Reis(e)geschichten aus Malaysia

Vogelscheuchen zur Abschreckung? - Eher Show. Wirksamer sind da die gespannten Netze im Hintergrund.

Wir sind in Malaysia angekommen. Genauer gesagt auf der Insel Langkawi, ganz im Nordwesten des Landes an der Genze zu Thailand (s. Karte). Koh Lipe, die nächstgelegene Insel Thailands, kann man bei guter Sicht sehen.

Vor einigen Monaten hatten wir in der Zeitschrift „In Asien“ einen Artikel über Langkawi gelesen und dort wurde das Eiland als „Geheimtipp“ feil geboten. Da es einen offiziellen Grenzübergang (per Boot) nach Malaysia gibt, dachten wir uns, dass dies doch eine interessante Route wäre. Die die Tatsache, dass ein Reiseziel in einem deutschen Magazin als Geheimtipp gehandelt wird, heißt jedoch noch lange nicht, dass es keine Touristen aus anderen fernen Ländern hier gibt. Langkawi ist wohl eine der touristischsten Ecken Malaysias. Das Land ist muslimisch, insofern zieht es gern Urlauber aus den Arabischen Emiraten, dem Mittleren Osten, aber auch aus Indien und China an. Malaysia sei sowieso ein kultureller Mix, sagt der Reiseführer.

Wie in ganz (Südost-)Asien ist Reis auch hier das Grundnahrungsmittel. Wer erinnert sich nicht an den wohlklingenden Namen „Nasi Goreng“ vom Asia-Imbiss um die Ecke? Nasi = Reis, Goreng = gebraten. Neben dichtem Dschungel (wir kommen dem Äquator immer näher!) und schroffen Kalksteinformationen, dominieren also unzählige rechteckige Reisfelder (engl. rice paddies) die Landschaft auf Langkawi.

Laman Padi Rice Garden & Museum

Auf Langkawi haben wir uns mit der Reisanbaukultur im Reismuseum von ‚Laman Padi‘ vertraut gemacht. Das ganze kann man sich als Freilicht-Felder und Gärten vorstellen, in denen die Besucher den traditionellen malaysischen Reisanbau, sowie zahlreiche Heil- und Gewürzkräuter der hiesigen Region kennen lernen sollen. Ein Projekt im Rahmen des Öko-Tourismus, denn es werden auch Vergleiche zum industrialisierten Reisanbau gezogen.

Jedenfalls klang das Ganze recht spannend, zudem der Besuch auch kostenlos ist und somit unserem Backpacker-Budget zuträglich. Noch besser: Wir bekamen eine wunderbare Führung von einem Mitarbeiter, der uns um die Felder führte, uns an allerhand Kräutern schnuppern ließ und alles wunderbar sympatisch erklärte. Aus Dank gab es am Ende doch noch eine kleine Spende von uns für das Projekt.

Wie wird der Reis nun traditionell in Malaysia angebaut?

Das Anbauverfahren nennt sich Nassreisanbau. Bevor der Reis reif für die Ernte ist, muss er mehrere Stadien des Wachstums durchlaufen. Zunächst einmal werden ausgewählte Reiskörner etwa 14 Tage in Wasser eingeweicht. Danach verteilt der Bauern sie auf einem kleineren Stück Feld und tränkt dieses in Wasser. Traditional wird dabei ein Kanalsystem genutzt, um das Wasser aus einem nahe gelegenen Fluss abzuleiten. Reis benötigt viel Wasser! Zum Graben der Kanäle und Umgraben des Bodens werden Wasserbüffel genutzt.

Nach etwa 3 Wochen sind aus den Keimen etwa 20 cm lange Setzlinge gewachsen, die nun dicht an dicht im schlammigen Boden wurzeln. Jetzt müssen die Setzlinge umgesetzt werden, damit sie in einem größeren Abstand zueinander wachsen können. Der Grund: Der Reis ist ständig der Gefahr ausgesetzt als Futter für Insekten zu enden. Wenn nun etwa eine Heuschrecke sich über eine der Reisähren hermacht, kann sie durch den großen Abstand zur nächsten, nicht so einfach rüber springen (so wurde es uns zumindest im Museum erklärt).

Nach etwa 2 weiteren Monaten haben sich die Reisähren gebildet. In den einzelnen Körnern, die von einer Hülse umgeben sind, befindet sich aber anstelle eines Reiskornes noch eine milchige Flüssigkeit. Diese Milch wird wohl auch zur Herstellung von Reisseife und anderen Schönheitsprodukten verwendet. Das Feld ist während der Wachstumsphase ständig mit Wasser bedeckt. In den Bewässerungskanälen siedeln sich Süßwasserfische, wie z.B. der Katzenfisch an. Diese dienen den Einheimischen als wichtige Proteinquelle und werden mit Korbfallen aus Bambus gejagt.

