Welcome to Europe – oder Abenteuerritt via Tashkent nach Riga

Anflug auf Riga, im Hintergrund die Ostsee!

Anflug auf Riga, im Hintergrund die Ostsee!

Europa hat uns wieder! Vor wenigen Stunden sind wir mit einem Air Baltic Flug in Riga/Lettland gelandet. Erster Eindruck: Es ist zu kalt für diese Jahreszeit! Dafür haben wir aber mit Genugtuung die frische Herbstluft eingeatmet und uns am strahlenden Sonnenschein erfreut. Also eigentlich gar kein schlechter Empfang für den Anfang in Europa. Vom Flughafen ging’s in Windeseile und supergünstig mit dem öffentlich Bus (No. 22) in die Stadt. Das nennen wir vorbildlich, wo man doch an vielen Flughäfen der Welt erst einmal von einer raffgierigen Taxifahrermeute empfangen wird. Unser sehr zentrales Hostel (Big Bed Hostel) haben wir ebenfalls schnell gefunden und so beginnt nun der wirklich letzte, wenn auch kurze Teil unserer Reise durchs Baltikum zurück in die Heimat starten.

Nun zum zweiten Teil des Titels. Der folgende Absatz richtet sich vor allen Dingen an Reisende, die vorhaben eine ähnliche Flugverbindung (Bishkek – Tashkent – Riga) zu nutzen. Wir hatten vorher selbst im Netz viel dazu recherchiert, jedoch ohne brauchbare Informationen finden zu können. Für alle anderen ist es wohl eher uninteressant. Wir haben jedenfalls einige Nerven in den vergangenen Stunden gelassen und so wollen wir unsere Erfahrungen gern mit euch teilen.

Von Fluggesellschaften, Transitvisas und Nerven

Vor ca. einem Monat buchten wir online unser Flugticket von Bishkek über Tashkent nach Riga. Die Strecke Bishkek – Tashkent wurde von Usbekistan Airways bedient. In Tashkent hatten wir dann 10 Stunden Aufenthalt bevor es mit Air Baltic weiter nach Riga ging. Nachdem wir unser Ticket gebucht hatten wollten wir unbedingt sichergehen, ob unser Gepäck zwischen den 2 Flügen in Tashkent auch durchgecheckt wird. Auf zweimalige (!) Nachfrage im Usbekistan Airways Büro in Bishkek erhielten wir die Antwort, dass ein Durchchecken des Gepäcks wohl nicht möglich wäre, da kein Inter-Airline-Abkommen zwischen Usbekistan Airways und Air Baltic bestünde. Auch fallen für den Flug Tashkent – Riga mit Baltic Air Extrakosten für unser Gepäck an (das wussten wir schon bei Ticketbuchung) und das dürfte auch der Grund sein, warum ein direktes Durchchecken nicht so einfach möglich sei. Das hieß für uns, dass wir unser Gepäck in Tashkent wieder abholen und erneut einchecken müssten. Soweit kein Problem – der Haken daran ist das man dafür ein Transitvisum für Usbekistan braucht, da man beim Abholen des Gepäcks bereits in das Land immigriert. Usbekistan Airways bestätigte uns also, dass wir unbedingt ein Transitvisum bräuchten.

Das hart erarbeitete Transit-Visum für Usbekistan

Allein die Geschichte der Besorgung des Transitvisums in Bishkek könnte schon wieder einen neuen Artikel füllen. Um’s kurz zu machen – wir wurden von der usbekischen Botschaft genötigt für 10 Stunden Aufenthalt über Nacht ein 2 Tages Transitvisum zu beantragen. Das hat uns am Ende 40 US$ pro Person (!) gekostet und eine Menge nervende Telefonate mit der Usbekischen Botschaft, welche bis zur Abholung des Visa durch absolute Unfreundlichkeit glänzte. Am Ende bekamen wir das Visum und konnten unseren Flug nun beruhigt antreten. Den Flughafen in Tashkent wollten wir in den 10 Stunden übrigens nicht verlassen, da unser Aufenthalt mitten in der Nacht war. Das Transitvisum war also lediglich für das Aus- und erneute Einchecken in Tashkent nötig. Soweit die Theorie.

Eine Nacht in Tashkent (Airport)

Am Flughafen Bishkek/Kirgistan, nächster Halt Tashkent/Usbekistan. Hier nahm die Odyssee ihren Lauf...

Am Flughafen Bishkek/Kirgistan, nächster Halt Tashkent/Usbekistan. Hier nahm die Odyssee ihren Lauf…

Am Flughafen in Bishkek wunderten wir uns gestern Abend schon beim Einchecken, warum keiner unser Transitvisum für Usbekistan überprüft hat. In Tashkent angekommen hieß es dann, dass unser Gepäck durch einen Fehler des Eincheck-Personals in Bishkek bereits bis Riga durchgecheckt wurde – also eigentlich genau das, was laut Usbekistan Airways ja nicht funktionieren sollte und weswegen wir uns ja das Transitvisum besorgt haben. Wir konnten also direkt in den Transitbereich gehen und uns selbst fragen wozu wir nun 80 US$ in ein Transitvisum investiert hatten. Leider hatten wir auch die warmem Klamotten für die Nacht (wegen Klimaanlage) und etwas Essen in unseren Rucksäcken gelassen. Wir sind ja davon ausgegangen, dass wir unser Gepäck in Tashkent wieder bekommen würden. Das Gepäck war also jetzt (fälschlicherweise) im Transitterminal und wir kamen auch nicht mehr ran. Es war alles eine sehr vertrackte Situation. Wer hat hier eigentlich den Mist gebaut?!

