[Video] Tentena & Lore Lindu Nationalpark

Tentena, ein beschauliches Örtchen, an der Flussmündung zum imposanten Danau Poso See in Zentralsulawesi gelegen. Hierhin verschlug es uns nach über einer Woche Strand, Meer und Tauchen in Donggala bei Palu. Wir sehnten uns nach Abwechslung vom Beachlife und freuten uns auf einige Tage in den etwas kühleren Hochebenen und dem satten Dschungelgrün. Viele Touristen legen in Tentena nur eine Nacht Zwischenstopp ein, nach der 12-stündigen Fahrt von Rantepao (Tana Toraja) im Süden, um am nächsten Tag weiter nach Norden, Richtung Togean Inseln weiter zu hechten. Dabei lohnen sich ein paar (abenteuerliche) Tage hier im Örtchen und im angrenzenden Lore Lindu Nationalpark auf jeden Fall! 

Tententa für einen Tag

Mit dem Moped haben wir uns einen Tag lang die nähere Umgebung angeschaut. Zu deren Highlights zählen:

  • natürlich der See, mit Holzbrücke und Aalnetzen sowie einem Badestrand auf der anderen Seite
  • Kakao- und Kaffeeplantagen, sowie die Reisfelder im Umland
  • der Salopa Wasserfall
  • ein balinesisches Dorf, welches wiederum seine ganz eigene (hinduistische) Kultur pflegt

Der mutige Reisende kann sich schließlich an folgenden kulinarischen Spezialitäten probieren:

  • Fledermaus vom Grill (kurz „Bat Man“)
  • Goldfisch (ikan mas)
  • frisch gefangener Aal (sugili) aus dem See
  • im Teigmantel gebackene Banane (pisang molen)

Letzteres beides haben wir probiert, die beiden ersten Sachen nicht. Gebackene Banane war unser Favorit.

Trekking im Lore Lindu Nationalpark

Von diversen Guides unterschiedlichster Qualität werden Ausflüge in den Lore Lindu Nationalpark im Westen von Tentena angeboten. Wir lernten ein amerikanisches Pärchen kennen, welches bereits mit einem Guide, der sich selbst ‚Johnny‘ nannte, einen Preis für einen 3-tägigen Trip in das s.g. Bada-Tal am südlichsten Ende des Parks ausgehandelt hatten. Wir wollten auch mit und uns so in den Preis reinteilen. Leider wurde die Frau krank und so waren wir doch nur zu zweit.

Tag 1: Tentena – Gintu – Kadidia

Wir starteten gegen 10 Uhr morgens mit einem public Jeep in Tentena. Nach etwa 20 km begann das richtige Abenteuer. Es nieselte bereits leicht und auch sonst war die Regenzeit noch immer im Gange. Als wir die ’normal‘ schlechte Straße Richtung Berge verließen wurde aus dem Niesel ein steter Dauerregen. Die nun ‚richtig‘ schlechte Straße (bröckeliger Asphalt + Kies + Schlamm + Wasserlöcher) verlangte unserem Fahrer einiges ab. Er legte Schnee…, äh, Schlammketten an, als wir zur ersten großen Schlammpartie kamen. Wir stapften unterdessen ans Ende des Schlammabschnittes, damit der 4WD mit leichterem Gewicht durchschmoddern konnte. Es regnete immernoch. Diese Prozedur wiederholte sich noch 3 Mal. Unterwegs kamen uns immer wieder kleine Mopeds entgegen und es war uns schleierhaft, wie die durch diese riesigen Schlammmassen schlitterten. Ebenso wie die Kleinwagen (!), die sich abmühten und sich – natürlich – im Matsch festfuhren. Park-Rancher versuchten die PKWs mit ihrem Jeep und einem zusammengeschusterten Seil herauszuziehen. Dadurch verzögerte sich natürlich auch unsere Auffahrt. Es war schon Mittag durch und wir hatten noch nicht einmal die Hälfte der knapp 70km-Strecke geschafft. Schließlich kamen wir ans letzte – im wahrsten Sinne des Wortes – Schlammmassel. Und hier fuhr sich auch unser Jeep so richtig schön fest. Die Parkrancher versuchten uns rauszuziehen, doch das Seil riss etliche Male. Hätte es nicht so geregnet und wären unsere Regenjacken nicht schon durchnässt und uns entsprechend kalt, das Ganze hätte echten Unterhaltungswert gehabt. Wir schüttelten den Kopf…stellten uns eine derartige Situation in Dtld. vor und bereiteten uns innerlich schon darauf vor, umzukehren und zurück ins Tal zu fahren. Aber hier in Indonesien hilft jeder jedem und nach einer halben Ewigkeit hatte es unser Fahrer heraus geschafft. Wir stiegen wieder in das semi-trockene Fahrzeug und teilten unsere letzte Notration an Keksen mit den anderen Fahrgästen. Währenddessen hoppste unser Fahrer zurück ins Schlammmassel, um den Fahrzeugen zu helfen, deren Fahrer uns zuvor behilflich gewesen waren. Danach wusch er sich in einer Pfütze, von denen es ja genug gab, und zog sich ein trockenes Shirt über. Die Schlammpartien waren also überstanden und die Fahrt konnte weiter gehen. Gegen 14 Uhr erreichten wir endlich ein kleines warung (Imbiss) am Straßenrand und machten Mittag: Instant Noodles pur. Kurz darauf hatten wir zu guter letzt noch einen Platten. Doch ein Ersatzreifen war bei diesen Straßenverhältnissen zum Glück immer mit an Bord. Wir erreichten das Hochplateau mit der Ortschaft Bomba und plötzlich war die asphaltierte Straße einwandfrei. Das Dörfchen selbst bestand aus niedlichen Holzhäuschen mit Vorgärten, Blumen und weißen Zäunen. Kaum zu glauben, dass diese Schlammpiste die einzige Zufahrt nach hier oben (ca. 1600m NN) ist.

