Umweltschutz und Pelni Fähre „Ahoi!“ in Balikpapan / Kalimantan, Indonesien

IMG_1369

Sonnenuntergang und ‚Kopi susu‘ (Kaffee mit ordentlich gezuckerter Milch) – Welcome to Indonesia!

oder: Eine Fähre mit 10 Stunden Verspätung (Same time last year – Folge 4)

Vor so ziemlich genau einem Jahr wagten wir den Sprung bzw. den Flug vom relativ gut strukturiertem malaysischen Teil Borneos (Sarawak) in den recht urtümlichen, touristisch (noch) recht unerschlossenen indonesischen Teil (Kalimantan). Unser eigentliches Ziel: die große indonesische Insel Sulawesi im Osten von Borneo. Da es keine Direktverbindung Kuching – Sulawesi gibt, buchten wir einen Flug von Kuching (Lest hier unseren Beitrag darüber!) nach Balikpapan. Von hier aus sollte es einen Tag später abends mit der Fähre weiter gen Osten gehen. Wir hatten also etwas mehr als 24 Stunden Aufenthalt…

Abflug in Kuching (Malaysia) mit MASwings

Abflug in Kuching (Malaysia) mit MASwings

Was geht in Balikpapan? – Industrie und ein bedrohtes Ökosystem

Balikpapan ist mit knapp 500.000 Einwohner die zweitgrößte Stadt in Kalimantan und (wie die meisten indonesischen Großstädte) alles andere als ein touristisches Highlight. Ich wage zu behaupten, dass wir hier das ungeschminkte Indonesien zu Gesicht bekamen:

  • neugierige, offene Indonesier
  • wahnsinns Sonnenuntergänge
  • quirlige Märkte
  • Werbung von Mobilnetzanbietern an allen Ecken
  • echter indonesischer Kaffee
  • Lärm, Straßendreck und Verkehr
  • abgezockte indonesische Taxifahrer, die ganz selbstverständlich den dreifachen Preis von dir verlangen
  • McDonald’s vs. KFC
  • kleine familiengeführte ‚Warungs‘ (kleine Straßenrestaurants)
  • mindestens eine glitzernde Shopping Mall (z.B. Balikpapan Plaza) – und daneben ein Slum
  • und viel Industrie…

Hauptwirtschaftszweige in Balikpapan sind Erdöl, Bergbau und Tropenholz. Die Industrien boomen. Das wird an den Baustellen funkelnder Hochhäuser und der Anwesenheit internationalen Business-Publikums deutlich. Es gibt einige teurere Hotels für diese Zielgruppe, aber wir haben auch etwas in der Nähe unserer Preiskategorie gefunden (Fortuna Hotel: DZ, shared bathroom, ca. 9€, i.d. Nähe vom City Hotel). Dieses Hotel wird v.a. von Indonesiern genutzt, die vom gesamten Archipel nach Balikpapan kommen, um hier Arbeit und das Glück zu finden…fortuna…

Im Flieger Kuching – Balikpapan waren wir, glaube ich, 5 Flugäste. Darunter war ein deutscher Rentner, der jahrelang für die Ölindustrie gearbeitet hat. Die Theorie von der globalen Erwärmung sei für ihn nur ein Gerücht profithungriger Konzerne… Unser Gespräch war dann schnell beendet, aber in Balikpapan half er uns freundlicherweise, ein Taxi zu einem moderaten Preis zu bekommen. Und er gab uns den Tipp mit dem Fortuna Hotel. (Urlaubs-)Reisende verirren sich nur wenige in die Innenstadt. Doch dank des Seppingan Airport dient Balikpapan als günstiges Sprungbrett u.a. ins benachbarte Sulawesi oder Richtung paradiesischer Tropeninsel Derawan im Nordosten Kalimantans.

Im Grunde genommen ist der Regenwald hinter dieser Stadt sowie die mangrovenbewachsene Bucht davor Lebensraum einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Am Mündungsdelta zahlreicher kleinerer Flüsse, welches die Balikpapan Bucht bildet, tummeln sich u.a. (noch wenige) Irawadidelfine und Seekühe (Dugongs). In den Wäldern leben Malaienbar (Sun Bear), Nebelparder und Orang-Utans. Alle sind vom Aussterben bedrohte Tierarten. Die Zukunft sieht angesichts riesiger Ölraffinerien und Industrieanlagen direkt am Ufer und dröhnender Bulldozer im Hinterland düster aus. Es gibt einige indonesisch-internationale Organisationen, die sich dem Schutz dieser Tiere und der Umweltbildung verschieben haben.

