Von Hong Kong bis Peking: Hong Kong – Shenzhen – Wuhan – Wudangshan

Drei Wochen durch China (Teil 1)

(Teil 2 gibt’s hier: Xi’an – Pingyao – Peking)

Die rote Farbe überall

Die rote Farbe überall

Unser Aufenthalt in China (VRC) zwang uns leider zu einer dreiwöchigen Abstinenz von Blog und Facebook (Die Chinesen-Zensur grüßt!). Also gibt es nun viel Lesestoff für euch mit unserem 2-teiligen Rückblick.

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Hong Kong

(Hier geht’s zu unserem schicken Hong Kong Video!)

In Hong Kong haben relativ einfach ein chinesisches Visum erhalten. Jedoch gelten seit Juli 2013 wohl neue Bestimmungen, wonach deutsche Staatsangehörige 4 Büroarbeitstage auf das Visum warten müssen. Ein schnelleres Expressprozeder gibt es aktuelle nicht für Deutsche. Wir mussten ein langes Pamphlet aka Visumsantrag ausfüllen. Irgendwelche Weiterreise- bzw. Ausreise Tickets auf der VRC mussten wir (Gott sei Dank) nicht vorlegen. Es reicht also einmal wieder, wenn man seine ungefähre Reiseroute (per Landweg) plausibel erklären kann.

Nachdem wir das Visum Montag mittag in der Tasche hatten ging es direkt mit der MTR (Hong Kong U-Bahn) in die Nachbarstadt Shenzhen und damit zur chinesischen Grenze. Auch wenn Hong Kong seit 1998 offiziell wieder zur VRC gehört, so ist und bleibt der Stadtstaat Verwaltungssonderzone und als Touristen bekamen wir problemlos ein Visa on Arrival. Shenzhen indes ist China. Und zwar reiches China. Die Stadt ist nicht nur eine der größten, sondern auch eine der wirtschaftlich wohlhabendsten Metropolen in China.

Shenzhen

Der Grenzübergang lief reibungslos. Ich war ein bisschen aufgeregt, immerhin sind wir in die Volksrepublik (VR) China eingereist…einem sozialistischen, autoritären Einparteiensystem. (Das mit der Parteiendiktatur stimmt. Sozialistisch? Naja, der chinesische Charakter an sich scheint eher materialistisch eingestellt zu sein, wenn man die unzähligen Shoppingmalls betrachtet…). Wir gingen quasi zu Fuß über die Grenze, mussten uns an der Immigration fotografieren und die Fingerabdrücke scannen lassen. Aber das Gepäck wurde nicht gescannt. (Dieser Umstand ist bemerkenswert, wird das Gepäck doch bei jedem (!) Zugang in einen chinesischen Bahnhof und an jeder (!) U-Bahnstation in Peking gescannt.)

Weil ich so aufgeregt war und nach dem behüteten Taiwan mit gemischten Gefühlen dem als sehr rau verschrienen China entgegen sah, hatte ich einige Nächte zuvor folgenden wilden Traum: Wir seien nach Nord-Korea eingereist! Aber hatten natürlich kein gültiges Visum. Illegal! In Nordkorea! wir mussten uns vor den Grenzposten verstecken. Das klappte gut. Doch nun waren wir in der Stadt und auch da mussten wir uns ständig verstecken. Es war ein wirklich spannender Traum, aber ich war dann doch froh, als ich mit gültigen Reisedokumenten am nächsten Morgen aufwachte.

