Das letzte Abenteuer in Thailand: Public Transport!

Blick ueber den Stausee in Sangkhlaburi

Blick ueber den Stausee in Sangkhlaburi

Thailand – Land des Lächelns, der Glasnudelsuppen, des Massentourismus; aber auch Land romantischer Backbacker-Fantasien. Es scheint, als habe Thailand für jede Geldbörse und für jeden Typ Traveller (sowohl Pauschali, als auch Back-, Flash- oder Poshpacker?!) das passende Angebot. Doch bei all den Packages und Paketen, den Shuttle Services und VIP Bussen wird selbst der alternativste Rucksack-Reisende, na sagen wir, bequem. Alles ist so einfach, alles ist möglich.

Thailand wäre also definitiv unser Tipp für jeden „Asien-Anfänger“. Befestigte Straßen mit Ampeln und Verkehrsteilnehmer, die die Regeln befolgen, freundliche und allzeit hilfsbereite Menschen, sauberste Unterkünfte mit ‚Western Style Toilets‘, jede Menge leckeres Futter (v.a. für Fleischetarier…) und zahlreiche Aktivitäten und Angebote: von Tempelbesichtigungsmarathons über Dschungel- und Schnorcheltrips bis hin zu Komplettbehandlungen im Spa und nicht zu vergessen Elefantenreiten, Elefantenstreicheln, Elefantenschwimmen…

Auf dem Weg zum Three-Pagoda-Pass (Grenze zu Myanmar)

Auf dem Weg zum Three-Pagoda-Pass (Grenze zu Myanmar)

Wer zwischen 7Eleven (eine Mini-Supermarktkette, deren Filialen fast durchgängig geöffnet haben und sich insbesondere in Südost- und Ostasien großer Beliebtheit erfreuen), free WiFi an jeder Ecke und Hotelzimmern mit Klopapier jedoch noch einmal das wahre Abenteuer sucht, der sollte Thailand einmal mit dem Öffentlichen Personennahverkehr durchqueren. Hier unser Routenvorschlag:

Nach Bangkok, Ayutthaya und Kanchanaburi zogen Markus und Anja weiter gen Norden nach Sangkhlaburi, etwa 22 km von der Grenze Myanmar’s entfernt. Bianka trat indes den Weg nach Koh Chang an um sich ein paar Tage Strandurlaub zu goennen. Wir wollten wenig spaeter folgen. (siehe Blogeintrag)

Da waren wir also, in Sangkhlaburi, einem gemuetlichen Staedtchen mit relativ wenig Touristen und viel burmesischem Flair. Wir verbrachten 3 entspannte Tage hier und starteten am vierten Tag unser Projekt – von West nach Ost quer durch Thailand Richtung Koh Chang.

Fruehstueck! Im Bus auf dem Weg zurueck gen Bangkok

Fruehstueck! Im Bus auf dem Weg zurueck gen Bangkok

Unser Wecker klingelte um 5 Uhr morgens. Wir nahmen den ersten Bus Richtung Kanchanaburi und fruehstueckten auf der Fahrt erst einmal unsere mitgebrachten 7Eleven-Koestlichkeiten. Im Gegensatz zu Indien oder Nepal sind die Local-Ueberlandbusse in Thailand riesig. Hinten gibt es einen Ladebereich fuer groessere Gepaeckstuecke und eine Sitzreihe die fuer die Moenche reserviert ist. Da sassen wir also in der dunklen Morgenkaelte mit Socken und Strickjacke. Und dieser Bus fuhr doch tatsaechlich schon 10 Minuten frueher los als geplant. Der Busfahrer heizte erstmal ganz schoen durch die Berge, aber was fuer eine Aussicht auf Jungel und Stausee im Morgenlicht. Zwischendurch hielten wir abrupt am Berge in einer Kurve am Wegesrand. Die beiden „Busbegleiterinnen“ (die das Fahrgeld einsammeln) sprangen mit Tueten voll Obst heraus und in den Busch. Dort stand ein kleiner Altar, wo die beiden Frauen den Goettern erstmal das Fruehstueck darreichten und fuer unsere sichere Weiterreise beteten.

