Von der heiligen Ananas bis zum Geldschein von der Hell Bank – chinesische Bräuche in Malaysia

Holzschnitzerei in einem chinesischen Tempel in Melacca

Holzschnitzerei in einem chinesischen Tempel in Melacca

Malaysia ist ein echter Vielvölkerstaat, in dem v.a. Malayen, Chinesen und Inder leben, danebem noch eine Reihe indigener Völker (v.a. auf Borneo) sowie Gastarbeiter aus Indonesien, Nepal und Bangladesch. In den Monaten Februar und März verlebten wir 6 ereignisreiche Wochen zwischen Langkawi im Norden der malayischen Halbinsel und Kuching in Sarawak/Borneo. Das chinesische Neujahr hatte gerade begonnen (Jahr der Schlange) und so fielen uns die zahlreichen chinesischen Dekorationen der Straßenzüge und Tempel besonders ins Auge. Die chinesische Community in Malaysia ist relativ homogen und pflegt ihr Kultur, ihre Kunst, ihre Religion (Taoismus bzw. Buddhismus) sowie ihre chinesische Küche (bzw. die Fusion aus malaysisch und chinesisch: Nonya-Küche) Heute wollen wir euch ein paar wenige chinesische Bräuche beschreiben, die uns sehr in Erinnerung bleiben werden.

Insbesondere um das chinesische Neujahr herum im Februar fielen uns die vielen kleinen mit Schleifchen und roten Papierbriefchen geschmückten Mandarinenbäumchen auf, die nun in jedem Tempel und an den Hauseingängen standen. Auch gab es in den Edel-Supermärkten jetzt Edel-Mandarinen zu kaufen, einzeln hübsch verpackt in Seidenpapier und einer schicken Holzkiste. Der Grund: Zu Neujahr wünschen sich die Chinesen (gegenseitig) Wohlstand, also kurz gesagt Geld. Und das chinesische Wort für Geld ist dasselbe wie für Mandarine. Also beschenkt man sich zum chinesischen Neujahr nicht nur mit Geld sondern auch mit Mandarinen, dem Symbol für den schnöden Mammon.

Mandarinenbäumchen, geschmückt für das chinesische Neujahrsfest

Mandarinenbäumchen, geschmückt für das chinesische Neujahrsfest

Eine andere Frucht hat in der chinesischen Tradition ebenfalls Hochkonjuktur: die Ananas. Man sieht sie als Papierlampions vor den Hauseingängen ode rin den Tempelnoder Hausaltaren oft in Miniaturnachbildung aus Kristallglas., in den Gärten wird die Pflanze degegen gleich mit Goldpapier umwickelt: die Ananas! Der Grund ist so ähnlich wie bei der ‚heiligen‘ Mandarine: im Chinesischen bedeutet Ananas gleichzeitig auch Glück.

Viel chinesische Kultur kann der Reisende übrigens in Städten wie Georgetown, Kuala Lumpur und Melakka entdecken. In letzterer trafen wir schließlich auf eine Reihe von Geschäften, die sich auf Güter aus Papier spezialisiert haben: Schuhe, Hemden, Taschen, ja ganze autos, Bierdosen, Zigarettenschachteln, selbst iPhone und iPad. Alles aus Papier. Wozu man sowas braucht? Nun, die Chinesen glauben, dass ihre Angehörigen auch nach dem Tod nicht auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten wollen. Also geben sie den Verstorbenen allerhand Ausstattung aus Papier mit auf den Weg. Dieses wird verbrannt und kann dann dem Verstorbenen in der Totenwelt nützlich sein. Hier gibt es auch eine eigene Geldwährung. Herausgegeben von der Hell-Bank. Der Besitzer eines solchen Devotionalienladens hat uns ein paar Banknoten geschenkt, mit den Worten, dass wir diese hoffentlich nicht allzuschnell benötigen. Sehr anschaulich… 😉

Das Notengeld im Jenseits...made by Hellbank

Das Notengeld im Jenseits…made by Hellbank

 

3 comments
  1. Holger said:

    Hallo zusammen,
    interessant das nur materielle Dinge das Maß aller Ding zu sein scheint, die den Toten den weiteren Weg begleiten sollen.
    Wie halten es die Chinesen mit anderen Sachen wie Freunde, Familie, Zufriedenheit u.s.w. – drückt sich das auch ( nur ) materiell aus ? Sehr bizarr .

    LG Holger u. Cella

  2. Martina said:

    Freunde und Familie sind auch vergänglicher Reichtum. Und wie heißt es so schön? Geld macht zwar nicht glücklich, aber es beruhigt irgendwie. Jedenfalls sind die, die keines haben, auch nicht glücklich 🙂

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