Radeln durch Taiwan

Radfahrerland Taiwan!

Radfahrerland Taiwan!

Taiwan ist das perfekte Radfahrerland! Auch dank der hier ansässigen Fahrradmarke Giant gibt es ein sehr gutes Netz an Radwegen und Ausleihstationen für unvergessliche Trekkingtouren mit dem Drahtesel. Wir haben im August 2013 eine 4-Tages-Tour entlang der Ostküste und im Hinterland unternommen.

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Seit wir in Taiwan angekommen sind, hatten wir uns vorgenommen auch ein paar Tage im Sattel das Land zu erkunden. Taiwan gilt als sehr fahrradfreundliches Land und die Ostküste als ein Highlight für Radsportbegeisterte. Der Taifun „Soulik“ war abgezogen (s. dazu unseren Beitrag „Vom Winde verweht“) und so stand unserem – für uns erstmaligen – Radabenteuer nichts mehr im Wege. Die Firma „Giant“ ist in Taiwan sehr beliebt und breit aufgestellt. So gibt es rings um die Insel eine Vielzahl von Shops, an denen man Tourenräder komplett mit Packtaschen ausleihen kann. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Räder an Shop A auszuleihen und im Shop B wieder abzugeben – alles ohne direkt ersichtlichen Aufpreis. Jedes Fahrrad hat uns für die 4 Tage insgesamt umgerechnet 36 Euro gekostet – ein fairer Preis wie wir finden.

Tag 1 – Hualien -> Fongbin (~60 km)

Los ging unsere Tour am Giant-Shop in Hualien.Nachdem die wichtigsten Utensilien aus unseren Rucksäcken in den Packtaschen verstaut waren, machten wir uns auf Richtung Highway 11, der direkt entlang der Ostküste nach Süden führt. Die ersten knapp 10 km mussten wir uns jedoch erstmal im Stadtgetümmel Hualiens durchschlagen. Doch dann wurden wir mit einer breiten Radspur auf dem Highway und den ersten Küstenblicken belohnt. Wir mussten auch einige recht lange Tunnel durchqueren. Nach den ersten 30km gab’s erstmal lecker Mittagessen in einem kleinen Straßenrestaurant entlang des Weges. Danach mussten wir unseren einzigen nennenswerten Berg der Tagesetappe auf knapp 300m Höhe erklimmen. Die Landschaft zu unserer Rechten wurde ab diesem Punkt auch immer bergiger und immer wieder hatten wir schöne Aussichten auf malerische Küstenabschnitte. Nach einer Eispause auf dem Gipfel gings eine schöne Abfahrt wieder hinab zur Küste wo wir am schwarzen Strand nochmal schön baden waren. Die Route könnte ihr auch auf unserer Karte (s. Link hier) nachverfolgen!).

Nachdem schließlich noch weitere 20 km hinter uns gebracht hatten, machten wir uns daran eine Unterkunft zu finden. Die vereinzelten Gästehäuser/Hotels, die man hier findet, sind alle recht nobel und teuer und so mussten wir uns was einfallen lassen. Wir hatten schon an verschiedener Stelle gehört, dass man wohl relativ einfach in Polizeistationen, Schulen oder auch Tempeln kostenlos übernachten kann. Also auf zur Polizei! Dort wurde meine Mimik-/Gestikanfrage nach einem Übernachtungsplatz mit einem klaren „NO“ abgewiesen. Aber in perfektem Englisch wurde ich an die Grundschule nebenan verwiesen. Hier in Taiwan sind gerade Ferien, aber es fand sich noch die Direktorin, die unter der Woche in der Schule wohnt und Umbauarbeiten etc. beaufsichtigt. Im ersten Moment sah sie keine Möglichkeit uns unterzubringen, aber nach einigem Smalltalk hatte Sie begriffen, dass wir kein 5-Sterne Hotel suchen, sondern wirklich nur eine einfache Schlafstätte. Die Schulen in Taiwan haben öfters angeschlossene Schlafräume, wo Kinder und Lehrer bei Bedarf auch übernachten können. Eiligst wurde ein Zivi per Telefon von seiner Joggingrunde zurückgerufen und schlussendlich konnten wir dann in einem unrenovierten Trakt tatsächlich ein Zimmer mit Holzbett und Ventilator bekommen. Im Bad gab’s sogar warmes Wasser – was will man mehr?! Aus der schuleigenen Turnhalle haben wir uns dann noch ein paar Gymnastikmatten besorgt um noch ein bisschen weicher zu Schlafen und fertig war unsere erste Nachtbehausung.

