös geworden. Nach ein paar Versuchen meinten sie nun den Weg gefunden zu haben und wir bahnten uns eine Spur durch den Tiefschnee und über vereiste Geröllfelder. Unser Team hat sich super gut um uns gekümmert und beim Abstieg uns jeden Tritt fast schon gezeigt. Der Grund war klar – ein Abrutschen hier oder ein Umknicken hätte einen langen Sturz zur Folge und man wäre danach mit Sicherheit laufunfähig gewesen. Das war ein großes Risiko welchem sie aber auch mit großem Respekt entgegengetreten sind. Nachdem wir noch ein hüfttiefes Schneefeld gekreuzt hatten standen wir wieder auf festem Geröllfelsen. Dann setzten wir den Weg ins Tal fort, jedoch ließen die nächsten Schwierigkeiten nicht lange auf sich warten. Der Weg führte direkt am Gletscher vorbei welcher gefährlich große Spalten offenbarte. Hier abzurutschen und hineinzufallen wäre ebenfalls fatal. Die Alternative über einen benachbarten Bergrücken zu kreuzen und wieder auf den Weg zu stoßen stellte sich auch als schwierig dar. Unser Team entschied sich dafür den Gletscher zu kreuzen und auf dem festen, schneebedeckten Eis den Weg soweit fortzusetzen bis wir wieder sicher auf den ursprünglichen Trekking-Pfad einbiegen konnten. Ein Seil hatten wir Gott sei Dank dabei und so setze sich unsere 7er Seilschaft langsam und Schritt für Schritt in Bewegung. Der Führende prüfte regelmäßig mit dem Eisbeil den Boden und der Rest der Seilschaft folgte einfach direkt in seinen Fußspuren. Alles verlief problemlos und schon nach 20 Minuten konnten wir uns wieder abseilen und den Weg normal weiterführen. Es war bereits gegen 18 Uhr und nach 14 Stunden Fußmarsch stellten sich bei uns nicht erst die ersten Ermüdungserscheinungen ein. 🙂 Unsere Bergführer wollten noch bis ca. 21 Uhr laufen und entweder dann in einem Dorf nahe der Hauptstraße campen oder mit dem Bus sogar noch nach Keylong fahren….so genau haben wir ihren Plan nicht durchschaut. Fakt war jedenfalls, dass es 18:30 Uhr stockfinster war, wir erschöpft waren und mit nur wenig Taschenlampen ausgerüstet über ein Geröllfeld stolperten. Wir überredeten die Gruppe den Tag doch „schon“ 20 Uhr abzubrechen und im Basis-Camp (also für den Aufstieg von der anderen Seite) zu übernachten. Am nächsten Tag könnten wir dann die 1-2 Stunden früh morgens bei Sonnenschein ins Tal laufen und hätten so auch noch etwas davon. Aus den 1-2 Stunden wurden dann am nächsten Tag 5 Stunden und uns war rätselhaft wie man diese Strecke schneller zurücklegen hätte können – vor allem im dunkeln. Gegen 16 Uhr erreichten wir dann alle sichtlich erleichtert die Hauptstraße im Lahaul-Distrikt. Nach „nur“ 1,5h Warten saßen wir dann auch schon im Bus gen Keylong.

Wie auf den Bildern zu sehen ist, hatten wir ab dem zweiten Tag der Tour einen treuen Begleiter. Den Hund haben wir an einem Tempel auf dem Weg aufgegabelt und von da an ist er uns auf Schritt und Tritt gefolgt – bis über den Pass und wieder ins Tal. Der Abschied am letzten Tag fiel uns allen total schwer und zumindest wir beide haben uns gefragt was das Tier dann gemacht hat. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass der Hund die 4 Tage wieder allein zurück über den Pass läuft, aber wer weiß. Vielleicht überwintert er auch in Lahaul. Ein GPS-Tracker wäre da echt interessant gewesen. 🙂

Als Fazit kann man sagen, dass die Tour eine echte Herausforderung für uns beide war. Der Schnee am Pass hat die Sache doch stark verkompliziert und in die Länge gezogen. Selbst unsere Träger meinten während des Treks, dass die Route um die Jahreszeit schon bisschen riskant wäre. Davon hat uns der Chef in der Agentur natürlich nichts gesagt, obwohl wir ihn explizit darauf hingewiesen hatten, dass wir keinerlei Risiko eingehen wollen und er uns sagen soll wenn diese Route nicht möglich wäre. Petrus war uns aber Gott sei Dank wohlgesonnen. Ein Tag später und die Querung wäre aufgrund von Schneefall nicht möglich gewesen.

2 comments
  1. anjaundmarkus said:

    Liebe Leser unseres Blog’s,

    Trekking in den Bergen scheint ja für viele ein interessantes Thema zu sein. Deshalb freut es uns, dass wir mit der Veröffentlichung dieses Beitrags auf Anhieb einen neuen Tagesbesucher-Rekord von 557 (in Worten „fünfhundertsiebenundfünfzig“) Besuchen aufgestellt haben.

    Vielen Dank für das große Interesse! Das stimmt uns höchst zufrieden. 🙂

    Demnächst werden wir hier von Pokhara aus auch wieder in den Bergen unterwegs sein. Darüber werden wir dann demnächst natürlich auch berichten.

    Alles liebe aus Pokhara/Nepal,
    Euer Markus & Anja

  2. Lars said:

    Hi Ihr 2, sagt mal was hat diese Tour so in etwa gekostet ?. 5 „Begleiter“ für ein paar Tage, Ausrüstung, Verpflegung usw. also das Gesamtpaket, nur um mal eine Vorstellung von den Preisen zu haben 😉

    Grüße,

    Lars

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