Same time last year – Folge 1 // Schneegaudi in Manali

Bereits im Oktober ist der fast 4000m hohe Rohtang-Pass dick in Schnee gehüllt. Ab Ende Oktober ist die überfahrt offiziell (!) nicht mehr möglich.

Bereits im Oktober ist der fast 4000m hohe Rohtang-Pass dick in Schnee gehüllt. Ab Ende Oktober ist die überfahrt offiziell (!) nicht mehr möglich.

Nordindien, Bundesstaat Himachal Pradesh, Ende Oktober 2012. Nach der legendären Überquerung des über 5000m hohen Kugti-Passes von Bharmour nach Keylong mit blauen Zehen und tauben Fingerspitzen (ihr erinnert euch…wenn nicht, hier der Link zum Artikel),  und einigen regenerativen Tagen in Keylong – einer wirklich gemütlichen Stadt in der bereits eher tibetisch geprägten Region von Lahaul-Spiti – beschlossen wir dem hereinbrechendem Winter ein Schnippchen zu schlagen und über den 3978m hohen Rohtang-Pass, der einzigen Verbindung ins benachbarte Manali, gen Süden aufzubrechen – bevor wir mit dem Hubschrauber wegen Schnee und Straßensperrung hätten ausfliegen müssen.

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Von Bhamour über Keylong nach Manali und weiter (made with Tripline.net)

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…zum Vergleich mit dem Rest-Indien (made with Tripline.net)

Der Pass war bereits fett mit Schnee überzogen, doch unser proppevoller Bus meisterte die Kletterpartie bravurös – und wir die 117 km lange 6 Stunden Fahrt mehr oder weniger im Stehplatz. Zwischendurch gab’s natürlich Mittagspause und wir gönnten uns unsere vorerst letzte Portion Momos, tibetische Pelmeni. Kurz vor’m Ziel schenkte mir eine Frau einen Apfel – vielleicht als Belohnung, weil wir so tapfer durchgehalten haben?! Wie auch immer, der Apfel war lecker. Sogar sehr. Und übrigens, Manali und Umgebung ist Apfelland, voller Apfelbaumplantagen. Und das Beste: Ende Oktober ist Erntezeit.

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Eine Busfahrt, die ist lustig… Und am Rohtang La besonders spannend!

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Geschafft! Pause nach der Passüberquerung.

Zum Rohtang-Pass fahren von Süden her auch viele indische Touristen aus Delhi oder dem benachbarten Punjab Staat. Hier haben die ‚Flachlandinder‘ nämlich die Gelegenheit echten Schnee zu sehen und sogar anzufassen (wenn sie sich trauen), Um auch optimal vorbereitet zu sein, bieten zahlreiche Buden entlang der Straße von Manali zum Pass witterungsgerechte Ausrüstung in Form von Ganzkörperschneeanzügen und Ski an. Proper gear, my dear!

Manali ist für den Indien-Backpacker der Ort (Ok, einer der Orte), wo Milch und Honig fließen. Hier tummeln sich ‚German Bakeries‘, die Kuchen, Teilchen und – haltet euch fest – Vollkornbrot anbieten, offerieren zahlreiche Restaurants internationale Speisen aus mehrsprachigen Speisekarten, findet man WLAN an jeder Ecke, kann man sich mit Büchern und Souvenirs eindecken – und sein Portemonnaie erleichtern, gibt es sogar ein Kino für faule Tage und – last but not least für den einen oder anderen erwähnenswert – wächst Cannabis am Wegesrand.

Ohja, hier kann man's aushalten

Ohja, hier kann man’s aushalten

Zurück auf dem so genannten Pancake-Highway – übrigens gut zu erkennen an der Dichte israelischer Reisender – versprach uns die Nachsaison in Manali eine chillige Auszeit. Wir übernachteten im Nachbardorf Vashisht mit seinen alten Holztempeln und heißer Quelle. Von hier aus unternahmen wir einige schöne Wanderungen Richtung Solang Nullah. Die Bergdörfer hier leben nicht nur vom Apfelanbau, sondern auch von der boomenden Tourismusindustrie. Solang ist ein Pionierort in Sachen Wintersport. Und dem entsprechend ein Disneyland für die indischen Touristen, die auch ohne Schnee in ausgeliehenen Ganzkörperschneeanzügen in der Gegend spazieren gehen, sich todesmutig beim 2-minütigem Paragliding Tandem-Flug einen Hang hinunter stürzen oder einfach nur an den Imbissständen essen und gucken und später vielleicht noch eine Puja (Gebet/Segnung) am hiesigen Shiva Tempel vornehmen lassen. Herrlich. Wir wollten da natürlich auch mitmachen und nach kurzer Plauderei führte uns ein ehemaliger Bergführer auf zwei kleinen Pferden über Stock und Stein zu einem entlegenem Tempel.

Der Yoga-Guru aus Vashisht war bereits in sein Winterdomizil nach Goa aufgebrochen. Und so langsam zeigten uns die schließenden Restaurants und Hotels an, dass die Hauptsaison vorbei ist. In Anbetracht der wirklich kalten Nächte, dünner Hauswände und fehlender Heizungssysteme, beschlossen auch wir weiter zu ziehen. Vor uns lag ein Tagestrip nach Kullu, der Besuch des dortigen Rummels, eine adrenalingeladene Suche nach dem richtigen Bus und schließlich eine Nachtfahrt über Chandigarh nach Dedra Dun im Bundesstaat Uttarakhand. Hier wollten wir uns für 10 Tage vom Leben in Indien verabschieden (siehe Artikel über unsere Vipassana-Erfahrungen)

Bald gibt’s noch mehr Geschichten „Same time last year“ (wenn ihr mögt). Bei Fragen und Anregungen hinterlasst einen Kommentar! Und schaut doch auch mal auf unsere Facebook-Page! Guten Wochenstart euch allen!

(A)

1 comment
  1. Holger said:

    Hallo zusammen,
    gut, das ihr uns nicht im Vorfeld von der Absicht den Rothang Pass zu überqueren berichtet habt. Da hätten wir uns gesorgt ! Leider haben wir fernsehmedial eine benteuerlichen Bericht von LKW Fahren ( mehrere Folgen ) die den
    Pass überquert haben, gesehen. Und da ist einiges passiert, Erdrutsch, Fahrbahn weggebrochen, Schneesturm u.s.w.
    Sicher – dem Zuschauer soll was geboten werden – aber gewöhnlich ist der Rothang sicher nicht ! Pures Adrenalin und
    alles gut gegangen.

    LG Cella u. Holger

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