Tag 2 – Fongbin -> Donghe (~90 km)

Unser Spendenangebot an die Schule wurde am Morgen abgewiesen mit dem Verweis darauf, dass wir ja Fremde sind denen geholfen werden müsste. Probiert das mal in einer Schule in Deutschland! 🙂 Nach einem leckeren Jianbing (chinesischer Pancake) Frühstück gings wieder auf den Sattel. Wir hatten uns mittlerweile entschieden, in den nächsten Tagen doch nicht komplett bis nach Süden in die Stadt Taichung zu fahren, sondern lieber die küstennahe Bergkette zu überwinden und dann auf dem Highway 9 wieder nach Norden zu fahren. Das spart uns eine lange und nicht ganz billige Zugfahrt zurück. Bis zum Abzweig bei der Stadt Donghe waren also 90 km zurückzulegen. Nach ca. 30km – kurzer Fotostopp am s.g. „Tropic of Cancer“ – das ist der nördliche Wendekreis bei ca. 23,5° geographischer Breite der hier verläuft. Nächster Halt waren die Baxian Höhlen – laut unserem Reiseführer wohl ein obligatorischer Stop für Busreisende (siehe Fotos) entlang der Ostküste. Die Höhlen waren schön für die Touristen als buddhistische Schreine herausgeputzt – wir haben jedenfalls schon schönere, naturbelassenere Höhlen auf unserer Reise gesehen. Aber dort gab es ein „Visitor Center“ und für uns damit die Gelegenheit jemanden mit unserer Übernachtungsbuchung (auf Chinesisch) für die übernächste Nacht zu beauftragen. Anja hatte am folgenden Abend ein Skype-Vorstellungsgespräch und wir wollten unbedingt sicherstellen, ein Hotel mit funktionierendem WLAN zu bekommen. Nachdem das geklärt war, ließen wir die ganzen am Straßenrand geparkten Busse hinter uns und steuerten Sanxiantai mit seiner charakteristischen Drachenbrücke an. Dort machten wir noch einen kleinen Spaziergang und dann mussten wir uns schon langsam sputen, um auf den letzten 20 km unserer Tour nicht noch von der Dunkelheit eingeholt zu werden.

In Donghe war dann erstmal gleiches Spiel wie am Vorabend angesagt. Die Polizei konnte uns jedoch nur ein für unsere Verhältnisse überteuertes Hostel empfehlen. Also wieder auf zur nächsten Schule. Dort konnten wir das Security-Personal – die einzig anwesende Person – davon überzeugen uns einzuquartieren. Zunächst direkt in der Bibliothek, dann jedoch (nach kleineren Unstimmigkeiten mit seinem Chef) innerhalb seiner eigenen Unterkunftstätte neben der Schule. Dort fand sich noch ein freier Raum mit Bett. Da es keine öffentlichen Duschen gab, bot er uns spontan seine eigene an. Fazit: Wieder mal eine Nacht Geld gespart. 😉

Tag 3 – Donghe -> Yuli (~70 km)

Gleich am frühen Morgen wurden wir vom bestimmenden Element des Tages geweckt – Regen! Im Nieselregen ging es auf in Richtung Yuli am Highway Nummer 9, der parallel zur Küste in den Bergen verläuft. Um in das s.g. East Rift Valley zu gelangen mussten wir jedoch erstmal die ca. 700m hohe Bergkette erklimmen welche den Highway Nummer 9 von der Küste trennt. Rund 40 km ging es bergauf und ab Km 20 hatten wir Starkregen und absolut keine Möglichkeit uns irgendwo unterzustellen. Alles hing im Nebel und es hieß einfach nur Weitertreten und irgendwie den Gipfel erreichen. Die schöne lange Abfahrt hat dann wieder entschädigt. Pitschnass fielen wir im Tal im Örtchen Fuli in einen Nudelshop zum Mittag ein. Von da an waren es dann nur noch 30 km bis Yuli, welches wir gegen 17 Uhr dann erreichten.

