Unsere kleine Farm – Farmwork in Taiwan

unsere_kleine_Farm

Nach dem ganzen Großstadt-Gedöns hat es uns in die ländliche Idylle Taiwans gezogen. Nach den schönen Erlebnissen auf einer Biofarm in den malaysischen Cameron Highlands wollten wir Ähnliches gern in Taiwan wiederholen. In Taiwan gibt es eine Reihe von kleinen Farmen, die auch gern mal Freiwillige bei sich auf nehmen. Auch s.g. WWOOFing (s. Link) sei wohl weit verbreitet. Einziges Problem: die Sprache! Wirklich nur sehr sehr wenig Leute auf dem Land können Englisch sprechen bzw. trauen sich zu mit einem nicht-chinesisch sprechenden Ausländer zu kommunizieren. In Taipei haben wir hin und her recherchiert auf der Suche nach einer passenden Gelegenheit. Schließlich haben wir einen Tipp bekommen: eine Farm in der Nähe von Hsinchu (dem Silicon Valley Taiwans) und gar nicht weit weg von Taipei. Wir riefen an und waren sehr positiv überrascht das da anscheinend sehr gut Englisch gesprochen wurde.

Feierabend bei Sonnenuntergang

Feierabend bei Sonnenuntergang

Also haben wir uns auf den Weg gemacht und sind seit nunmehr einer Woche auf der Bogis Farm. Eigentlich ist das hier eher ein großer Gemüsegarten, der mehr oder weniger von einer Community betrieben wird. Das Ganze managed aber Yshin, eine zierliche Taiwanesin, Ende 20. Sie war fast ein ganzes Jahr in Neuseeland (daher das gute Englisch!), hat Wirtschaft studiert und wollte danach aber nicht als Büroleiche, wie ihre Kommilitonen enden. Irgendwie ist sie hierher gekommen, wo es bereits diese Community-Farm gab. Aber die damaligen Betreiber konnten es wohl nicht mehr führen und so übernahm Yshin die Sache und lernte alles dazu. Hilfe bekommt sie von Adann, dessen Alter ich nur schwer schätzen kann. Er ist eigentlich Reisbauer. Sein Reis hat sogar Preise gewonnen (und er schmeckt auch mega gut!). Adann ist immer offen für neue Ideen und unterstützt so auch diesen Community Gemüsegarten. Er nutzt eine alte große Fabrikhalle um die Ecke. Hier gibt es viel Platz, Küche, Büro, Dusche, sogar Internet, und Gästeräume, in denen wir nun untergekommen sind. Unten in der Fabrikhalle stehen große Garnmaschinen, die z.Z. auch noch von Freunden und Bekannten für deren Garn.-Business genutzt werden. So sind immer mal einige Leute hier zu Besuch. An den Wochenenden geht Adanns Familie hier ein und aus und spielt ein mysteriöses Kartenspiel um Geld… 😉

...bei dem ganz schöne Geldbeträge hin und her gehen.

…bei dem ganz schöne Geldbeträge hin und her gehen.

Uns gefällt es wahnsinnig gut. Wir helfen jeweils morgens und abends für etwa 2-3 Stunden: Gemüse ernten, Unkraut jähten, Pflanzgerüste und Insektenfallen bauen, usw. Mittags wird es dann bei über 40 Grad einfach zu heiß – trotz unserer schönen großen Reisstrohhüte. Natürlich gibt es auch immer eine ganze Palette selbst geerntetes Gemüse zum Essen. Yshin und auch Adann können sehr gut kochen. Außerdem kommen regelmäßig Nachbarn oder Adanns Familienmitglieder vorbei und bringen irgendetwas aus ihrem Garten mit: Mangos, Bambussprossen, Wassermelonen, Fisch,…