Zu Besuch bei den Malaienbären (KWPLH Sun Bear Centre)

Vor den Toren von Balikpapan befindet sich z.B. das s.g. KWPLH Sun Bear Centre. Dieses bietet einigen geretteten Malaienbären (engl. Sun Bears, ind. beruang madu) ein Zuhause und möchte des Weiteren über die Umweltentwicklung und das bedrohte Ökosystem in der Balikpapan-Region aufklären. Wir statteten dem Reservat  während unseres eintägigen Balikpapan-Aufenthaltes einen Besuch ab. Das Areal ist großzügig und ein Mitarbeiter gab uns eine kurze Führung. Lange beobachteten wir die Bären, wie sie in den Bäumen herumtobten. Danach stromerten wir noch ein bisschen auf dem Gelände herum und entdeckten eine informative Austellung rund um die Umweltfragen in Balikpapan.

Ein interessantes Detail: Der Sun Bear ist eigentlich das Maskottchen der Stadt Balikpapan und das Reservat genoss so lange Zeit den wohlgesonnenen Zuspruch (auch finanziell) der Stadtregierung. Doch vor wenigen Jahren stoppte der Bürgermeister die Zahlungen, mit der Begründung, dass sich Balikpapan nicht mehr mit dem Malaienbären identifizieren möchte. „Bären gelten als faul, so möchte Balikpapan nicht gesehen werden“ – so in etwas seine Schlussfolgerung. Ahja…

Mailaienbär m Sun Bear Centre

Mailaienbär m Sun Bear Centre

Wer selbst das Reservat besuchen und die Organisation bei ihrer Arbeit unterstützen möchte: Ein Ausflug hierhin lohnt sich! Man kommt raus aus dem Großstadtgetümmel. Der Abzweig zum Zentrum befindet sich auf der Straße gen Norden von Balikpapan nach Samarinda etwa bei KM 23. Allerdings kann ich gerade nicht mehr ganz nachvollziehen, wie wir das Gelände damals erreicht haben. Wir fuhren mit mehreren Kleinbussen. Am Busbahnhof Batu Ampar ruft man einfach sein Ziel aus – i.d. Regel sind die Indonesier immer sehr hilfsbereit und setzen einen in den richtigen Bus. Rückzu sind wir zu Fuß richtung Hauptstraße gelaufen, bis uns ein nettes Pärchen im Auto aufgesammelt und uns zurück in die Stadt gefahren hat.

Links:

Lektion Eins in Indonesien: Fahrpläne sind nur ungefähre Richtlinien

Szenenwechsel: Wir befinden uns am Hafen der Pelni-Fähre von Balikpapan. Es ist 20:00 Uhr und auf der Plattform vor der Wartehalle am Pier füllt sich die Fläche. Wartende Menschen sitzen, liegen, schlafen auf dem Fließenboden. Dazwischen hoppeln fliegende Händler, verkaufen Pappunterlagen, frittierte Cracker, Getränke und die in Indonesien allgegenwärtigen Zigaretten.

Warten auf die Pelni-Fähre nach Pantoloan / Sulawesi

Warten auf die Pelni-Fähre nach Pantoloan / Sulawesi

Der nette Verkäufer der Fährtickets nach Pantoloan, in der Nähe von Palu (Sulawesi), sagte uns, wir sollen 21:00 Uhr da sein. Da wir nun nicht wussten, ob das Schiff 21:00 Uhr schon da ist und die Fähren in Indonesien immer proppenvoll sind, waren wir als ‚vernünftige Deutsche‘ natürlich schon 20:00 Uhr da. Was blieb uns übrig? Wir gesellten uns zu den Wartenden und stechen natürlich als einzige Ausländer meilenweit heraus. Wir paukten Indonesisch-Vokabeln und konnten diese praktischerweise gleich bei den neugierigen Indonesiern testen: „Satu, dua, tiga … Sepuluh ribu … Terima kasih“ (1, 2, 3…10.000 Rupees…Danke) Dazwischen lesen, essen, schlafen. Übrigens: Die indonesische Sprache ist relativ einfach. Es gibt kaum Grammatik, die Schrift ist in lateinischen Buchstaben und es gibt einige Wortentlehnungen aus dem niederländischen.

5 Stunden später, 2:00 Uhr nachts. Das Schiff kommt! Man offnet den Warteraum. Hier mehr oder weniger bequeme Stühle. Wieder warten. Ich nicke wieder ein.

3 Stunden später, 5:00 Uhr morgens. Das Ent- und Beladen der riesigen Fähre scheint endlich vollbracht. Schließlich können wir Passagiere zusteigen. An Board ist schon alles voll. Es gibt mehrere Klassen. Die schicken Kabinen sind so teuer wie das Flugticket. Aber wir wollten Abenteuer und damit gar keine Klasse. Unter Deck riecht es muffig, manche Passagiere scheinen schon tagelang unterwegs zu sein. Selbst die Gänge im Treppenhaus sind belegt. Wir finden ein Plätzchen auf dem Außendeck. Eigentlich ist es ganz ok, schließlich ist es auch Nachts angenehm warm draußen. Trotzdem schaue ich mich noch einmal im Schiff um, ob ich vielleicht doch noch einen geschützteren Platz für uns finde. Ich treffen einen Boardmitarbeiter – den Elektriker. Als er erfährt, dass wir aus Deutschland sind, ist er total begeistert: Auch diese Fähre wurde in Deutschland gebaut! Er bietet uns einen Platz im Treppenaufgang des Bereiches der Crewmitglieder an. Der Boden ist mit Teppich ausgelegt. Hier haben wir Ruhe.

