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Monthly Archives: November 2016

„Rupien, Rupien“ lautet ein berühmter Roman von Vikar Swarup (später verfilmt als „Slumdog Millionaire“). Heute habe ich diese Überschrift aber nicht gewählt, um euch Buch oder Film wärmstens ans Herz zu legen. Ich wollte euch stattdessen die derzeitige Situation live aus Indien zu berichten:


Neue Rupien braucht das Land!

Hier dreht sich nämlich gerade alles um die indischen Banknoten. Vor zwei Wochen, Dienstagabend, den 8. November 2016 .- als alle Welt auf die USA und den Wahlausgang starrte – verkündete der indische Premierminister Narendra Modi, dass ab Mittwochmorgen, 9.11.2016, die 1000 und 500 Rupien Banknoten ungültig sind – 86 % des umlaufenden Bargeldes. Stattdessen werden neue 500er Noten gedruckt sowie statt den 1000er die neue 2000 Rupien Banknote eingeführt. Bis zum 31.12.2016 haben die Inder (und natürlich auch Expats und Touristen) die Möglichkeit die nun alten Geldscheine bei den großen Banken in Indien umzutauschen.

Diese Bargeldreform wurde also sehr plötzlich verkündet. Die Planung und Vorlaufzeit währte wohl aber schon seit Monaten „top secret“. 

Warum der ganze Stress?

Man stelle sich vor – ein riesiges Land wie Indien, eines der bevölkerungsreichsten der Erde, zieht nun so eine tiefgreifende Bargeldreform durch. Ziel ist es mit der plötzlichen Umstellung jedoch umlaufendes Schwarz- und Falschgeld aufzuspüren, sowie die Korruption zu bekämpfen und das System quasi zu säubern.

Mittlerweile berichten auch deutsche Medien zu dem Thema, das Auswärtige Amt hat zudem entsprechende Infos für Indienreisende veröffentlicht. 

Wie sieht das ganze nun in der Realtität aus?

Nachdem alle Banken und ATMs (Bankautomaten) am Tag nach der Verkündung geschlossen hatten, bilden sich seit etwa einer Woche riesige Warteschlange in und vor den Banken. Inder, wie Touristen versuchen hier nun ihre über Nacht quasi wertlosen Geldscheine umzutauschen.

Obwohl bis zum 31.12.2016 Zeit zum Umtausch wäre, nehmen die meisten Shops, Restaurants und Unterkünfte keine alten Scheine mehr an.

Neue 2000er Banknoten sind bereits im Umlauf – die kann jedoch kaum einer wechseln, da jetzt alle knapp an Bargeld sind. Ohnehin war es in Indien schon immer ein Krampf 500er oder 1000er Rupien gewechselt zu bekommen.

Der Nachdruck der 500er Noten kam nicht so schnell voran, wie gewüscht– dass heißt: Dieses riesige Land hat das Geld zwar auf dem Papier – jedoch gerade noch nicht in bar vorrätig!

Ein riesiges Problem: Die Bestückung der ATMs verläuft nicht so schnell voran wie erforderlich. Auch vor den ATMs bilden sich lange Schlangen. Leute warten mitunter zwei Stunden. Und dann ist der Automat vielleicht leergeräumt.Nachschub dauert noch einmal zwei Stunden…

Hier nun ein paar Tipps für all jene, die in den nächsten Tagen nach Indien reisen.

Tipps für die Indienreise kurz nach der Bargeldreform 11/2016

  • Dollar und/oder Euro für den Notfall zum umtauschen mitnehmen
  • verlasst euch nicht auf den ATM am Flughafen auch diese sind vielerorts leergeräumt oder noch nicht wieder in Betrieb. 
  • Wer kann, am besten ein paar tausend Rupien bei seiner Bank in Deutschland tauschen. Oder Fremdwährung direkt am Flughafen in Indien.
  • Lasst euch keine 1000 und 500 Rupien Scheine geben! Sonst habt ihr erst einmal in Indien die Rennerei zur Bank. Wer möchte seine ersten Tage hier schon gern wartend in der Schlange vor der Bank zubringen?
  • In vielen Touristenorten akzeptieren Shops, Restaurants und Unterkünfte auch Kreditkarte – VISA Card wird eher genutzt als Master Card.
  • Statt Geldumtausche von Dollar/Euro bieten viele Reiseagenturen in den Touistenorten auch s.g. Cashback an. D.h. Ihr zahlt einen Betrag per Kreditkarte, der euch dann in bar ausgezahlt wird. Gegen Gebühr. 
  • Abends haben die Wechselstuben und Travel Agencies in der Regel keine Rupien mehr – besser ist der Gang am Morgen.
  • Das gleiche gilt für Banken zum Umtausch und ATMs. Letztere werden gegen nachmittag aufgefüllt, sind jedoch mitunter sehr schnell wieder leer.
  • Achtung: Maximal könnt ihr nur 4,000 alte Rupien pro Tag bei der Bank umtauschen; am ATM kann man pro Tag nur 2.000 Rupien abheben. …soweit der Stand vom 20.11.2016

    Lasst euch nicht abschrecken! 😉 Irgendwie kommt ihr schon durch.