In Gintu, dem nächsten Dorf, stiegen wir aus und starteten endlich (!) unsere Trekking-Tour. Schnell war die Müdigkeit vergessen. Uns bot sich ein pittoresquer Anblick auf satt-grüne Reisfelder, Kakao- und Sagopalmhaine sowie Palmdachhütten mit neugierig und freundlich grüßenden Einheimischen. Nach einiger Zeit auf der von Pfützen übersäten Schotterstraße bogen wir auf ein Reisfeld ab. Unser Guide Johnny führte uns, auf den Schlammdämmen balancierend, zum so genannten Monkey Megalith. Der etwa 1m hohe Stein mit Gesicht stand da einfach so mitten im Feld. Ohne Guide hätten wir den nie gefunden! Nach einer etwas verwirrenden Konversation mit Johnny über Entstehung und Zweck dieses Steins kehrten wir auf den Weg zurück und liefen weiter bis ins Dorf Kadidia.

Die Megalithe in dieser Gegend sind übrigens ein Rätsel. Keiner weiß, wie sie entstanden sind und hierher kamen. Vermutlich galten sie als eine Art Grenzsteine zwischen den Königreichen in Zentral- und Süd-Sulawesi. Johnny meinte, es wären Sammelplätze für die magischen Männer aus den umliegenden Dörfern gewesen, wo sie so eine Art Voodoo-Zauber zelebrierten. Keiner weiß es.

In Kadidia machten wir Bekanntschaft mit einer mit unserem Guide befreundeten Familie. Hier konnten wir übernachten, Homestay also. Doch bevor die Nacht gänzlich hereinbrach, wollte uns Johnny noch zu einer heißen Quelle führen. Im Wald gelegen gibt es ein kleines, nach Schwefel riechendes Wasserbecken, voll angenehm warmen Wassers. Eine Wohltat! Zurück bei unserer Gastfamilie bekamen wir kopi susu (indonesischer Kaffee mit gezuckerter Milch), ein eigenes Gästezimmer sowie ein einfaches indonesisches Abendessen, bestehend aus Reis (klar, was sonst?), Omlett und spinatähnlichem grünen Gemüse.

Tag 2: Kadidia – Kolori – Bomba – Gintu

Zweiter Tag und unser Abenteuer beginnt jetzt erst recht. Wir hatten einen guten Schlaf und starteten fit mit einem indonesischen Frühstück (Reis – haha, Omlett und, oje, Instant Noodles) in den Tag. Johnny schlug vor von Kadidia zurück zur nächsten Kreuzung mit dem ojek (Mopedtaxi) zu fahren und von dort aus die Wanderung zu starten. Der Gute hatte übrigens zu diesem Zeitpunkt (etwa 8.30 Uhr morgens) schon fast ’ne halbe Zigarettenschachtel geraucht… Die holprige ojek-Fahrt über die Pfützen- und Schlaglochreiche Straße dauerte dann doch unerwartet lang. Mein Fahrer rief den Leuten am Wegesrand immer irgendwas zu (oder umgedreht). Danach Gelächter. Wahrscheinlich sowas wie: „Schaut mal, wen ich heute durch die Gegend kutschieren kann. Ne Touristin! Dollars, Dollars!“ Oder so ähnlich. Wie immer halt.

