7 Etappen auf dem Oder-Neiße-Radweg

In 7 Tagen von Görlitz nach Anklam

Eigentlich, ja eigentlich, startet der Oder-Neiße-Radweg im tschechischen Liberec, weil dort auch die Neißequelle entspringt. Die Neiße, dass ist jener Fluss, der dann von Sachsen bis in’s Brandenburgische die Grenze zu Polen bildet und dann kurz vor Frankfurt/O., in Ratzdorf, in die Oder fließt. Entlang dieser beiden Grenzflüsse verläuft der super ausgebaute und ausgeschilderte Oder-Neiße-Radweg bis hinauf zum Stettiner Haff in Mecklenburg-Vorpommern und dann eigentlich, ja eigentlich, weiter hinauf bis nach Ahlbeck auf der Insel Usedom,

Für das Teilstück von Görlitz nach Anklam (fast 700 km) haben wir uns vor Kurzem 7 Tage Zeit gegönnt…mit Fahhrad, Packtaschen und Zelt. Anbei nun eine kurze Etappenbeschreibung mit unseren persönlichen Highlights und Tipps für’s Campen.

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Auf dem Oderdamm

1. (Dresden -) Görlitz – Rothenburg – Bad Muskau – Köbeln (ca. 75 km)

Von Dresden fahren sehr regelmäßig Züge nach Görlitz. Achtung: Das Fahrradabteil ist schnell voll. Da wir samstags unterwegs waren, war der kleine Zug überfüllt mit anderen Radlern und Tagesausflüglern. Gruß an die Deutsche Bahn für diese Über-Vollauslastung. An der Neißebrücke in Görlitz-Zgorzelec startete für uns offiziell die Tour. Die Ausschilderung des Radwegs führte uns zunächst über das grobe Kopfsteinpflaster der Altstadt raus auf’s Land. Kurz darauf ging es auf einen sandigen Feldweg und dann kam endlich der angenehmere Asphalt…

Auf Teilen der Strecke wird der Radweg gerade ausgebaut. Umleitungsschilder weisen vorher den Alternativweg. Die Schilder sollte man durchaus beachten, sonst steht man mitten auf der Baustelle. Vorbei geht’s durch die Oberlausitzer Landschaft, duftender Kiefernwälder und an der Kulturinsel Einsiedel (Eintritt 13 € für Erwachsene, wer Zeit hat). Mittags kamen wir durch Rothenburg und können für die Rast den Gasthof „Neisseaue“ Richtung Ortsausgang empfehlen: nette Bedienung und Radler-Mittag zum kleinen Preis.

Weiter geht’s durch die malerischen Neiße Auen und vorbei an den deutschen bzw. polnischen Grenzpfälen bis nach Bad Muskau. Natürlich haben wir hier einen Abstecher in den berühmten Bad Muskauer Park von Fürst Pückler (UNESCO Welterbe) auf deutsche wie auf polnischer Seite gemacht, ein Paradebeispiel für englische Gartenarchitektur des 18. Jahrhunderts. Leider war der Tag schon voran geschritten und wir ersparten uns das Fürst-Pückler-Eis.

Gezeltet haben wir auf der Wiese vom Glockenhof in Köbeln, was mit 10,50 € p.P. (!) übrigens der teuerste Zeltplatz war…deswegen leider nicht zu empfehlen.

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Kiefernwald bei Rothenburg

2. Köbeln – Forst – Guben/Gubin – Bresinchen (ca, 82 km)

Kurz nach dem Start musste gleich ein erster Zwischenstopp auf dem Ziegenhof in Pusack eingelegt werden, um sich mit leckeren frischen Ziegenkäse einzudecken. Dann ging es weiter entlang der Neiße bis nach Forst. Hier gibt es einen berühmten Rosenpark (offizieller Name: Ostdeutscher Rosengarten, mit Eintritt), aber auch sonst lädt die übrigen Parkanlage (frei zugänglich) zu einer Rast und Brotzeit ein. Ansonsten bot sich Forst uns eher weniger spektulär an. Es lag wohl auch am Wochentag: Sonntag, alles dicht. Schwedt hat in der Vergangenheit einige Stadtteile hinzu bekommen. In erster Linie resultieren diese aus Umsiedlungsaktionen. Dörfer der Umgebung mussten für den Braunkohletagebau Platz machen. Eine Ausstellung dokumentiert das Ganze. Leider hatte diese nicht geöffnet, als wir vorbei schauen wollen.

Es ging weiter in Niederlausitzer Gefilden und wir kamen ins besagte Tagebauland von Vattenfall und machten einen Abstecher ins Dörfchen Grießen. Neben einer schönen alten Dorfkirche kann man hier einen Blick an’s Ende der Welt wagen bzw. in den Tagebau Jänschwalde. Vattenfall hat hierführ eine schicke Aussichtsplattform angelegt. Die nächstgrößere Stadt ist Guben / Gubin, eine deutsch-polnische Zwillingsstadt. Kurz danach fahren wir an einem kleinen Kiessee mit Campingplatz in Bresinchen vorbei, wo man für 17 € (2 Personen + Zelt) übernachten kann.