    Ich selbst habe gerade das Glück einige Wochen an ein und demselben Ort zu bleiben und bin hier gut versorgt. Gelegentlich habe ich mir etwas Bargeld von einem indischen Bekannten geliehen. Und gestern hielt ich meinen ersten druckfrischen 2000er Schein in der Hand. Das Anstellen am ATM hat nicht mal eine Stunde gedauert. 



    Wenn einem Indien eine Lektion erteilt, dann ist es Geduld. 🙂
    In diesem Sinne: Om shanti namaste! 

    UPDATE 13.12.2016

    Nach fast 4 Wochen hat sich die Lage an der Rupien-Front für mich leider noch nicht entspannt – im Gegenteil. 

    Immernoch kann man maximal 2000-2500 Rupien (ca. 30 €) an indischen Bargeldautomaten (ATM) abheben. 

    Immerhin haben jetzt mehr ATMs geöffnet, die neuen 500 Rs Banknoten wurden endlich eingeführt und die Warteschlangen vor den Automaten werden kürzer.

    Allerdings hat meine DKB Bank – eigentlich bekannt als DIE beste Bank für Reisende – just zum 1.12.2016 beschlossen, den Mindestbetrag für Bargeldabhebungen am Automaten mit der DKB Visacard auf 50€ (bzw. entsprechender Gegenwert: etwa 3500 Rs) heraufzusetzen. 

    D.h. in Klartext: indische Bargeldknappheit und neue DKB Richtlinien überschneiden sich wunderbar (Achtung, Ironie!). Wenn ich denn mal die Gelegenheit habe, an einem vollen ATM zu stehen, bekomme ich kein Bargeld heraus, da meine Visakarte den relativ geringen Betrag verweigert. 

    Nun könnte man meinen, mit etwas Fremdwährung in Dollar oder Euro ist das kein großes Ding. Umtauschen un fertig. Allerdings erhalten auch die Wechselstuben nur eine begrenzte Menge Bargeld zur Verfügung, so dass die Money Exchange Läden gen Mittag schon über kein Cash mehr verfügen.

    Zu allem Uberfluss gab es in Kerala grad ein langes Wochenende wegen eines Feiertages am Montag – und 3 Tage lang geschlosse Banken, leere ATMs und blanke Geldwechsler. Mittlerweile können letztere übrigens auch keine Fremdwährung mehr annehmen, da sie selbst diese bei den Banken nicht mehr umgetauscht bekommen. 

    Einzige Möglichkeit für mich ist aktuell einen Geldwechsler zu finden, der über ein Kreditkartenlesegerät verfügt und somit s.g. Cashback (s.o.) durchführen kann.

    Wieder einmal zeigt sich: Indien bringt uns Europäern die Tugend der Geduld näher…shanti shanti, puh… 😉

    Hallo ihr Lieben – es ist Zeit, dass sich hier auf dem Blog mal wieder etwas tut, oder? Sehe ich auch so! Also her mit neuen Geschichten von Weiteweltweltweit!

    Anlass ist eine Reise nach Asien: für knapp 3 Monate geht es für mich (Anja) nach Indien, Sri Lanka und „?“. Zunächst quasi als „Alleinreisende“…

    Letzte Woche bin ich nun in Kochi gelandet. Die Stadt liegt in Südindien, im Bundesstaat Kerala. Laut einer Legende ist es „God’s own country“ – Vishnu habe das Land erschaffen und alle Menschen eingeladen hier zu leben. Multikulti ist hier Programm. 

    Kerala ist reich – reich an Geschichte (Vor den Briten waren hier bereits die Portugiesen und Niederländer. Es wurde Handel mit Europa und Ostasien getrieben. Vasco da Gama liegt hier begraben.); reich an Tourismus (In der Tat: In Kochi sehe ich sehr viele ausländische Touristen. Sehr viele Einwohner gehen einem touristischen Business nach); reich an Gelassenheit (Kochi gehört zu den sichersten Städten Indiens. Im Allgemeinen zählt Kerala als perfektes Einstiegsziel für Indienreisende. Die Menschen hier erscheinen mir im indischen Vergleich wirklich recht gelassen.)

    Und so habe ich meine ersten Tage hier verbracht: als gelassene Touristin ein bisschen Geschichte in Kochi auf mich wirken lassen.

    In diesem Sinne: zur Einstimmung auf Kerala ein paar Fotos. 
    Bald gibt’s mehr!