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Stand der Dinge (02.04.2020)

Eigentlich wollten wir an dieser Stelle über spannende Reiseerlebnisse mit Baby berichten – das ist natürlich mittlerweile alles zur Nebensache geworden. Reisen in Zeiten der Corona-Krise.

Seit 2 Wochen nun sind wir auf der kleinen Insel Koh Phayam. Am 26.03.2020 hat die Thailändische Regierng angesichts der stark steigenden Corona-Fallzahlen den Notstand ausgerufen. Seitdem ändert sich die Lage hier tagtäglich. Die Provinzregierungen entscheiden über entsprechende Maßnahmen (Phuket wird z.B. ab 10.04. komplett abgeriegelt), doch auch landesweit gibt es mehr und mehr Einschränkungen.

Zeit zu gehen

Wir haben nun den Entschluss gefasst, so schnell wie möglich nach Deutschland zurückzukehren. Inselparadies hin oder her. Gerade die Ereignisse in Europa und USA machen uns natürlich nachdenklich, in wieweit das thailändische Gesundheitssystem die ganze Krise meistern kann. Außerdem wird die allgemeine ärztliche Versorgung hier sicherlich nicht besser was gerade in Verbindung mit der Reise mit Baby nicht optimal ist.


Diese Meinung teilen aber nicht unbedingt alle hier. Wir sind umgeben von einer Vielzahl von Nationen, die alle ihre eigenen Rückreiseprobleme haben. Viele von ihnen sind auch (zumindest nach außen hin) fest davon überzeugt, dass es besser ist hier auf der vermeintlich sicheren Insel zu bleiben und die ganze Sache notfalls über Monate auszusitzen. Andere halten sich am 30.04. fest – dem, nach offiziellem Stand, Ende des thailändischen Notstands. Wir sind aber eher skeptisch, dass danach wieder „Friede-Freude-Eierkuchen“ herrscht und die Reisebeschränkungen aufgehoben werden.


Jeder muss in dieser Zeit für sich entscheiden, was das richtige in seiner Situation ist. Vielleicht werden wir in einem halben Jahr mehr wissen… DIE einzig richtige Entscheidung gibt es nicht.

Rückreise: Welche Möglichkeiten haben wir?

Nachdem die Botschaft noch einmal per Mail („Landsleutebrief“) ordentlich Druck auf ihre Landsleute ausgeübt hat, haben wir nun mittlerweile den 3. Rückflug gebucht. Dieser soll im Rahmen der Rückholaktion der Bundesregierung in Kooperation mit Condor am 8.4. von Bangkok nach Frankfurt gehen. Schon dieser Buchungsvorgang wäre einen Blogbeitrag wert, aber wir haben es schlussendlich geschafft, unsere Tickets zu buchen.

Jetzt haben wir also noch knapp 6 Tage Zeit bis Bangkok zu kommen und das gestaltet sich aktuell als schwierig. Der regionale Flughafen hier in Ranong wurde von heute auf morgen geschlossen – also keine Flugverbindungen mehr. Busverbindungen sind über Wochen ausgebucht. Ein Taxi zu finden ist auch nicht einfach, da unsere Provinz (Ranong) derzeit abgeriegelt ist und ein wieder zurückkehrender Taxi-Fahrer für 14 Tage in Quarantäne müsste. Keine guten Vorzeichen also.

Mit der Deutschen Botschaft in Bangkok hatten wir mehrfach Kontakt. Dort wurde immer wieder darauf verwiesen, dass wir so schnell wie möglich nach Bangkok reisen sollten. Wie, das ist unser Problem. Wir können aber einen speziellen Passierschein bekommen, mit dem wir uns eigentlich frei bewegen könnten, sofern wir ein Heimflugticket vorweisen können. Den Passierschein haben wir mittlerweile.

Ein Taxiunternehmen, welches Transfers auch in benachbarte Provinzen organisiert, haben wir zu unserem Erstauen (und Erleichterung) auch gefunden. Dass die Fahrer danach in besagte Quarantäne gehen, wird in Kauf genommen und ist mit „eingepreist“. Wenn alles gut geht werden wir Koh Phayam am 4.4. mit dem Speedboot verlassen. Danach gibt es 2 Optionen:

  1. mit dem Taxi direkt nach Bangkok fahren (ca. 8h Dauer)
  2. mit dem Taxi nach Surat Thani fahren (ca. 3h Dauer) und von dort am selben Tag nach Bangkok fliegen

Wir favorisieren derzeit Variante 1 weil sie nur 50 Euro mehr kostet und wir von „Haustür“ zu „Haustür“ gebracht werden. Außerdem entfällt das lästige Ein- und Ausgechecke am Flughafen und die allseits drohende Gefahr, dass der Flug gecancelt wird oder der ganze Flughafen gar kurzfristig ebenfalls geschlossen wird.

Seit heute (02.04.) 18 Uhr ist Variante 1 aber wieder ein Wackelkandidat geworden. Die thailändische Regierung hat eine nächtliche Ausgangssperre (22 – 4 Uhr) verordnet, die morgen in Kraft tritt. Damit könnte unser Fahrer nach 8h Fahrt nach Bangkok nicht mehr pünktlich zurück kommen bevor die Ausgangssperre aktiv wird…..mal ganz abgesehen davon dass 16h hinterm Steuer sicherlich auch keine gute Idee ist. Die Reiseagentur wird uns morgen kontaktieren ob Variante 1 für uns noch machbar ist. Es bleibt spannend…

Danke für eure Anteilnahme

Soweit die Neuigkeiten erst mal von uns. Noch ein letzter Gedanke: Danke für alle gut gemeinten Tipps und Ratschläge aus der Ferne, aber wir sind wirklich sehr gut über die Lage hier vor Ort informiert, lesen die internationale und regionale Presse, stehen in regelmäßigem Kontakt zur Botschaft in Bangkok und sind auf diversen Krisenlisten eingetragen. Mehr geht aktuell einfach nicht. Tagtäglich ändert sich die Lage hier. Ein für die deutsche Seele schwer zu ertragender Zustand: Nichts ist mit 100% Sicherheit planbar bzw. vorhersehbar. Wieder eine Lektion, die wir auf Reisen lernen können.

Bis bald sagen,
Markus, Anja und Paula