Endlich, im Morgengrauen um 6:00 Uhr morgens scheinen wir abzulegen. Die Müdigkeit überkommt uns. Es hat wohl zu regnen angefangen. Als wir wieder aufwachen sind wir auf hoher See und kein Land ist mehr am Horizont zu sehen.

An dieser Stelle sei folgender Fakt erwähnt: Die Fähren der Fährgesellschaft Pelni fahren kreuz und quer in den indonesischen Gewässern umher. Sie haben bestimmte Ringrouten und legen u.U. nur alle 2 Wochen an einem Ort an – so wie die Fähre Balikpapan – Pantoloan. Insofern hatten wir Glück, dass wir a) genau zum richtigen Zeitpunkt in Balikpapan ankamen und b) die Fähre läppische 10 Stunden Verspätung hatte.

Abends, nach etwa 13 Stunden erreichen wir Pantoloan auf Sulawesi. Das Entladen dauert wieder ewig. Man fragt sich, was die Menschen alles so herumtransportieren. Ganze Umzüge? Ware für den eigenen Straßenshop vielleicht? Eine Frau trägt zwei riesige bunte Plüschteddys vor uns her. Gewusel vor dem Hafengelände. Taxi- und Kleinbusfahrer überall. Wir finden einen Bus, der uns nach Palu bringt. Noch ein bisschen Hotelgesuche. Endlich, ein freies Zimmer. Noch ein bisschen Feilschen und die Entscheidung für das etwas ‚teurere‘ Zimmer für 70.000 Rupee (nicht mal 5 €!), dafür ohne Kakerlaken. Endlich angekommen, endlich schlafen.

Ankunft auf Sulawesi 13 Stunden später.

Ankunft auf Sulawesi 13 Stunden später.

Links

Fazit: Abenteuer ohne Glamour

Letzte Frage: Hat sich diese Fährfahrt gelohnt? Ich bin ein Optimist… Wir haben effektiv die Grundlagen in Indonesisch gelernt. Wir haben unsere Frustrationsgrenze ausgereizt. Wir haben meditativ ausgeharrt. Wir waren verärgert über die schamlose Neugier der Indonesier, und gerührt über ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Wir haben unser Leben und die Annehmlichkeiten ‚westlicher‘ Infrastruktur schätzen gelernt. Wir haben Respekt vor der Verwaltung eines so riesigen Instelstaates und vor der Geduld der Menschen hier in Indonesien. Meine Empfehlung: Gibt es es eine Flugverbindung, bei der die Tickets nur minimal teurer sind als das Ticket für die Fähre? Dann fliegt! Es sei denn ihr steht auf echtes Abenteuer – aber dann ohne Glamour.

4 comments
  1. Lars said:

    Wir hatten damals eine fähre von Sumbawa nach Flores genommen. Ich kann das alles nur bestätigen :-). Wir mussten auch eine Nacht am Hafen verbringen – hatten aber eine Unterkunft – alles war schön überfüllt und chaotisch – es gab aber große Bildschirme und die ganze Überfahrt liefen amerikanische Spielfilme ;-). Aber suchst du Abenteuer dann reise in Indonesien über den Land und Wasserweg – da bekommst du genug geboten!

    Grüße

  2. Lusmilla said:

    Als Alternative zum Fliegen könnte man sich auch eine der „schicken Kabinen“ auf den PELNI-Fähren leisten. Ich habe das mehrfach gemacht, ist wie eine Kreuzfahrt: man hat wenn man sie braucht seine Ruhe und dennoch (gefühltes) ganz Indonesien an Bord statt gelangweilte Rentner! Ist das Geld echt Wert! Seinerzeit (1990er Jahre) waren die Schiffe auch immer noch oberpünktlich, das wollten sich die Kapitäne der „deutschen“ Schiffe schon leisten.

    • anjaundmarkus said:

      Hallo Lusmilla,

      danke für deine Antwort. Schön dass nach so langer Zeit doch hin und wieder mal jemand hier vorbeischaut. 🙂 Die Alternative mit den Kabinen ist natürlich wirklich eine Möglichkeit. Allerdings macht das wirtschaftlich wahrscheinlich nicht viel Sinn. Damals haben die Sitzplätze in der Holzklasse auf der Fähre nur unwesentlich weniger gekostet als ein Flug.

      Aber so eine Fahrt ist auf jeden Fall ein Erlebnis welches man in Indonesien unbedingt mal gemacht haben sollte. Zwei mal sollte man’s glaub ich nur machen wenn man wirklich genug Zeit hat. 😉

      Happy Travelling…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.