Wir liefen weiter zu Fuß auf einen verlassenen Feldweg Richtung eines Dorfes namens Kolori. Die Landschaft war weit und satt grün, ringsum von einer hügeligen Bergkette umschlossen. Es erinnerte uns ehrlich gesagt an das Erzgebirgsvorland im Sommer… Leichtes Heimweh? Wir bogen in einen anderen Feldweg ab. Um uns herum nur Wiese und Büsche und die Sonne prasselte schon ordentlich herunter. Wir kamen an eine kleine Gruppe von Wohn- und Lagerhäuschen aus Holz, die auf Pfeilern aus Baumstämmen standen. Dies waren die traditionellen Behausungen der Bada-Leute in dieser Region hier gewesen. Die Bada-Leute leben im hiesigen Bada-Tal am Lore Lindu Nationalpark und stellen eines der zahlreichen indigenen Völker Sulawesis dar. Ein paar Schritte weiter erreichten wir den ersten Megalith des Tages: Ein etwa 2,50m hohes Steinmännchen, mit Gesicht und Pimmel.

Wir mussten wieder zurück zum Hauptweg und weiter ging’s durch sengende Hitze ohne Schatten. Erste Kakaoplantagen kündigten Kolori an. Am ersten Haus machten wir bei einem Freund von Johnny Rast. Wir bekamen Tee und man erntete uns frisch eine Kasawa-Wurzel (eine Art Kartoffel). Während diese kochte, machte sich Markus auf zum Dorf-Kiosk um kurz darauf mit drei ungekühlten Softdrinks und der halben Dorfkinderschar im Schlepptau zurück zukommen. Die Kids versammelten sich um uns ‚Whities‘ und beäugten uns verschämt (was wir Europäer aber eher als unverschämt empfinden). Wie auch immer, der kleine Sohn des Hauses hieß Erwin! Wir bekamen die gekochte Kasawa pur serviert. Mit etwas Salz schon lecker. Und sättigend!

Nächste Station sollte ein toller Wasserfall zum baden und planschen oberhalb des Dorfes werden. Sollte…! Johnny stürmte vorne weg. Wir durchquerten Kakaoplantagen und bogen dann zu einem Fluss ab. Der steinige Weg hinunter war durch das feucht-heiße Klima von Moos bewachsen und sch… glatt. Also legten Markus und ich ein eher langsames Tempo zurück. Plötzlich hörte ich unseren Guide schreien und sah ihn zurück in unsere Richtung stürmen, stolpern, stürzen. Er rief uns etwas zu und machte Handbewegungen, die wir als „Geht weg!“ interpretierten (in Wirklichkeit heißt dies aber „Kommt her!). Ich dachte, irgendein wildes Tier ist hinter ihm her. Doch in Sulawesi gibt es keine großen Raubtiere. Dann verstand ich ihn: „Big snake! Big snake!“. Der gute Mann war extrem aufgeschreckt und zitterte am ganzen Körper. Er erzählte aufgeregt, dass da eine riesige schwarze Schlange mitten auf dem Weg liegt. Auf die wäre er fast getreten. Und sie frist gerade eine große Maus. Hm. Markus blieb vorsichtshalber gleich auf Abstand. Auf so einen überreagierten Pseudo-Guide hatte er keine Lust. Ich war aber schon neugierig und trat näher. Nach einigem hin und her entdeckte ich die Szene: Eine ziemlich große pechschwarze Schlange (vermutlich Sulawesi Mangrovenbaumnatter, vielleicht kennt sich ja jemand unter den Lesern aus?) machte sich über eine ebenfalls ziemlich große Wasserratte her. Man sah kaum den Kopf, aber auf dem Foto, was ich machte, kann man erahnen, dass die Schlange ihr Opfer gerade mit weit aufgerissenem Kiefer verschlingen will. Johnny hatte solche Angst vor Schlangen! Also kein Wasserfall. Wir traten den Rückzug an, während unsere Herzen noch so vom Adrenalin pochten. Unser ‚Guide‘ brauchte nach der ganzen Aufregung erst einmal ne Zigarette. Oder fünf.

Mindestens ebenso gruselig wie die Schlangenszene war aber auch die Hängebrücke, die wir als nächstes zu überqueren hatten: ein zusammengeflicktes Gebilde aus Stahlseil und Brettchen, mit leichter Schlagseite nach links. Uns kam ein Mopedfahrer entgegen, der sein Gefährt über die Brücke balancierte. Respekt, Respekt. Danach hoppelten wir darüber, hochkonzentriert, um weder ins Leere zu greifen, noch zu treten. Mein Adrenalinbedarf war für den heutigen Tag gedeckt! Die Brücke ist die Hauptverbindung zwischen den Dörfern Kolori und Bomba. Warum diese keine der Gemeinden endlich mal vernünftig repariert? Weil die Brücke eben genau in der Mitte liegt. Keiner der Ortsverwaltungen sieht sich hier in der Verantwortung das Geld dafür herauszurücken. Hatte ich schon erwähnt, dass das indonesische Verwaltungssystem zu den korruptesten der Welt gehört…?