Während dieser Zeit sind die Reisfelder nun besonders anfällig gegenüber Schädlingen wie z.B. Vögeln. Damit die Ernte nicht vorzeitig verputzt wird, schläft der Bauer (traditionell) in einer kleinen Bambushütte am Feldrand und verscheucht in regelmäßigen Abständen die Plagegeister. Mit einer Leine, die quer über das Feld gespannt ist, leutet er einen Gong. Zwischendurch pflückt er sich eine Kokosnuss. Das erfrischende Kokoswasser ist die beste natürliche Quelle für Elektrolyte! Überhaupt ist die Kokospalme eine so vielseitige Pflanze, wie kaum eine andere in topischen Gefilden. Die trockenen Kokosfasern dienen als Brennmaterial, die Blätter der Palmwedel werden zu Dächern, Wänden, Körben, ja ganzen Möbelstücken verflochten und auch der Stamm kann zum Hausbau verwendet werden.

So vergehen also die Tage auf dem Reisfeld und aus der milchigen Substanz in den Hülsen bildet sich das Reiskorn welches bei uns dann auf dem Teller landet. Das geflutete Feld wird in dieser Zeit schließlich auch trocken gelegt. Übrigens ist der Reisanbau nahezu vollständig in Frauenhand. Auf Nachfrage wurde uns gesagt, dass Männer einfach viel zu ungeduldig für diese Arbeit wären und damit qualitativ nicht so hochwertig arbeiten würden wie die Frauen.

Nach etwa 4 Monaten kann der Reis dann geerntet werden. Die einzelnen Ähren werden mit einer Art Sichel abgeschnitten und übrig bleiben nur noch die Strünke. Diese werden dann von den Wasserbüffeln auch noch gefressen und somit ist das Feld bereit für eine neue Anbauperiode. Aber bevor der Reis im Kochtopf landet müssen die einzelnen Körner noch gedroschen und die Spreu vom Reis getrennt werden. Traditionell wurde das Dreschen mit Hand bzw. einfachen hölzernen mechanischen Hilfsmaschinen durchgeführt. Eine schweißtreibende Arbeit. Reis ist also ein kostbares Gut, denn der Anbau benötigt viel Energie und Wissen. In vielen Kulturen Asiens wird der Reis deshalb hoch verehrt und geachtet. Im Buddhismus wird eine Schale Reis geopfert, tibetische Räucherstäbchen werden in eine Reisschale gesteckt, in Japan sollte man seine Reisportion stets aufessen… Aber wie kommt eigentlich der Brauch in der ‚westlichen Welt‘ zustande, dem Brautpaar bei der Hochzeit Reis entgegen zu schmeißen? 🙂 Wir freuen uns auf eure Kommentare!

(Leider hat sich unsere Kamera auf Koh Samui mit einem „Lens Error“ ins Nirvana verabschiedet und der nächste Canon Support ist vermutlich auf Penang. Aus diesem Grund sind wir jetzt erstmal gezwungen mit Anja’s Smartphone weiterzufotografieren, was die eventuell etwas schlechtere Qualität der Bilder erklärt.)

5 comments
  1. Marcella Barth said:

    Liebe Anja und lieber Markus,
    das ist ja eine bis ins kleinste Reiskorn detaillierte Anleitung zum Reisanbau, was Ihr da alles aufgeschrieben habt. Da kriegt man sofort eine größere Hochachtung vor jedem Reisgericht.
    Gefallen haben mir besonders die Fotos vom Kilim Nationalpark. Habt Ihr wirklich einen „echten“ Rochen gefüttert? Ich erkenne darauf eher ein Krokodil….und das es in Malaysia so viele Wellensittiche gibt war mir auch nicht bekannt.
    Ich bin noch dienstlich in der italienischen Po-Ebene unterwegs. Hier soll es laut Info von meinen ortsansässigen Kollegen auch Reisfelder geben. Am Freitag fliege ich ins verschneite Deutschland zurück.
    LG aus Verona von Mama/Cella

  2. Holger said:

    Hallo zusammen,

    schon interessant wie mühselig im Vergleich zu unseren Weizen z.Bsp. der Reis angebaut wird – und alle in Asian essen Reis. Da wir ja nun mit frischen Eindrücken von Samui wieder in D sind – was könntet ihr zum Vergleich zu Samui sagen ?
    Ist Langkawi ruhiger, ursprünglicher oder auch so quirlig ? Mir (uns) jedenfalls stinkt das zur Zeit immer noch sonnlose, kalte u. nasse D – bei der Witterung werden wir nie das „Land des lächelns“ ! In der Hoffnung auch hier auf Besserung bis bald !

    Holger & Cella

  3. René said:

    Hallo Ihre Reis(e)wütigen,

    schnell mal ein Gruß zu Euch von Anja und René. Chice Bilder! Vorallem das mit den Wellensittiche finde ich dufte. Sehr zutraulich der gemeine malayische Wellensittich, was? Auch wären wir gern mal in die Mangroven mit rein geschippert und dann noch der einsame Strand bei Euch. Bei uns sind hier gerade ca. -3°C und 15 cm Neuschnee die letzten 2 Tage runter gekommen….Und dann „muß“ ich mir Bilder von Badestränden, Annnaaanaaas und Mangroven anschauen…;O)) NE, alles gut! Macht mal weiter so schönen Reiseberichte und guckt Euch die Welt an!! Bleibt gesund!

    LG von Anja und René

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.