Konstruktion eines Pflanzgerüsts für die Gurken

Konstruktion eines Pflanzgerüsts für die Gurken

Letzten Samstag war hier eine riesen Party. Freunde und Familie waren gegen Mittag gekommen. Gemeinsam haben wir noch eine Reislieferung verpackt. Die Frauen standen in der Küche und haben leckere Hakka Gerichte zubereitet. Die Männer haben den großen Kühlraum zum Partyraum umfunktioniert (weil Klimaanlage) und eine Karaoke-Maschine aufgebaut. (Hier sei hinzugefügt: Bislang war in nahezu allen Gegenden, die wir in Asien gesehen haben, Karaoke einfach der Renner. Keine Party ohne Schmachtfetzen. Und diese Partylöwen hier singen wirklich gut!). Wie es nunmal so Brauch ist wurde die Party (zur Mittagszeit!) zu einem riesigen Fressfest. Und es gab Bier. In Mengen. Jeder schüttete was er kann (solang er nicht noch fahren musste, denn es gibt da sehr strenge Vorschriften in Taiwan). Und natürlich kam alsbald die Karaoke Maschine zum Einsatz und natürlich wurden auch die beiden Ausländer aufgefordert zum singen…

Auf die Plätze, fertig, los!

Auf die Plätze, fertig, los!

Niemals werde ich auch diese eine Frau vergessen…sie kommt ab und zu wegen der Garnmaschine vorbei. Sie ist sehr nett, aber auch irgendwie…angsteinflößend. Sie spricht kein einziges Wort Englisch, quatscht uns aber immer munter zu…und will uns irgendwas zu Essen andrehen. Am Partytag hat sie das meiste Essen gekocht (und wohl da schon Bier gebechert). Regelmäßig kam sie an unseren Tisch und forderte uns zum Anstoßen auf. Auch Adann kam und prostete uns „Ganbei“ – Auf Ex! – zu. Ojeoje. Die Dame kam dann wieder und wieder und schichtete noch mehr Essensplatten auf unseren Tisch. Puh… Aber es war ein wirklich einmaliges Erlebnis für uns. Irgendwie sind wir schon ein bisschen Teil dieser Familie hier geworden. Yshin muss natürlich immer übersetzen, aber Adann will unbedingt, dass wir nach der Reisernte wiederkommen, damit er uns die Umgebung zeigen kann. Auch will er, dass wir noch mehr Chinesisch lernen… 🙂

Naiwan am Wochenende: Voller Touris

Naiwan am Wochenende: Voller Touris

Yshin möchte auch, dass wir hier die Gegend erkunden und so hatten wir auch ein zwei Tage ‚frei‘. Wir sind nach Neiwan in die Berge gefahren. Es hat in Strömen geregnet (Es hat sonst nie geregnet!). Ein anderes Mal fuhren wir nach Hsinchu und an den Hafen von wo ein netter Fahrradweg an der Küste entlang führt. An diesem Tag gab es einen Sturm. Naja, war trotzdem nett 😉

Alle helfen mit - wir verpacken und wiegen den Reis

Alle helfen mit – wir verpacken und wiegen den Reis

Leider werden wir uns nun wieder von dem Landidyll verabschieden. Taiwan hat ja noch soviel zu bieten. Seid gespannt!

4 comments
  1. Holger said:

    Hallo zusammen,

    nach hi tec in der City nun ländliche Idylle. Ihr scheint euch in der Gemeinschaft wohl zu fühlen, schön das alle so aufgeschlossen sind. Na denn, wir sind gespannt wo es jetzt hin geht !

    LG Holger u. Cella

  2. Sabine said:

    Hi ihr beiden,

    eure Berichte hören sich total cool an. 🙂 Hoffentlich kommt ihr überhaupt mal wieder zurück, wenn es euch so gut gefällt dort! Sobald ihr chinesisch könnt, wollen Yshin und Adann euch bestimmt gar nicht mehr gehen lassen.

    Ganz liebe Grüße von Bine und Bastian

  3. Hi ihr Lieben,

    habt ihr auch gesungen? Was denn? „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer…?“ 😉 Und was macht man denn mit dieser Moskito-Coil? Is da was drin, das die abschreckt? Macht das Geräusche? Bringt ihr Reis mit? 🙂 Krieg immer voll Hunger wenn ich eure Bilder sehe… Hmmmm.
    LG

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