Kurzer Stopp am Tagebau bei Grießen

Kurzer Stopp am Tagebau bei Grießen

3. Bresinchen –  Eisenhüttenstadt – Frankfurt/Oder – Lebus (ca. 75 km)

Das erste Highlight dieser Tagesetappe ist Ratzdorf, wo sich die Oder – aus Richtung Polen kommend – die Neiße einverleibt. Das Pegelhäusschen zeigt den aktuellen Pegelstand der breiten Oder an. Zum großen Oderhochwasser 1997 errang dieser Ort große Medienpräsenz als der Fluss am 27. Juli den Pegelstand von 6,56 Meter erreichte. Eine Radfahrerkirche im Ort erinnert mit Informationstafeln an das Hochwasser. Außerdem macht ein Wegweiser mit der Aufschrift „Michael-Jackson-Spielplatz“ neugierig. Nach dem großen Hochwasser spendeten einige Personen – darunter Michael Jackson – Geld für eine neue Schule in Ratzdorf. Nur, der Ort hat gar keine Schule. Also wurde ein hübscher Spielplatz angelegt.

Pegelhäuschen in Ratzdorf

Pegelhäuschen in Ratzdorf

Ab Ratzdorf müssen wir eine Umleitung entlang der Bundesstraße bis nach Neuzelle fahren. Hier machten wir einen kleinen Abstecher in das Kloster Neuzelle. Nebenan lockt die Klosterbrauerei. Doch es ist erst Mittag, also begnügen wir uns mit einem kleinen Malzbier. Jetzt wollen wir endlich wieder zurück zur Oder und zum Radweg. Querfeldein erreichen wir wieder den ofiziellen Oder-Neiße-Radweg. Irgendwie hatten wir uns verfahren.

Kloster Neuzelle

Kloster Neuzelle

Wir kommen nach Eisenhüttenstadt, welche wohl vor dem 2. Weltkrieg als große Industriestadt blühte und zu DDR Zeiten als Planstadt ausgebaut wurde. Heute liegt die Kleinstadt direkt an der Grenze. Am Fluss sehen wir alte Ruinen, gesprengter Brücken aus dem 2. Weltkrieg. Im Stadtteil Fürstenberg gibt es den s.g. Kunsthof, wo wir uns ein kleines Mittagessen genehmigen, während ein großer Regenschauer über uns hinwegzieht.

Pittoreke Industriebrach bei Eisenhüttenstadt

Pittoreke Industriebrach bei Eisenhüttenstadt

Weiter geht’s nach Frankfurt/Oder. Hier fällt die Klinkerbauarchitektur von Rathaus und Kirchen deutlich in’s Auge. Nachdem wir uns mit neuen Lebensmitteln eingedeckt haben wollen wir in’s Nachbardorf Lebus, welches sehr malerisch direkt am Oderbruch liegt. Hier gibt es einige Zeltmöglichkeiten. Wir finden ein Plätzchen im idyllischen Mückenbusch, eine Herberge mit Zimmern und Bungalows (13 € p.P.) und einer Zeltwiese (6 € p.P.).

Am Mückenbusch - Herberge und Zeltplatz

Am Mückenbusch – Herberge und Zeltplatz

4. Lebus – Große Neuendorf – Gozdowice – Hohenwutzen (ca. 78 km)

Nach einem üppigen Frühstück (Markus hat Geburtstag!) fahren wir entlang des Oderbruchs auf dem Dammweg. Nur geradeaus auf dem Damm ist es mitunter etwas öde. Eine willkommende Abwechslung ist das Mittagessen im Gasthof „Zum Hafen“ in kleinen Örtchen Kienitz. Hier steht auch ein alter Panzer, mitten im Ort. Wir kommen nach Groß Neuendorf und genehmigen uns noch einen Kaffee im historischen renovierten Verladeturm Turmcafé mit toller Aussicht auf die Oderlandschaft.

Kurz darauf variieren wir unsere Tour und setzen mit einer kleinen Fähre (0,75 € p.P.) über ins polnische Gozdowice. Hier setzen wir unsere Strecke gen Norden fort. Die Landschaft ist etwas hügeliger. Wir kommen vorbei an alten Kriegsdenkmählern und einem Kriegsfriedhof. Der 2. Weltkrieg ist in dieser Gegend sehr präsent. Hier setzte Sowjetarmee über die Oder über, um kurz darauf Berlin einzunehmen. Hinter Stary Kostrzynek erhaschen wir einen Blick auf den eindrucksvollen ‚Polenmarkt‘. Billig! Billig! Zigaretten Drive In. Die Szene hat etwas surreales. Über die Brücke geht’s nach Hohenwutzen, wo es angeblich einen Zeltplatz geben soll. Doch es fängt heftig mit Regnen an. So gönnen wir uns zur Feier des Tages ein Zimmer in der kleinen Pension „Oderblick“, welches von einem freundlichen Rentnerehepaar betrieben wird (25 € p.P. inkl. Frühstück – kein Schnäppchen, aber Einheitspreis in der Gegend).

