Same time last year – Folge 3 // Unterwegs im Terai, Nepal

Nachdem wir am 16.11.2012 auf abenteuerliche Weise die Grenze von Indien nach Nepal überschritten hatten (s. auch unseren Blog-Artikel von damals), wollten wir einige Tage im beschaulichen Bardia Nationalpark verbringen. Im indischen Rishikesh bekamen wir zuvor einen Tipp: ein Israeli empfahl uns den Park und ganz besonders die Unterkunft seines Kumpels Jack, das s.g. Kingfisher Resort. Es sei ganz neu eröffnet und sein Freund ein unkomplizierter, naturverbundener Typ. Das klang vielversprechend.

Der fast 1000 qkm große Bardia Nationalpark liegt im Südwesten Nepals, im Terai. Dieses Gebiet ist ein etwa 50 km breiter, fruchtbarer, feucht-heißer Grünstreifen an der Grenze zu Indien. Die wenigsten von uns denken bei dem Begriff Nepal an Dschungel, Monsun, Wasserbüffel und Reisfelder, oder?

Nach unserem morgendlichen Grenzübertritt in Mahendranagar und erster Orientierung auf nepalesischer Seite – am auffälligsten war für uns der viel geringere Autoverkehr im Vergleich zu Indien, begaben wir uns auf den Weg gen Badia mit dem Bus.

Die etwa 4…5 (oder waren es doch 6?) Stunden Busfahrt war sehr aufregend. Zunächst einmal fiel uns auf: Die Busse in Nepal sind ja noch viel kleiner (mit noch kleineren Sitzbänken) als in Indien! Und die scheinen noch viel voller mit Menschen gestopft zu sein! Und die Busgehilfen (diejenigen, die die Tickets abkassieren) sind noch wagemutiger! Auf der Fahrt durch das Terai – es geht im Grunde immer nur eine lange Straße nur gerade aus – kraxeln die Kassierer regelmäßig durch die offene Bustür nach oben auf’s Dach… Um die Fahrgäste, die auf dem Dach sitzen abzurechnen! Und wohl gemerkt bei voller Fahrt! Alle 2 km hält der Bus und Fahrgäste steigen aus oder zu. Es gibt keine festen Bushaltestellen, man hält einfach am Straßenrand die Hand raus. Dann wird wieder voll beschleunigt, dann wieder abgebremst. Und der Magen wird ganz schön durcheinander gewirbelt. Die ersten Fahrgäste kotzen schon aus den Busfenstern (kein Scherz!) An den größeren Verkehrsknotenpunkten reichen die Straßenhändler Mandarinen und frittierte Teigtaschen durch’s Fenster. Bei diesem Gezuckel weiß man nie, wie lang die Fahrt dauern wird – oder was noch alles dazwischen kommt.

Bus in Nepal

Bus in Nepal / Entspann dich!

Etliche Stunden auf einer Arschbacke sitzend und ein kotzendes Mädchen im Nacken (wieder kein Scherz!) später, kommen wir nach Ambassa, eine größere Siedlung in der Nähe des Parks. Der Bus spuckt uns aus und wir freuen uns die Bekanntschaft mit Jack zu machen, der bereits mit seinem Jeep auf uns gewartet hat. Wir düsen nach Thakurdwara, dem Dorf, wo sich der Eingang zum Nationalpark befindet. Es ist idyllisch: rote Staubpiste, ein paar Lebensmittelläden, Garküchen und Bongselshops (d.h. aus einem Fenster verkaufen die Muttis Bonbons und andere Süßigkeiten). Die Häuser sind mit Lehm verputzt und mit Ornamenten verziert – die traditionelle Bauweise der Tharus. Diese Bevölkerungsgruppe soll einst aus Indien ins Nepalesische West-Terai gesiedelt sein, um sich hier als ‚Waldbewohner‘ und Bauern nieder zu lassen. Damit prägten die Tharus den Landstrich als die Reiskammer Nepals.

In Thakurdwara trafen wir auf sehr herzliche und aufgeschlossene Dorfbewohner. Hier kommen nur sehr wenige Touristen her (noch!) und als Besucher des Bardia Nationalparks kann man sich auf einen engen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung verlassen. Wir fühlten uns sehr wohl und blieben fast eine Woche. Man kann hier wunderbar abschalten! Wir erkundeten die Gegend auf klapprigen Fahrrädern, gingen im Fluss baden und besuchten eine Station für Arbeitselefanten.

Noch vor wenigen Jahren war insbesondere das westliche Terai-Gebiet stark von den Unruhen des Bürgerkrieges (1996-2006) zwischen den Anhängern der maoistisch-kommunistischen Partei Nepals und den Monarchisten betroffen. Der Bardia Nationalpark war für Ausländer quasi kaum zugänglich. Die Rebellen hatten das Land unter Kontrolle und terrorisierten die Bevölkerung. Jack und seine Freunde vom Kingfisher Resort erinnern sich noch gut an die Zeit. Viele Familien zogen sich damals in die Hauptstadt Kathmandu zurück. Inzwischen hat sich Nepal politisch stabilisiert und langsam kommt der Tourismus auch in die etwas entlegeneren Gegenden zurück, abseits Hauptrouten um Kathmandu, Pokhara, Chitwan oder Everest Basecamp.

Neben den tollen gemeinsamen Abenden am Lagerfeuer zusammen mit den anderen Gästen und den nachmittagen bei Chai und frittiertem Kringel im hiesigen ‚Dorfcafe‘, führte uns Jack u.a. zu einer Safari mit Raftingboot und zu Fuß. Der Nationalpark ist Rückzugsort von Bengalischen Tigern, Asiatischen Elefanten, Panzernashorn und zahlreichen anderen Tieren. Zumindest konnten wir zahlreiche frische Spuren finden. Und selbst das ließ unser Adrenalin steigen, wenn man bedenkt, dass wir quasi die Wege von Tiger & Co. gekreuzt haben!

Wir trafen viele Reisende, die gerade aus der Himalaja-Region kamen und uns viele Tipps für unsere bevorstehenden Bergabenteuer gaben. So nahmen wir früher oder später Abschied vom Bardia Park und diesem ruhigen Fleckchen Erde. Es wäre interessant zu sehen, wie es hier in 5..10 Jahren ausschauen wird…

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Bei Jack im Kingfisher Resort bekommt jeder eine zünftige Abschiedszeremonie. Bis zum nächsten Mal!

(A)

2 comments
  1. Lars said:

    Wie immer schön zu lesen! Bekommt man direkt wieder Reiselust ;-). Grüße nach Dresden

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