Tag 4 – Yuli -> Guangfu (~ 60 km)

Unser letzter Tag startete auch mit Starkregen, so dass wir die 12 Uhr Checkout Zeit unseres schicken Hotelzimmers voll ausnutzten. Im Nieselregen ging es dann weiter nach Rueisuei. Dort haben wir es nach 6 Wochen Taiwanaufenthalt endlich geschafft eine heiße Quelle zu besuchen. Das ist sozusagen ein Must-Do für einen Taiwanbesuch und auch das erste was jeder Taiwanese als Ausflugstipp parat hat. Wir haben uns allerdings immer bisschen drum herum gedrückt, da es ja eh schon immer sehr warm hier ist. Dank des Sch***wetters hatten wir die heißen sowie kalten Badebecken an diesem Tag sogar für uns allein. Danach fuhren wir zum Bahnhof in Rueisui. Wir hatten eh nicht vor die über 100 km Strecke noch komplett zurück nach Hualien zu fahren und wollten dann einfach irgendwann in den Zug steigen. Taiwan soll ja angeblich so fahrradfreundlich sein und bisher hatte uns jeder versichert, dass man Fahrräder auch mit in die Züge nehmen darf. Pustekuchen! Wir wurden auf strikte Art und Weise abgewiesen mit dem Verweis, dass das wohl „gegen die Regeln verstoße“. Fahrräder darf man nämlich nur in bestimmten Zügen mitnehmen und der nächste fuhr 3 Stunden später gegen 20 Uhr. Diskutieren half nichts – wir bestiegen wieder die Räder und beschlossen so lange es noch hell war eine Station weiterzufahren, irgendwo was zum Abendbrot zu essen und den späteren Zug dort zu besteigen.

Fazit

Insgesamt war es eine schöne Tour, auch wenn wir die letzten beiden Tage ein bisschen Pech mit dem Wetter hatten. Die beiden Highways 9 und 11 sind zwar recht stark befahren, aber man hat fast durchgehend eine Radspur und häufig auch alternative Radrouten, die in einiger Entfernung von den Hauptstraßen entlangführen. Günstige Übernachtungen (Zimmerpreis < 20 Euro) auf der Strecke zu finden ist ziemlich schwierig. Wir hatten Glück mit den Schulen, aber wir haben auch von Übernachtungsmöglichkeiten in Polizeistationen gehört. Das Angebot der Giant-Shops können wir nur empfehlen. Die Räder werden gut gewartet und gerade die Möglichkeit das Rad an einer anderen Station wieder abzugeben bietet sich wunderbar für Radreisen an. Aufpassen sollte man mit dem Bahnverkehr. Nicht alle Züge nehmen Räder mit und es ist auch nirgends ersichtlich, welche Züge das sind. Also am besten vorher doppelt und dreifach nachfragen.

2 comments
  1. Holger said:

    Hallo,
    klasse Bericht, interessante Tour, schöne Bilder, bizarre Übernachtungsmöglichkeiten. Es hat – wie immer – Spass gemacht eure Schilderungen zu lesen und klar, in D wäre das mit den Übernachtungen so natürlich kaum möglich.

    LG Holger & Cella

  2. Michael said:

    Hallo Markus und Anja,
    zufällig bin ich von einem Youtube Kommentar über deine Kanalseite auf euer Video und dann hierher geraten.
    Hab mich auch gleich ein bisschen umgeschaut und ein paar Sachen speziell aus Thailand und Cambodia recht gut nachempfinden können. Ich war selbst gerade 4 Monate in Süd-Ost-Asien und der Mongolei unterwegs, wir hätten uns fast treffen können, wenn ihr nicht schon früher dort gewesen wärt. Ihr seid nun ja auch schon über ein Jahr unterwegs und habt sicher auch noch ganz andere Sachen erlebt. Speziell bei eurer Radtour musste ich an zwei Spanier denken, die ebenfalls seit Langem mit dem Rad in der Welt unterwegs sind und in einem Blog von ihren Erlebnissen berichten.
    Vielleicht eine Inspiration: http://plantyourself.wordpress.com/

    Mit nem Drachen müsste sone Tour wohl auch genial sein, wenn auch etwas teuer und umständlich. Tja,
    alles eine Sache der Planung. Liebe Grüße aus Norddeutschland (vorher Dresden/Freiberg),
    Michi

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