Das Souvenir #1 / Ein Teppich aus 1001 Nacht

…oder: Wie verschickt man ein Paket von Indien nach Europa?

Abenteuer Paket verschicken in Indien

Puh! Wie verschicke ich nur ein Paket von Indien nach Deutschland? Abenteuer indische Post!

Jedes Mitbringsel hat seine Geschichte zu erzählen. Umso mehr, wenn man es sorgfältig auswählen musste, weil man im Rucksack ohnehin ein arg begrenztes Gepäckvolumen mit sich führen möchte. Außerdem will man doch noch eine Weile unterwegs sein. Eine gute Lösung für uns war hier ab und zu ein Päckchen um die Welt zurück nach Deutschland zu schicken. Ganz praktisch kann man da auch noch Klamotten mit unterbringen, die man nicht mehr benötigt (Die schicke North Fake Daunenjacke aus Nepal wird in Südostasien z.B. eher obsolet.)

Rajasthan Patchwork Teppich

Rajasthan Patchwork Teppich

Orientzauber aus Rajasthan

Zurück zum Souvenir, welches heute im Mittelpunkt stehen soll: ein Patchwork-Teppich aus dem Bundesstaat Rajasthan, Indien, gekauft in der blauen Stadt Jodhpur. Rajasthan ist ein Shopping Paradies für indische Handwerkskunst. Und es gibt genug Touristen und damit Kaufkraft. Was hierzulande in Indien- oder Esoterikshops relativ teuer verkauft wird, gibt es in Rajasthan natürlich geringfügig preisgünstiger. Vorausgesetzt man weiß zu handeln. Das ist Pflicht in Indien! Ohne Handeln macht’s doch auch nur halb soviel Spaß…

Rajasthan ist mit seinen Farben, alten Städten und Maharadscha-Palästen auf den ersten Blick das Klischee von Bollywood Indien und 1001 Nacht. Und wenn man am Fort von Jodhpur steht und über das blaue Häusermeer schaut, hat das schon einen gewissen Zauber! Eines Abends haben wir uns von Orientatmo, Marktambiente und glitzernden Stoffen bezaubern lassen und streunten in der Region um den Clock Tower im Herzen der Altstadt von Jodpur umher. Zwischen Glitzerarmreifen, Alibaba-Hosen und Räucherstäbchen bieten eine Vielzahl Teppichhändler ihre Ware feil. Die typischen Patchwork-Teppiche sind handgefertigt aus alten Sari-Stoffresten (Das hat uns zumindest ein Verkäufer erzählt. Leider kann ich euch nichts zu den Arbeitsbedingungen sagen – ein Thema, was man sicherlich auch einmal recherchieren sollte…)

Am Ende landeten wir im Laden einer Jain-Familie, kurz vor Ladenschluss. Der Typ war nett, nahm sich Zeit für uns und ging auf unsere Preisvorstellungen ein. Er hatte ein unglaubliches Teppichmeer an Farben und Größen im Angebot. Am Ende bekamen wir noch jeweils einen kleinen Jain-Buddha als Glückbringer geschenkt und trotteten beseelt zurück in die Unterkunft.

Abenteuer Paket verschicken in Indien

Der Teppich ist gleichzeitig das größte Mitbringsel, was wir uns gegönnt hatten. Zusammen mit zwei Sitzkissenhüllen im selben Style. So haben wir am Tag nach dem Kauf gleich mal das hiesige Postbüro kennen gelernt – einen halben Tag lang.

Post zu verschicken von Indien ins Ausland ist ein Abenteuer für sich, bei dem die z.T. perfide Bürokratie Indiens direkt erlebt werden kann. Jeder sollte sich das mal geben bei Gelegenheit…! Um ein Päckchen in Indien zu verschicken, werden mehrere Gewerbe gleichzeitig beschäftigt. Zunächst einmal sollte ein passender Pappkarton gefunden werden: Da fragt man einfach mal im nächsten Minishop nach. Dann sein Zeugs rein packen & am besten parallel dazu eine Liste der Dinge anlegen, die man verschicken will. Warum, erfahrt ihr später noch. Um das ganze zu verschließen, braucht man natürlich Klebeband. Auf den Postämtern gibt es das in der Regel nicht. Also ab zum nächsten Stationary Shop (Schreibwarenladen).

Pappkiste + Schneider = Paketewahnsinn

Bis hierhin ist noch alles gut, aber jetzt kommt’s: Man muss das fertig gepackte Paket jetzt noch einnähen lassen. Ihr habt richtig gehört. Man geht zum nächsten Schneider um die Ecke – im Normalfall ist dieser in Indien nur ein, zwei Querstraßen entfernt. Dieser näht das Päckchen in weißen (nicht braunen oder roten) Stoff ein und versiegelt (!) die Nähte anschließend noch mit heißem Wachs.

Nachdem man also an mindesten 3 verschiedenen Stationen sein Zeug zusammengesucht hat, geht’s endlich ins Postgebäude. Hier erwartet einem bereits der tägliche indische Wahnsinn: Chaos auf den ersten Blick, man kommt nur durch vordrängeln und mit Geldscheinen wedelnd zum Schalter des Postmitarbeiters vor. Wenn man viel Glück hat, kann dieser dein Englisch verstehen und spricht auch selbst verständlich. Frage Nummer 1: An welchem Schalter muss ich, um dieses Paket zu verschicken? Hat man die Antwort erhalten, schiebt man das Päckchen dem richtigen Mitarbeiter zum Wiegen und Ausgeben der Briefmarken zu.

Oftmals sitzt der Postmitarbeiter jedoch hinter einer Absperrung aus Gitter mit nur einem schmalen Durchreicheschlitz. An dieser Stelle haben wir immer gern den s.g. ‚Ausländerbonus‘ genutzt: „Ich weiß von nichts!“ Im Bezug auf unser Postabenteuer bedeutet das: Ab hinter den Mitarbeiterbereich, Päckchen übergeben und Formular ausfüllen. An dieser Stelle kommt die erstellte Liste der zu verschickenden Dinge in’s Spiel! Briefmarken darauf pappen und dem Mitarbeiter für das Weiterversenden persönlich übergeben.

Drei Monate später…

Zugegebenermaßen hat man auf der indischen Post immer ein kleines mulmiges Gefühl: Kommt das Paket (oder der Brief) auch wirklich an? Fazit: Irgendwie folgt doch alles einer inneren Logik. Zumindest kamen alle unsere Päckchen, die wir aus Indien verschickt hatten, etwa 2-3 Monate später in Deutschland an. Manchmal waren sie mehr oder weniger mitgenommen, aber immer zur Freude des Adressaten.

Jetzt ist aus dem Beitrag über unseren schönen Wandteppich eine Story über das indische Postsystem geworden. Was soll’s! Jetzt seid ihr auf diese Situation vorbereitet! 😉

Weitere Infos dazu:

Rajasthan Teppich - Detail

Rajasthan Teppich – Detail

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