Vom Winde verweht… Taifun-Saison in Taiwan

Reisen in Taiwan will gut vorbereitet sein, ist doch hier irgendwie immer für irgendwas Saison: Regenzeit (bis Mai/Juni), Urlaubssaison (Juni-August), Taifun-Saison (ab Juli)… Und wir befinden uns mittendrin. Nachdem wir nun jedem Wochenende panisch entgegen geblickt haben, weil alle (günstigen) Unterkünften wegen der Reisehorden aus Taipei, Festland-China oder dem Rest der asiatischen Welt immer im Voraus ausgebucht waren, hatten wir dieses Wochenende die Ehre die Taifun-Saison zu begrüßen.

Taifun „Soulik“ wurde wohl in den chinesischsprachigen Nachrichten groß angekündigt was an uns natürlich erstmal vorbeiging. Seit Dienstag nachmittag befanden wir uns auf einer klitzekleinen Insel im Südwesten Taiwans – Green Island. Eigentlich wollten wir dort mind. 3 Nächte bleiben, uns von der Urlaubsatmosphäre des taiwanesischen „Malle“ anstecken lassen: radeln, baden, tauchen. Doch bereits am Mittwoch – während wir uns nach einer günstigen Tauchbasis umschauten – wurde uns vom bevorstehenden Taifun berichtet. Also nutzten wir die Gelegenheit, noch am selben Tag bei schönem Wetter auf Tauchgang zu gehen. Endlich konnten wir auch die taiwanesische Unterwasserwelt kennen lernen. Zurück in unserer Unterkunft erfuhren wir, dass schon am nächsten Tag die letzten Boote wieder gen Festland auslaufen und der Fährverkehr wegen des Taifuns erst einmal für einige Tage aussetzen wird. Wir folgten der Empfehlung, die Insel am Donnerstag morgen zu verlassen. Green Island war insgesamt nicht billig und wir wollten ungern dort für mehrere Tage festsitzen, noch dazu wenn ein unberechenbarer Sturm darüber hinwegfegen soll.

Jetzt mussten wir komplett umplanen. Die Ostküste mit dem Fahrrad hochzuradeln bzw. in die Berge wandern zu gehen konnten wir also erst einmal knicken. Zurück an die Westküste wollten wir aber auch nicht mehr. Also machten wir uns auf den Weg gen Norden in die Stadt Hualien (s. Karte). Dort haben wir kurzfristig über Couchsurfing bei Jessie, einer netten Taiwanesin, Unterschlupf gefunden – zusammen mit zwei Amerikanern und drei Tschechen.

Der Taifun am Freitag Abend ist schließlich weitaus schwächer als im Norden gewesen und bis auf etwas mehr Wind und einigen Regenschauern lief in Hualien alles recht harmlos ab. In Taipei und an der Nordwestküste waren die Auswirkungen des Taifuns weitaus deutlicher zu spüren. Yshin aus Hsinchu, von der Gemüsefarm, auf der wir gearbeitet haben (s. unseren Blobpost dazu), schrieb uns über einige Verwüstungen auf ihren Feldern. Auch die Stadt Taichung, im Westen Taiwans, sei wohl von Überschwemmungen betroffen gewesen.

Die folgenden Tage haben wir größtenteils mit Jessie und den anderen Couchsurfern verbracht. Wir waren sogar zwei mal in der berühmten Taroko-Schlucht, die nicht weit von Hualien entfernt liegt. Dort waren jedoch die meisten Wanderwege wegen der Gefahr von Schlammlawinen geschlossen. Generell, ist das bergige Inland Taiwans sehr anfällig für Schlammlawinen und somit sollte man diese Region in der Taifunzeit gerade meiden. Nichtsdestotrotz, scheint hier die Devise zu lauten: „Safety first!“ – weil: Dann hat der Taiwanese weniger Scherereien und bei Taifunwarnung gibt’s auch großzügig frei vom Arbeitgeber. Kurz gesagt: Taiwan steht still.

Hier noch ein sehr interessanter Beitrag über den Typhoon-Abend in Taipei auf mykafkaesquelife.

Von der Sturmnacht haben wir ein Video (aus Toucheng bei Taipei) auf YouTube gefunden:

[youtube src=“http://www.youtube.com/watch?v=5urA4-x6YOc“]

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