Zurück nach Shenzhen – mittlerweile war es früher Abend, als wir am Bahnhof ankamen. Der Plan war direkt weiter ins chinesische Inland, in die Hubei-Region am Jangtsekiang-Fluss, zu fahren. Das wären gut um die 18h Zugfahrt und wir können uns eine Übernachtung sparen. Aber wir waren China-Newbees, noch im naiven Glauben einfach mal ein Zugticket quer durch das halbe China zu bekommen. Nachdem wir am Ticketschalter einen Mitarbeiter mit rudimentären Englisch-Kenntnissen bekommen hatten, bekamen wir nur noch für den Folgetag ein Zugticket. Leider nur Sitzabteil, 18 Stunden lang. Das Abenteuer ruft! In Shenzhen fanden wir Unterkunft in einer überraschenderweise unglaublich gemütlichen und schicken Jugendherberge (LOFT Youth Hostel) im Künstlerviertel der Stadt. Das Doppelzimmer (sehr geräumig, mit Bad und Fenster) war mit umgerechnet knapp 25€ das teuerste unseres ganzen China-Trips. Doch nach der Enge im teuren Hong Kong gönnten wir uns einfach den Luxus.

Am nächsten Tag mittags ging die große Fahrt dann los. Zuvor kauften wir uns noch einige Futteralien, wie Kekse, Obst und Instant-Nudeln. Mit letzterem sind ganze Supermarktwände gepflastert. Für Chinesen scheinen diese Instant-Nudel-Pötte die perfekte Mahlzeit für unterwegs zu sein. Heißes Wasser gibt es überall (für Tee und eben Instant-Zeugs). Im Zug amüsierten wir uns köstlich über 2 Jungs, die uns gegenüber saßen, und deren einziger Zeitvertreib das vernichten ihrer riesigen Fresstüte war mit allerhand Süßkram, Chips, Sonnenblumenkerne und natürlich Instant-Nudeln.

Wuhan

Übernächtigt kamen wir in Wuhan an, wo wir ebenfalls in einer urigen Jugendherberge (Pathfinder Youth Hostel) unterkamen. Irgendwie gibt es wohl auch ein Gesetz, dass nicht alle Gästehäuser Ausländer aufnehmen dürfen. Bei den Internationalen Jugendherbergen ist man jedenfalls auf der sicheren Seite. Nachmittags erkundigten wir die Stadt. Wuhan liegt direkt am großen Jangtsekiang und ist eine der (wenn nicht die) heißeste Stadt in China. Es war wirklich unglaublich heiß. Wir schlenderten durch eine Art Altstadt und wollten gen Fluss. Irgendwie schien aber keiner der Chinesen, die wir fragten, zu wissen, was entweder a) der Jangtsekiang ist, b) das englische Wort „river“ bedeutet oder c) wie man zu Fuß (!) dahin kommt. Es war zum verzweifeln. An dieser Stelle sei gesagt: Mit Englisch in China um die Runden zu kommen ist eine echte (!) Herausforderung. Unsere spärlichen Chinesisch-Kenntnisse waren zwar (auch dank des Lonely Planet Phrasebook Mandarin) hilfreich, aber nicht ausreichend. Hinzu kommt der Umstand, dass es für viele internationale Bezeichnungen, ja ganze Namen, im chinesischen eigene Begriffe gibt. Also auch für Jangtsekiang (im chinesischen heißt der Cháng Jiāng), genauso wie für Internet (hùliánwǎng) usw. Und last but not least: Welcher Durchschnittschinese latscht denn schon 2km durch eine heiße Stadt, wenn er doch ein Auto mit A/C hat? Nur arme Trottel laufen zu Fuß… Nichtsdestotrotz, wir fanden den riesigen Fluß, sahen eine riesige Brücke und die Skyline von Wuhan auf der anderen Seite. Am Flußufer hatte sich zum späten Nachmittag eine illustre Menschenmenge zusammen gefunden, um dem Schwimmsport zu fröhnen. Wir lehnten die Einladung, doch mitzumachen, jedoch dankend ab und bestaunten die wagemutigen Schwimmer, die sich todesmutig in die Flussströhmung warfen und davon getragen wurden. Jeder Schwimmer führte eine knallorangene Schwimmboje mit sich. Immerhin, gibt es doch einen recht regen Schiffsverkehr auf dem Fluss.

