Trekkinggebühren in Nepal – der bittere Beigeschmack

IMG_6649Nach all den wunderbaren Trekkingberichten, Videos und Bildern folgt an dieser Stelle ein Artikel aus kritischerer Perspektive. Es geht um die Trekkinggebühren die für das Betreten der Nationalparks in Nepal fällig werden.

Für jeden Nationalpark zahlt man gesondert Eintrittsgebühren wenn man dort wandern möchte. Das Geld wird „angeblich“ für’s Management des Nationalparks verwendet (z.B. Wegebau, Beschilderung, etc. & für Entwicklungsprojekte die der ländlichen Bevölkerung zu Gute kommen sollen)

Zusätzlich braucht man die sogenannte TIMS (Trekkers Information Management System) Card – zumindest wird einem das eingeredet. Diese wird dann an verschiedenen Checkpunkten entlang der Route überprüft und es wird registriert wo man überall schon langgekommen. Hintergrund der ganzen Sache ist, dass im Notfall (z.B. schlechtes Wetter, Unfall) die nepalesische Bergwacht so ungefähr weiß auf welchen Streckenabschnitten sich welche Wanderer befinden. Alles in allem klingt das sehr vernünftig und die Ideen hinter den beiden Gebührenerhebung sind durchaus zu unterstützen.

Was wir hingegen nicht mehr unterstützen können, sind die nahezu willkürlichen Preissteigerungen (wohlgemerkt nur für Ausländer) für sowohl die Nationalpark-Tickets als auch die TIMS-Card. Zum einen zahlen Einheimische Nationalparkgebühren, die teils um den Faktor 25!!! unter dem Ausländerpreis liegen. Zum anderen wurden die Ausländerpreise in den vergangen Jahren um mehrere Größenordnungen willkürlich angehoben. Kostete der Eintritt für den Langtang Nationalpark bis Juni 2012 noch 1000 NPR (~10 Euro) so sind es seit Anfang Juli auf einmal 3000 NPR gewesen. Zusätzlich hat die TIMS Card noch einmal mit 1800 NPR pro Person zu Buche beschlagen. Eine Woche Langtang-Nationalpark hat uns also rund 90 Euro gekostet. Nach westlichen Maßstäben geht das sicherlich völlig in Ordnung bedenkt man jedoch, dass um die 40 Prozent (Stand 2005) der Nepalesen mit unter 1$ am Tag auskommen müssen, wird das Ganze schon in ein anderes Licht gerückt. Hier wird eindeutig willkürlich und völlig intransparent Geld vom Touristen abgesahnt. Darüberhinaus, muss man sich die TIMS-Card, die eigentlich gar nichts mit dem jeweiligen Nationalpark an sich zu tun hat und ein eher globales System darstellt, für jeden Trek erneut besorgen. Es gibt absolut keinen rationalen Grund (abgesehen von Abzockerei) warum man diese eine Karte nicht für seinen gesamten Nepal Aufenthalt nutzen kann – unabhängig wieviele Treks man macht.

Nachdem wir uns mit einigen Einheimischen im Park unterhalten haben hat sich auch schnell herausgestellt, dass von unseren 90 Euro dort relativ wenig bis gar nichts ankommt. Laut ihrer Aussage versackt das Geld in den korrupten Regierungskreisen.  Das nahezu willkürliche Drehen an der Preisschraube für die Trekkinggebühren scheint eine sehr einfache Möglichkeit der Regierung zu sein, um zum einen schnell und einfach an Geld zu gelangen und sich zum anderen nicht mit den eigentlichen Problemen des Landes auseinandersetzen zu müssen (z.B. Straßeninfrastruktur, Müllentsorgung, Energieversorgung usw.).

Übrigens sind auch die Einheimischen in den Bergen, die die Teahouses (wie die Gästehäuser genannt werden) betreiben, nicht gerade begeistert von den enorm hohen Gebühren. Diese kommen nämlich kaum den Parks direkt zugute. Wegemarkierungen werden oft von den Locals selbst initiiert. So versuchen sie die Wanderer auf den ‚rechten‘ Weg zu halten, damit diese auch durch ihre Dörfer laufen und bei ihnen einkehren oder übernachten.

Trekking ist die Haupt-Attraktion des Landes und genau deswegen kommen soviele Touristen auch nach Nepal. Sollte die Regierung diese Preisschraube jedoch weiterhin so stark anziehen, sind wir gespannt, welchen Einfluss dies auf den Tourismus (immerhin einen der Hauptwirtschaftszweige Nepals!) haben wird. Bislang wird noch fleißig gezahlt, aber allmählich machen sich immer mehr Besucher aus dem Ausland so ihre Gedanken darüber.

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