Wir erreichten also Bomba und kauften im nächstbesten Minimart für 10.000 Rupiahs (ca. 0,80 Euro) einen halben Liter Arak, den lokalen Palmweinschnaps. Der wird nur in ‚Heimarbeit‘ hergestellt und mehr oder weniger inoffiziell verkauft. Johnny versuchte derweil sein Schlangentrauma mittels Gesprächstherapie (er erzählte jedem davon, den wir trafen) und Kettenrauchen zu überwinden. In Bomba unternahmen wir noch einen langen Abstecher zu einem weiteren Megalith und traditionellen Bada-Häuschen. Anschließend machten wir Rast in einem kleinen Warung und stärkten uns mit Instant-Noodles. Guter Dinge liefen wir nun die Straße weiter ins nächste Dorf, wo wir wieder bei einem Freund von Johnny einkehrten. Wieder eine Tasse Kaffee, wieder Kinder mit verschämten Lächeln. Der Hausherr war so nett und fuhr uns mit seinem Moped anschließend noch nach Gintu. Wieder diverse Zurufe von Passanten am Wegesrand.

Die Nacht verbrachten wir im Losmen (Gasthaus/Pension) Imanuel, der einzigen Unterkunft weit und breit. Abends saßen wir bei Arak und Johnny erzählte wieder und wieder seinen Landsleuten von seinem Schlangenabenteuer und zeigte unser Foto davon herum. Wir waren alle ganz schön knülle und um 21 Uhr lagen wir im Bett.


Tag 3: Gintu – Tentena

Man könnte den letzten Tag unserer Lore Lindu Tour als relativ unspektakulär beschreiben, wäre da nicht die spektakuläre Schlammtour zurück ins Tal. Jeden Freitag morgen fährt ein öffentlicher Minibus von Gintu nach Tentena. Gegen 9 Uhr wollte der Bus uns am Guesthouse abholen. „Or maybe 10 or 11“ – wie Johnny uns beim Frühstück offerierte. Prost Mahlzeit. Zum Zeitvertreib spielten wir zu dritt ein bisschen Domino und siehe da, der Bus war schon 9.15 bereit. Nur leider war von den beiden indonesischen Mitfahrern, die auch im Guesthouse nächtigten und mit dem Bus fahren wollten, keine Spur. In Deutschland/Europa würde es heißen: ‚Pech gehabt!‘, wer nicht da ist, kann halt nicht mitfahren. Nicht so in Sulawesi, wo es eh schwierig ist in so abgelegenen Gebieten (bezahlbare) Transportmittel zu finden. Um 10 Uhr konnten wir dann starten.

Bis zum ersten Schlammkrater lief alles gut. Doch dann waren mehrere PKWs festgefahren und ein dicker LKW wollte auch noch hoch. Die Fahrer und Helfer schaufelten fast eine Stunde lang die Piste frei. Ein Fahrzeug nach dem anderen wurde heraufgezogen. Nachdem unser Fahrer allen anderen geholfen hatte, konnte auch wir endlich passieren. Gegen halb 3 gab es Mittag am Warung: die obligatorischen Instant-Noodles mit nem hartgekochten Ei. Sieben Stunden benötigten wir für die ganze Tour zurück nach Tentena (hochzu waren es ’nur‘ fünf mit dem Jeep). Wir reden hier übrigens immernoch über eine Strecke von 70km. Wir waren ganz schön breit. An solchen Tagen kommen einem schon manchmal Gedanken wie: Warum nicht einfach nach Bali fliegen und dort gepampert werden? Aber irgendwie wollen wir’s ja wissen! 😉

Und hier noch ein kleiner multimedialer Eindruck unserer Tour:

[vimeo http://www.vimeo.com/65812285 w=500&h=375]

1 comment
  1. Holger said:

    Hallo zusammen,

    beeindruckend, wäre das alles Heilschlamm, könnte mann bei solchen Aktionen nebenbei was für die Gesundheit tun,
    Auf der anderen Seite, was würden die Fahrer und Menschen mit der vielen freien Zeit anfangen, wäre das einfach nur eine normal asphaltierte Straße ??!! und es würde wie in D auch sein – langweiliger !. Aber tolle Bilder und Video – das macht das Abenteuer noch rund . LG Cella uns Holger

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