Wudangshan

Am nächsten Tag kamen wir dann unserem eigentlichen Ziel, den Wudangshan-Bergen (shan bedeutet Berg) im Nordwesten der Hubei-Provinz, endlich näher. Hier hofften wir auf angenehmes Klima und altchinesische Kultur, wurde in den hiesigen Klöstern vor langer Zeit doch die Kampfkunst des Tai Chi entwickelt. Nach knapp 4h Zugfahrt kamen wir in Wudanhshan-Stadt im Tal an. Es regnete in Strömen. Um auf den Berg Wudangshan bzw. das dortige Örtchen Nanyen, zu gelangen, musste man erst einmal den dafür zuständigen Busbahnhof finden. Im Internet fanden wir kaum Informationen darüber und so waren wir ziemlich planlos (jetzt haben wir einen Beitrag im Wikitravel dazu verfasst – s. hier). Schließlich gaben wir auf und haben uns mit einem Taxi an das andere Ende der Stadt fahren lassen. Die Wudangshan-Region ist sehr touristisch (Zielgruppe sind v.a. Chinesen). Und so gibt es auch hier ein kleines Chinesen-Disneyland mit dutzenden Souvenirshops und Fressbuden. Die riesige Wartehalle vor dem Ticketschalter mit ihren Absperrgängen gab uns eine Idee, wie es hier wohl an den Wochenenden aussehen würde… Mit dem Bus ging es 40min lang steile Serpentinen hinauf. Hier wurde Service geboten. Zum einen lief ein Film über die Region und ihre Attraktionen (man musste also gar nicht aus dem Fenster schauen), und zum anderen wurden großzügig Kotztüten verteilt. Im Dorf Nanyen angekommen suchten wir uns ein Zimmer bei einer netten kleinen Familienpension (mit Wifi!), danach erkundeten wir die Gegend. Nanyen lebt vom Tourismus. Die Einheimischen hier betreiben entweder ein Hotel/Pension inklusive Restaurant oder einen Souvenir- und Spittelshop. Oder beides. Man kann auch typische chinesische Snacks für die Wanderung kaufen, neben Keksen die allzeit beliebten Instant-Nudeln oder eingeschweißte Hühnerkrallen. Ein Genuss (haben wir gehört)!

Auf unserem ersten Rundgang lernten wir gleich einen Tai Chi Lehrer kennen – einen der wenigen Menschen im Ort, die Englisch sprechen können. Es kommen nämlich auch viele Ausländer hier hoch, um diese Kampfkunst zu erlernen. Und so konnten wir in den folgenden Tagen einige Tai Chi Gruppen bei ihren Übungen beobachten. Fortgeschrittene Tai Chi Kämpfer üben auch mit dem Schwert. Dieses wiederum ist ein beliebtes Souvenir bei den Touristen. In den folgenden Tagen unternahmen wir Wanderungen zu den umliegenden Tempeln oder Palästen sowie auf den eigentlichen Wudangshan-Gipfel, an dessen Klippen sich ebenfalls ein Kloster und ein Tempel krallt. Die Umgebung war schon atemberaubend. Steile Berggipfel, knorrige uralte Zedernbäume, miteriöser Nebel (es regnete ab und zu) und mittelalterliche chinesische Tempel- und Klosterarchitektur. Bis auf die für uns teilweise extreme Ansammlung an chinesischen Touristen (Sollte dies hier nicht ein Ort der Ruhe und Meditation sein?), gefiel uns Wudangshan landschaftlich wirklich sehr.

Tei 2 unseres Rückblicks führt euch dann nach Xi’an und der Terakotta-Armee, in die mittelalterliche Kleinstadt Pingyao und schließlich nach Peking, einschließlich großer Mauer. (A)

2 comments
  1. Holger said:

    Hallo Anja und Markus,

    das war ja eine echte challenge, wenn die Leute kein bis nur sehr wenig English sprechen – da an sein Ziel zu kommen !
    Beeindruckend ! Was lernen die in China nur als erste Fremdsprache ?

    LG Holger u. Cella

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