Zwischen Ost und West – Kirgistan

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Auf in den Westen! …im wilden Zentralasien

Auf unserem Weg von China zurück in die Heimat wollten wir gern noch einen Zwischenstopp einlegen – auch um den Kulturschock etwas abzufedern. Beim ersten Blick auf die Weltkarte bot sich Zentralasien an. Der zweite Blick galt dann den Einreisebestimmungen und so entschieden wir uns für das einzige visafrei zu bereisende Land in dieser Region: Kirgistan/Kirigisien – oder wahrscheinlich politisch korrekter da vom auswärtigen Amt benutzt – Kirgisistan. Über zwei Wochen sind wir nun schon hier und wenige Tage liegen noch vor uns.

Kurzer Ausflug in die Geografie: Kirgistan grenzt im Norden an Kasachstan, im Osten an China, im Süden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan. Die zentralasiatischen Länder sind alle Staaten der ehemaligen Sowjetunion und somit ein völlig neuer Kulturkreis für uns. Amtssprachen in Kirgistan sind Kirgisisch und Russisch, beide im kyrillischen Alphabet geschrieben. Noch in Peking bestand unsere erste Investition aus einem russischen Phrasenbuch. Wir waren überhaupt sehr unsicher, wie weit wir denn überhaupt mit Englisch kommen würden und haben uns gefragt, ob es eigentlich noch schlimmer als in China werden kann. 🙂 Überraschenderweise sprechen sehr viele Kirgisen ein bisschen Englisch und sogar Deutsch steht auf dem kirgisischen Stundenplan, wie uns erst kürzlich eine Deutschlehrerin auf der Straße bestätigte.

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Lada-Idylle (hier in Kochkor)

Die ersten Tage (inklusive Markus‘ Geburtstag) haben wir in der Landeshauptstadt Bishkek verbracht. Wir hatten Glück und konnten wieder einen Couchsurfing-Host finden, der uns sozusagen eine kleine Starthilfe im neuen Land geben konnte. Liliya, eine Kirgisin in unserem Alter, hat uns trotz ihrer recht kleinen 1-Raum Wohnung und der Tatsache, dass sie selber am Tag unserer Anreise erst von einem Praktikumsaufenthalt in Moskau zurückkehrte, aufgenommen. Hoffentlich können wir so viel Gastfreundschaft irgendwann einmal zurückgeben. Auch haben wir in den ersten Tagen in Bishkek sehr schnelle weitere Reisende kennengelernt und festgestellt, dass Kirgisien ein gar nicht so exotisches Reiseziel ist.

Die landschaftliche Schönheit Kirgisistans birgt ein gewisses touristisches Potenzial, das zur Realisierung aber eine entsprechende, noch nicht vorhandene Infrastruktur voraussetzt. So beschränkt sich der Fremdenverkehr bisher größtenteils auf die jährlich etwa 400.000 Besucher aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und auf junge Abenteuertouristen. (Wikipedia Kirgisistan)

Viele Asien-Überlandreisende (z.B. auch Radler) stoppen hier auf ihrem Weg entlang der ehemaligen Seidenstraße gen Osten. Glaubt man gängigen Zahlen so besteht Kirgistan zu über 90% aus Bergen und so lockt dieses Land auch eine Heerschaar an Kletterern, Bergsportlern und Wanderern an. Glücklicherweise sind wir gerade mitten in der Hauptsaison (Juli bis September) hier, so dass uns die Berge offen stehen und es eine Menge zu erkunden gibt.

Aber zurück nach Bishkek. Nach den Megametropolen in China hat die kirgisische Landeshauptstadt fast schon dörfliches Flair. Die Stadt ist sehr grün, es gibt verhältnismäßig wenig Verkehr, kein Menschengedränge (sieht man mal vom belebten Osh-Bazaar ab) – wir fühlten uns auf Anhieb sehr wohl. Nur wenige Kilometer entfernt deuten sich schon im Hintergrund der Stadt die 4000er und 5000er Berge der Ala-Too Bergkette an. Schon im Vorfeld hatten wir uns gefragt, wie denn die Menschen in Kirgistan aussehen würden – eher russisch oder doch mongolisch/chinesisch. Beides trifft zu, zogen hier doch einst Dschingis Khans Heerscharen und später russische Besatzer hier vorbei. Nach fast 14 Monaten des Reisen’s ist dies nun das erste Land in dem wir nicht mehr direkt als Ausländer/Touristen erkannt werden – zumindest in Bishkek glauben wir das.

Nach dem Besuch des historischen Museums mit riesengroßen Bronzereliefs, dem Lenin-Denkmal (scheint es hier in jeder Stadt zu geben) sowie der Statue des Volkhelden Manas (über den Manas-Epos s. Wikipedia hier), hatten wir die wenigen Highlights der Stadt gesehen und fühlten uns bereit für einen Trip in den nahegelegenen Ala Archa Nationalpark. Hier unternahmen wir 2 schöne Wandertouren in der alpinen Landschaft und konnten die naheliegenden Gletscher bestaunen. Die Gegend war früher ein Ausbildungszentrum für russische Bergsteiger und hat somit eine interessante Geschichte vorzuweisen.

Zurück in Bishkek schlossen wir uns einem holländischen, einem französischen und einem deutschen Päärchen zu einer 4-tägigen Reittour in die Berge um den See Song Köl an. Für uns und die meisten anderen Teilnehmer war es das erste Mal eine solch lange Tour zu Pferde zu machen. Nach 4 Tagen schmerzten Knie und Hintern jedenfalls gewaltig. Übernachtet haben wir in den traditionellen Jurten der hießigen Nomaden, die ihre Schafe, Ziegen und Pferde in den Sommermonaten in diese üppige Weidelandschaft führen. Bei hausgemachter Butter, Marmelade, Fladenbrot und natürlich einem Schlückchen Vodka verbrachten wir schöne Abende auf nahezu durchgehend 3000m Höhe.

Nach dem Trek ist vor dem Trek. In Karakol am nahegelegenen Issyk Köl See, einem der höchsten Seen der Erde, trafen wir auf Ellen und Markus aus Deutschland, denen wir uns spontan zu einem weiteren 4-tages Trek, diesmal zu Fuß und mit Zelt, zum Ala Köl See (3500 m) und über den 3800m hohen Ala Köl Pass im Tien Shan Gebirge anschlossen (Bilder folgen demnächst).

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Lada-Idylle, die Zweite: Lada-Taxi mit Trockenfisch

Demnächst geht es weiter westwärts und ja, irgendwann in naher Zukunft werden wir schon bald deutsche Gefilde erreichen. Bleibt gespannt!

(M)

2 comments
  1. Holger said:

    Hallo Travaller,

    die Bilder – sehr schön ! Ist ja eine irre schöne Landschaft in Kirgisistan und genau das Richtige vor Europa !
    Wir bleiben neugierig !

    LG Holger u. Cella

    PS : Waren die 1PS unter dem Hintern gut und handlig auf der Tour ?

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