Zuerst beschuldigten wir Usbekistan Airways, insbesondere die Mitarbeiter im Büro in Bishkek – hatten wir doch auf deren vermeintliche Falschaussage hin uns dieses teure Transitvisum geholt. Dieser Verdacht war jedoch falsch, denn der Normalfall ist wirklich so, dass man dieses Transitvisum benötigt, weil man das Gepäck erneut aus- und wieder einchecken muss. Wir hatten also alles richtig gemacht. Lediglich die Person am Check-In in Bishkeker Airport wusste offensichtlich nicht, dass ein Durchchecken des Gepäcks auf dieser Verbindung eigentlich nicht erfolgen darf.

Die Transitwartehalle am Flughafen Tashkent: drei Duty Free Shops, ein Fast Food 'Restaurant' und jede Menge unbequeme Sitzgelegenheiten zum 'verweilen'

Die Transitwartehalle am Flughafen Tashkent: drei Duty Free Shops, ein Fast Food ‚Restaurant‘ und jede Menge unbequeme Sitzgelegenheiten zum ‚verweilen‘

Wir diskutierten jedenfalls ewig mit dem Transitpersonal von Usbekistan Airways, was wir jetzt machen, denn a) wir waren verwirrt (was war jetzt wie schief gelaufen?) b) es war kalt und wir hatten Hunger und c) unser Gepäck bekamen wir nicht so einfach da heraus… Die besagte Person in Bishkek jetzt im Nachhinein ausfindig zu machen, ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Wir hatten, dann noch große Bedenken, dass unser Gepäck irgendwie nicht den Weg in unser Flugzeug nach Riga finden würde, aber auf Nachdruck und mehrmaligem Nachfragen und Telefonierens wurde uns selbiges versichert.

Also verbrachten wir die folgenden Stunden auf den äußerst unbequemen Sitzen (solche mit Armlehnen, damit man sich da ja nicht hinlegen kann), mit einem dürftigen Fast Food Abendmahl für 18 (!) US$ (plus 2 $ für eine Flasche Wasser) und bei erfrischendem Klimaanlagengebläse in der Transitwartehalle. 3 Stunden vor Abflug besorgte uns eine Dame vom Flughafen dann noch unser Weiterflugticket aus dem Check-In Bereich von Air Baltic.

Der kleine, aber feine Flughafen

Der kleine, aber feine Flughafen in Riga

Der Witz an der ganzen Sache ist: Wir haben nun keinen Cent für unser Gepäck für den Flug von Tashkent nach Riga bezahlt. Normalerweise wären das nochmal um die 30 Euro pro Gepäckstück gewesen. Im Endeffekt haben wir also 80 USD fürs Visum bezahlt jedoch 60 Euro Gepäckgebühren gespart und somit kommt für uns +-0 raus. Lediglich die Zeit und Nerven für das usbekische Transitvisum und die Diskussionen gestern Nacht erstattet uns niemand. Aber überglücklich konnten wir unser Gepäck dann heute morgen in Riga in Empfang nehmen. Ende gut, alles gut!

Fazit

Auf der Verbindung Bishkek – Tashkent – Riga mit Usbekistan Airways/Air Baltic ist ein usbekisches Transitvisum erforderlich. Lediglich in unserem Fall hätten wir uns durch einen Fehler des Eincheck-Personals in Bishkek selbiges ersparen können (darauf kann man natürlich nicht bauen). Man sollte also beim Einchecken in Bishkek unbedingt kontrollieren, was mit dem Gepäck passiert. D.h. auf den Luggage Sticker schauen, den man beim Check-In auf das Ticket geklebt bekommt. Ironischerweise, hatten wir auch gefragt, ob wir das Gepäck in Tashkent abholen müssen und das wurde uns eben genau von der Person, die den Fehler begangen hat, bestätigt. 🙁

Im Endeffekt waren wir dann froh im Transitbereich bleiben zu können. Wäre alles nach den Spielregeln gelaufen, wären wir ins Land eingereist und hätten dann 7 Stunden vor dem Flughafen auf den Check-In nach Riga warten müssen. In Tashkent darf man nämlich erst 3 Stunden vor Abflug das Flughafengelände betreten. Das heißt, kommt man aus Bishkek und holt sein Gepäck in Tashkent ab, darf man die nächsten 7 Stunden anstelle in einer Wartehalle vor dem Flughafen (oder eben in der Stadt) verbringen. Hier würde sich bei günstigeren Abflugzeiten ein Stoppover in der usbekischen Hauptstadt anbieten…

Wer das Ganze jetzt immer noch nicht verstanden hat (wir haben gestern Nacht dafür auch 2h gebraucht, um alle Details zu raffen), der schreibe uns einfach direkt an. Viel Glück!

(M/A)

1 comment
  1. Holger said:

    Hallo Anja und Markus,

    ja, das sind sicher die Sorte Abenteuer auf die man gern verzichten könnte. In Riga dann die Gepäckausgabe „Suprise“ !
    Aber am Ende alles gut – wir wünschen euch einen komplikationsfreie Fahrt nach D !!! – und bis dahin noch ein paar schöne allerletzte Tage !

    Cella u. Holger

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