Bhf Nam Tok

Bhf Nam Tok

Nach etwa 4 Stunden Fahrt erreichten wir Nam Tok – eine scheinbar unbedeutende Ortschaft. Doch hier endet heute der noch erhaltene Teil der beruehmt beruechtigten Death-Railway. Zunaechst fanden wir das Ende der alten Trasse, eine alte Lok, ein paar Fressstaende und jede Menge russischer Package-Touristen, von den keiner ein Wort Englisch sprechen konnte. Dem Zustand der Gleise nach zweifelten wir schon, ob der Zug hier ueberhaupt noch faehrt. Da half uns eine thailaendische Nudel-Mutti mit ueberraschend guten Englischkenntnissen, dass der eigentliche Bahnhof etwa 1 km entfernt ist und 13 Uhr der naechste Zug nach Bangkok faehrt. Genug Zeit hatten wir also und so liefen wir auf der geschichtstraechtigen Trasse entlang. Mittlerweile prallte die Sonne auch wieder ordentlich herunter und wir konnten uns kaum ausmalen unter welchen Bedingungen die Strafarbeiter vor knapp 70 Jahren die Strecke bauten…

Die Bruecke am Kwai - aus der Zugperspektive

Die Bruecke am Kwai – aus der Zugperspektive

Am Bahnhof von Nam Tok angekommen, begruessten uns eine Reihe von Kaffeebesitzern bei denen wir doch allen einkehren sollten, und am besten gleichzeitig. Als gegen halb eins mehr und mehr „weisse“ Touristen (ja ganze Gruppen!) am Platz eintrafen, erklaerte uns das auch die Touristenpreise vor Ort. Die Eisenbahn hier zu fahren sei also ein echtes Highlight, fuehrt die Strecke doch auch ueber die beruehmte Bruecke am Kwai. In 5 Stunden Fahrtzeit und fuer 100 Baht (2,50 Euro) fuhren wir bis nach Bangkok durch.

Hier kamen wir am Bahnhof von Thonburi im Westen der Stadt an. Die Ueberlandreisebusse nach Trat bzw. Koh Chang starten vom Ostbahnhof Ekmai. Also auf, ans andere Ende der Stadt! Zunaechst mussten wir aber erst einmal den Chao Phraya Fluss finden und ueberqueren. MIt dem Boot kommt man in Bangkok ohnehin am schnellsten vorwaerts. Aber um halb 8 abends fahren die Speedboote nicht mehr, nur noch die Faehre auf die andere Uferseite – immerhin! Auf dem Boot versuchten wir den anderen Passagieren verstaendlich zu machen, wohin wir eigentlich wollten. Eine Dame, die gluecklicherweise etwas Englisch verstand (und sogar sprechen konnte), nahm sich unser an. Sie musste in ungefaehr diesselbe Richtung und so nahmen wir gemeinsam den Stadtbus vom Koenigspalast Richtung Sathun. Hier stiegen wir in den Skytrain, in dem wir bis zum Siam Square fuhren. Von da ging es weiter mit der Sukhotai-Line bis Ekamai. Hier erreichten wir schliesslich gegen halb 9 abends den Busbahnhof.

Roadtrip Sangkhlaburi-Trat

Roadtrip Sangkhlaburi-Trat

Nach Trat (bzw. Ko Chang) fahren sowohl staatliche als auch private Reisebusse. Nachdem uns vom Schalter der staatlichen Linienbusse die Auskunft gegeben wurde, dass erst am Folgetag wieder Busse nach Trat fahren,, riefen wir bei dieversen Budget-Unterkuenften im Umfeld des relativ teurem Sukhotai-Viertels an. Es gab jedoch nur noch Zimmer um die 1000 Bahnt (25 Euro) – ziemlich teuer. Doch dann erfuhren wir durch Zufall, ja, es fahren sehr wohl noch Busse – und zwar von den Privatunternehmen. Kurzerhand entschlossen wir uns, uns den Rest zu geben und den Nachtrip (ca. 5h) zu wagen. Wir kauften die Bustickets fuer 265 Bahnt p.P> (ca. 6 Euro) und leisteten uns vom gesparten Geld noch ein Abendessen.

Fruehstueck in Trat nach 24 Std. quer durch Thailand

Fruehstueck in Trat nach 24 Std. quer durch Thailand

Die Busfahrt war recht angenehm: Aircon, Decke, Wasser und ein Broetchensnack! Da ist es wieder, Thailand – ein Service-Paradies fuer jeden Reisenden. Gegen halb 5 Uhr morgens wurden wir verschlafen am Busterminal von Trat abgesetzt. „Ko Chang?“ „Nein, danke wir wollen nicht nach Ko Chang.“ „Taxi to Ko Chang?“ „Nein, wir fahren nach Trat“ „Ko Koot?“ „Nein!“ Herrlich, alle 30 sek. wurden wir in der ersten Aufregung gefragt, ob wir nicht doch nach Ko Chang gleich wollen. Hier wird wirklich kein Reisegast seinem Schicksal ueberlassen…

In Trat schliesslich erwartete uns eine muede, aber freundliche Frau Po, Inhaberin des Ban Jeerai Guesthouses. Nach einer schoenen Dusche fielen wir ins Bett, mit dem guten Gefuehl, den ganzen Vormittag verschlafen zu koennen.

Jedenfalls, was wir einmal wieder mit dieser Episode sagen wollen: Manchmal ist der Weg das Ziel! 🙂

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