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Am Oderbruch

5. Hohenwutzen – Stolpe – Criewen – Schwedt – Gartz – Mescherin (ca. 68 km)

Die Tagesetappe steht ganz im Zeichen der schönen Natur im Oderbruch. In Stolpe machen wir einen Ausflug zum s.g. Grützpott, einer alten mittelalterlichen Burgruine. Von hier aus hat man einen super Überblick über das hügelige Umland und die Oderauen. Es folgt der Ort Criewen, wo wir uns in der sehr schönen Ausstellung des Nationalparkhauses über den Nationalpark Unteres Odertal (freier Einritt) informieren. Absolut sehenswert!

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Der Grützpott in Stolpe

 

Mittags sind wir in Schwedt: Pause, Supermarkt, Bankautomat, zwei schöne Backsteinkirchen. Viel mehr scheint uns der Ort nicht bieten zu wollen an diesem Tag.  Es geht in’s pittorekere Gartz, voller Klinkerbauten und Oderidylle. Nachdem wir durch ein kleines Wäldchen gefahren sind, kommen wir nach Mescherin zum kleinen aber feinen Campingplatz. Für 12 € (2 P. + Zelt + Duschmarken) ein guter Ort.

Zeltplatz in Mescherin

Zeltplatz in Mescherin

6. Mescherin – Penkun – Löcknitz – Hintersee (ca. 82 km)

Kurz nach Mescherin nehmen wir Abschied von der Oder. Jetzt geht es auf ruhigen Nebenstraßen und Landwirtschaftswegen durch die wesentlich hügeligere Uckermark. Felder und Windräder bestimmen die Landschaft. Zum ersten Mal wird das Radeln im bergigen Terrain ein bisschen anstrengender. Es geht durch brandenburgische Dörfer mit Kirchen in Backsteingotik Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Unterwegs bedienen wir uns kräftig an den Früchten der Natur: Pflaumen, Äpfel und Marillen, sogar Maronenpilze. Der Tisch wird Abends reich gedeckt sein. Wir erreichen Meck-Pomm und fahren auf und neben Landstraßen bis nach Hintersee.

Pilzfund irgendwo zwischen Brandenburg und Meck-Pomm

Pilzfund irgendwo zwischen Brandenburg und Meck-Pomm

7. Hintersee – Rieth – Ueckermünde – Anklam (ca. 68 km)

Unsere letzte Etappe auf dem Oder-Neiße-Radweg. Das Meer (bzw. das Stettiner Haff) ist nicht mehr weit. Durch duftende Kiefernwälder und Walddörfchen geht es in’s malerische Rieth und auf einen Kaffee am Hafen am Neuwarper See, einem Ausläufer des Haffs. Nächste Station ist Ueckermünde. Unterwegs zeugen schon Schilder und Anzeigen für Campingplätze und Pensionen von der hiesigen Tourismustradition.

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Am Strand von Ueckermünde genehmigen wir uns ein Fischbrötchen und ein Eis – „Eis geht immer!“. Es ist schon nachmittags und wir müssen weiter, damit wir es noch nach Anklam schaffen. Da ereilte uns unsere erste und einzige größere Fahrradpanne: Platten an Markus’s Rad. Der Schlauch war schnell gewechselt und durch Mönkebude und weitere kleine Örtchen folgten wir der Ausschilderung gen Anklam.

Unterwegs beeindruckte uns die weite Nasswiesenlandschaften mit unzähligen Wasservögeln, Störchen, Kranichen… Doch Anklam wollte einfach nicht näher kommen. Ein holeriger Betonplattenweg tat da sein übriges. Doch wir erreichten noch vor Dämmerung Anklam. Von hier aus sollten am nächsten Morgen zeitig unser Zug nach Sassnitz auf Rügen gehen, von wir die Fähre weiter nach Bornholm nehmen wollten. Der Oder-Neiße-Radweg führt ansonsten noch in einer Tagesetappe (58km) weiter bis zum Endpunkt in Ahlbeck auf Usedom. Zum kostengünstigen Übernachten in der Stadt können wir in Anklam die einfache Pension im Internat (25 € DZ, nur mit Voranmeldung 03971/833123) empfehlen.

Die Bikes warten auf ihre Weiterfahrt gen Bornholm, am Fährhafen Sassnitz

Die Bikes warten auf ihre Weiterfahrt gen Bornholm, am Fährhafen Sassnitz

Das waren also unsere Etappen auf dem Oder-Neiße-Radweg, August 2014, in einer Woche von Görlitz bis zum Stettiner Haff (ca. 528 km). Es war ein wunderschönes Erlebnis und wir freuen uns, wenn wir mit dieser kleinen Routenbeschreibung die einen oder anderen Radler zu eigenen Entdeckungsreisen inspirieren können.

Auf bald!

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1 comment
  1. Holger said:

    Hallo zusammen,

    eine schöne Beschreibung gemütlicher Örtchen, fahren möglicherweise mal mit den Moppeds z. Bsp. „Veladeturm Cafe“!

    Grüsse
    Holger & Cella

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